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Diskussion um Open-Source-Java dauert an

02.07.2004

Auf der Sun-Entwicklerkonferenz Java One in Sun Francisco hatten sich gestern prominente Teilnehmer zu einer Podiumsdiskussion versammelt, um die Frage zu diskutieren, ob Java Open Source werden solle. Rod Smith, Vice President Emerging Technologies bei IBM, hatte die Diskussion vor einiger Zeit mit einem offenen Brief an Sun angefacht. Er argumentierte, derzeit entstünden plattformübergreifende Alternativen zu Java, beispielsweise Novells Project Mono - eine quelloffene Implementierung von Microsofts .NET Framework und C#-Programmiersprache für Unix und Linux.

"Das Programmiermodell ändert sich mit XML, SOAP und WSDL. Damit tun sich für Java neue Möglichkeiten auf, die wir bislang noch nicht ausgelotet haben. In den frühen Tagen wussten wir, wie man J2EE baut. Die Verbindung mit Open Source wird von kritischer Bedeutung", erklärte Smith. "Wir befinden uns an einem interessanten Scheideweg. Es gibt Innovation bei Open Source und in der Java-Gemeinde. Wir wollen, dass diese Innovationen schneller durchkommen. Für die Zukunft wünschen wir uns ein Open-Source-Java, das enger mit Java und anderen Projekten verheiratet ist."

IBM war in der Vergangenheit dafür kritisiert worden, dass es seinen Wunsch nach Open-Source-Java nicht hinreichend begründet hatte. Auch gestern blieben Suns Vertreter eher ungerührt von Smith' Ausführungen. Sun-Fellow und -Vice-President Rob Gingell erwiderte freiheraus: "Wenn Open Source die Antwort ist, dann sagen Sie mir doch bitte das Problem." Gingell räumte ein, dass der Java Community Process möglicherweise nicht immer effizient arbeite. Das lasse sich aber ändern, ohne dass man die Sprache selbst unter Open-Source-Lizenz stelle.

Brian Behlendorf von der Apache Software Foundation erklärte, Open Source führe zu Allgegenwart ("ubiquity") und würde zwangsweise zur Entstehung derivativer Versionen von Java führen. "Es wird dann Zwischenarbeiten geben, die nicht kompatibel sind - wenn auch also solche klar erkennbar."

Java-Miterfinder James Gosling warnte vor einer Fragmentierung der Sprache, die aus einer Öffnung der Quellen resultieren könnte, und verwies dabei auf die historischen Probleme mit Unix, die in Linux weiterlebten - viele Anwendungen seien nicht über alle Linux-Varianten portabel, weil es zwischen diesen Architektur-Unterschiede gebe: "Sie haben wieder all diese Distributionen, alle sehr, sehr eng beieinander, aber nicht interoperabel genug." (tc)