Digital X der Telekom

Digital-Initiative feiert in Köln ihren Höhepunkt

08.11.2019
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Florian Kurzmaier ist ein klassischer Quereinsteiger: Nach einem Studium der Geschichtswissenschaften in München landete er zunächst bei der Gamepro, dann als Volontär bei der Macwelt. Inzwischen verantwortet er als Editorial Lead – Events, Platforms and Innovation alle inhaltlichen Aspekte der IDG-Veranstaltungen – beispielsweise auch den Wettbewerb des Digital Leader Award. Sportlich gehört sein Herz dem FC Bayern und den Green Bay Packers.

Digital X, die Initiative, mit der die Deutsche Telekom ihre Kunden nach Köln eingeladen hat, zog zum Finale der Event-Serie tausende Teilnehmer an – COMPUTERWOCHE hat sich vor Ort umgesehen.

Die Zahlen, die die Deutsche Telekom zu ihrem großen Digital X Event am 29. und 30. Oktober in Köln vermelden konnte, suggerieren Beeindruckendes: Über 10.000 Teilnehmer pro Event-Tag, 200 Vorträge von 120 internationalen Speakern und eine Gesamtfläche von 20.000 Quadratmetern in den Hallen der Kölner Messe. Und tatsächlich: Die Messehallen waren nicht nur gut besucht, sondern auch geprägt von angeregten Gesprächen, in denen Entscheider aus Konzernen und KMUs Gründer und zahlreiche Telekom-Mitarbeiter ihre Erfahrungen teilten. "Die Nachfrage nach Austausch und gegenseitigem Lernen steigt enorm", sagt Hagen Rickmann, der als Geschäftsführer Geschäftskunden bei der Deutschen Telekom auch Schirmherr der Initiative ist.

Und für Austausch und Lernen gab es bei Digital X reichlich Gelegenheit: Auf fünf Bühnen wurden von Anwender-Cases über Panel-Diskussionen zum E-Sport bis hin zu Fachvorträgen über die Neurologie und Psychologie von Entscheidungsprozessen präsentiert. Daneben waren Gespräche an Ständen, Demopoints und die eingebettete Startup-Konferenz "StartupCon" zu erleben. . Dass im Zentrum der Ausstellung ein großer, mit unterschiedlichen Anwendungsbeispielen gespickter Stand der Deutschen Telekom auf interessierte Teilnehmer der Konferenz wartete, verwundert bei einer Veranstaltung dieser Größe nicht - immerhin bespielt Deutschlands größter Telekommunikationskonzern seine Digital-X-Initiative ganzjährig mit mehreren regionalen Events und dem "Finale" in Köln. Ein Finale, das Digitalstaatsministerin Dorothee Bär in ihrem Impulsvortrag bereits mit der altehrwürdigen CeBit verglich.

Das Finale der Digital X fand am 29. und 30. Oktober in Köln statt.
Das Finale der Digital X fand am 29. und 30. Oktober in Köln statt.
Foto: Deutsche Telekom

Branson, Berners-Lee und die IT-Politik

Neben den unzähligen Vorträgen, Panels und anderen Formaten dürften den Teilnehmern vor allem die "großen Namen" im Programm in Erinnerung geblieben sein. Gleich zu Beginn der Veranstaltung nutze der CEO der Telekom, Tim Höttges, seine Keynote dafür, für ein in Sachen Technologie und Digitalem Mindset starkes Europa zu werben. Für Höttges müsse Europa zudem die Bedingungen für Investitionen verbessern. Als Beispiele für verbesserungsfähige Themenfelder führte er die Arbeitsmarktpolitik oder das Fehlen von Unternehmen an, die mit den Giganten Apple, Google, Facebook oder Alibaba Schritt halten könnten. Zudem unterstrich der CEO der Telekom, dass für ihn die digitale Souveränität Europas von entscheidender Bedeutung sei - auch, um zu ergänzen, dass er ausdrücklich die Überlegungen zu einer europäischen Cloud-Infrastruktur unterstütze. Der Bezug zum großen Gaia-X-Projekt, das zeitgleich auf dem Digitalgipfel in Dortmund von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier vorgestellt wurde, dürfte kein Zufall sein, schließlich gehört die Deutsche Telekom zu den Mitwirkenden des Projekts.

