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Doubleclick kommt günstig weg

02.04.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Der Online-Werbevermarkter Doubleclick hat sich in einem Privacy-Verfahren offensichtlich mit der Gegenseite geeinigt. Das Unternehmen, dem Verstöße gegen die Privatsphäre von Surfern vorgeworfen wurden, erklärte sich demnach bereit, seine Praxis der Datenhaltung und -verknüpfung künftig offener zu gestalten. Zudem wird Doubleclick 300 Millionen Banner schalten, über die Privacy-Informationen abgerufen werden können. Darüber hinaus übernimmt die Firma Anwaltskosten der Kläger in Höhe von rund 1,8 Millionen Dollar.

Seit Anfang 2000 hatten verschiedene Privacy-Organisationen und Einzelpersonen gegen Doubleclicks Umgang mit persönlichen Daten geklagt. Der Werbevermarkter hatte 1999 die Direkt-Marketing-Firma Abacus Direct übernommen und angekündigt, deren Offline-Adressen mit den eigenen Online-Profilen zu verknüpfen. Diese Praxis hätte dazu führen können, dass ein anonymes Surfen nicht mehr möglich gewesen wäre. Nach einer Protestwelle hatte Doubleclick offiziell von seinen Plänen Abstand genommen.

Für das Electronic Privacy Information Center (Epic) greift der jetzt geschlossene Vergleich indes zu kurz: Das Unternehmen könne weiterhin Profile von Surfern ohne deren Wissen zusammenstellen und verkaufen, heißt es. Zudem sehe das Abkommen vor, dass Doubleclick die so genannten Cookies auf den Rechnern der Surfern erst nach fünf Jahren löschen muss – wobei die meisten PCs nicht einmal fünf Jahre im Einsatz seien. Das Epic erwägt daher, gegen den Deal vorzugehen. Eine endgültige Entscheidung in dem Gerichtsverfahren soll am 21. Mai fallen. (ajf)