Passend zum 30. Geburtstag des Internets präsentierte der Veranstalter mit Sir Tim Berners-Lee den Erfinder des World Wide Web auf der Haupt-Stage der Digital X. Seine Erfindung veränderte nicht nur die Art unserer Kommunikation und unseres Informationskonsums, sondern legte die Grundlage für neue und disruptive Geschäftsmodelle. Er schätzt, dass mittlerweile rund die Hälfte der Menschheit online sei. Ein Umstand, der völlig neue Herausforderungen nach sich zieht: "Das Vertrauen in Internetquellen sinkt. Wegen Manipulationen, Fake News und Bots." Doch nicht nur das Vertrauen in Technologie und deren Anbieter ist entscheidend, vor allem Transparenz und Datenschutz seien wichtig. Deshalb, so fordert Berners-Lee, "müssen [wir] den Menschen die Kontrolle über ihre Daten zurückgeben." So wichtig, dass der Londoner Physiker und Informatiker mit seinem neuesten, am Massachusetts Institute of Technology verorteten Projekt "Solid" gleich versucht, eine Lösung zum besseren Schutz von Daten und Privatsphäre zu entwickeln.

Am Abend des ersten Tages der Digital X erwartete die Teilnehmer mit dem Gründer der Virgin Group, Sir Richard Branson, dann ein international bekannter Speaker. Im Gespräch mit Telekom-CEO Höttges gab der britische Gründer Einblicke in die Entstehung und Entwicklung seiner Virgin-Unternehmensgruppe. Angefangen mit dem Plattenlabel Virgin Records, später erweitert um die Airline Virgin Atlantic und auch das erste an der New Yorker Börse gelistete Raumfahrtunternehmen Virgin Galactic, zeigt Branson seine Umtriebigkeit, Experimentierfreude - und auch seinen Mut, Dinge einfach zu tun. Dass ein Unternehmer, der zig zum Teil sehr ressourcenintensive Unternehmen führt, sich dabei auch mit den Implikationen für zukünftige Generationen auseinandersetzt, scheint da nur logisch. "Wir konzentrieren uns darauf, den Klimawandel zu bekämpfen", erklärte der 69-Jährige. Dabei dürfe aber der Schutz des Klimas Unternehmen nicht stoppen. Es müsse eher ein Impuls dafür sein, klimafreundliche Technologien zu entwickeln. Sein Appell: "Wir müssen die Welt so schnell wie möglich in eine saubere Welt verwandeln." Schuldig bleibt Branson in der Gesprächsrunde aber, wie das konkret, beispielsweise auch innerhalb der Virgin Group, aussehen könnte. Dafür hat der Unternehmer mit Blick auf Digital Leadership noch einen Tipp für die Teilnehmer: "Sucht nach dem Besten in jedermann. Begegnet allen freundlich. Arbeitet Hand in Hand und nicht gegeneinander."

Daneben brachte die Telekom noch eine große Zahl weiterer nationaler und internationaler Sprecher auf die Bühnen der Digital X, unter anderem Chris Boos, den Gründer des KI-Unternehmens Arago, Aya Jaff, Programmiererin und Gründerin, den Futuristen und Berater Dietmar Dahmen, Joachim Drees, den CEO von MAN oder auch die Blockchain-Expertin Shermin Voshmgir.

Die Gewinner des Digital Champions Award.
Die Gewinner des Digital Champions Award.
Foto: Deutsche Telekom

Digitale Champions auf der Bühne

Eingebettet in den Programmablauf zelebrierten die Telekom und ihr Medienpartner Wirtschaftswoche auf der Digital X auch die Verleihung des Digital Champions Award, einem Digital-Award für herausragende Digitalprojekte im Mittelstand. Mit 128 Bewerbungen nahmen Unternehmen aus den verschiedensten Branchen der deutschen Wirtschaft am Wettbewerb teil, der von der Uni St. Gallen und der EPFL Lausanne wissenschaftlich begleitet wurde. Dabei basiert das Bewertungssystem auf dem St. Gallener "House of Digital Business". Zu den Siegern zählten in diesem Jahr die folgenden Unternehmen:

Digitale Transformation Mittelstand: BEULCO aus dem Sauerland

BEULCO aus Attendorn hat sich von einem reinen Hersteller von Messing-Komponenten zum Anbieter ganzheitlicher Systeme für die Branche entwickelt. Im Zentrum steht dabei "iQ water systems". Diese Lösung umfasst einen elektronisch auslesbaren Wasserzähler. Endkunden haben Zugang zu den Wasserdaten und Einblick in die angeschlossenen Smart-Home-Geräte. Zudem sind eine Wasser-Aufbereitung, Netzdruck- und Temperatur-Überwachung integriert.

Das Kundenerlebnis digitalisieren: bookingkit aus Berlin

Das Unternehmen bookingkit digitalisiert den internationalen Markt für Erlebnisangebote. Dafür nutzt es eine Plattform und Software-as-a-Service (SaaS). Mit der webbasierten Lösung steuern Erlebnisanbieter alle Geschäftsprozesse. Dazu zählen Buchung, Payment, Management und Vermarktung. Im Ergebnis entsteht ein hochautomatisiertes, vielfältiges und in Echtzeit buchbares Angebot.

Digitale Produkte & Dienstleistungen: Next Kraftwerke aus Köln

Next Kraftwerke ist Betreiber eines der größten virtuellen Kraftwerke Europas. Es vernetzt digital mehr als 7.600 dezentrale Anlagen über ein GPRS-Netz zu einem großen Schwarm. Der in den Anlagen erzeugte Strom wird an der Strombörse gehandelt. Mit einer aggregierten Leistung von knapp 7000 MW trägt er zur Stabilisierung des Stromnetzes bei. Über verschlüsselte VPN-Tunnel übermitteln die vernetzten Anlagen kontinuierlich an die Leitstelle, wie viel Strom sie gerade einspeisen.

Digitale Prozesse & Organisation: Bayer 04 Leverkusen

Bayer 04 hat die Informations- und Kommunikationsprozesse zwischen Mitarbeitern, Dienstleistern und Veranstaltern digitalisiert. Dazu nutzt der Verein eine neu konzipierte App. Wo alle Beteiligten früher große Mengen an Dokumenten physisch oder per E-Mail ausgetauscht haben, greifen sie jetzt innerhalb und außerhalb von Bayer 04 digital auf relevante Informationen zu. Der gesamte Prozess ist digitalisiert, zentralisiert und damit effizienter.

Sonderpreis Best Regional Champion: FTI Engineering Network aus Wildau in Brandenburg

Der digitale "Ambulanz Video Assistent" stellt eine zuverlässige Video-, Audio- und Datenverbindung zwischen Notfall-Sanitätern am Einsatzort und einem Notarzt her. Der Notarzt sieht den Patienten dadurch bereits ab dem Eintreffen der Rettungskräfte. Simultan zum Videobild kann er die Vitaldaten des Verunfallten auswerten. Erste ärztliche Maßnahmen leitet er so schon während der Anfahrt zum Unfallort ein.

Sonderpreis Digitalisierungsmacher: Sixt aus München

Mithilfe seiner neuen App treibt Sixt die Digitalisierung der Mobilität voran. Mit der Anwendung werden die Produkte Autovermietung, Carsharing und Taxi vereint. Durch die integrierte Mobilitätsplattform "ONE" bietet Sixt zudem ein ganzheitliches digitales Konzept an. Somit hat das Unternehmen eine Entwicklung vom klassischen Autovermieter zum digitalisierten Mobilitätsanbieter durchlaufen.

Der DIGITAL LEADER AWARD ist die Auszeichnung für Digital Leadership in Deutschland. Deshalb suchen, prämieren und vernetzen wir branchenübergreifend die besten Strategien, Projekte, Mutmacher und Vordenker der Digitalisierung.
Der DIGITAL LEADER AWARD ist die Auszeichnung für Digital Leadership in Deutschland. Deshalb suchen, prämieren und vernetzen wir branchenübergreifend die besten Strategien, Projekte, Mutmacher und Vordenker der Digitalisierung.

Mit dem DIGITAL LEADER AWARD ist im Übrigen in diesen Tagen auch der Digital-Award von COMPUTERWOCHE und NTT Deutschland in seinen fünften Jahrgang gestartet. Interessierte Digital Leader aus allen Branchen, Non-Profit-Organisationen/Behörden und allen Unternehmensgrößen, die uns eine spannende Digital-Story aus ihrer Organisation erzählen können, finden auf der Website zum Award alle relevanten Informationen sowie den Link zu unserer Bewerbungsplattform.

Bewerben Sie sich für den DIGITAL LEADER AWARD und erzählen uns Ihre Digital-Story!

Ankündigungen: Blockchain-as-a-Service, Campus-Netze und Apple at Work

Die Telekom ließ es sich im Rahmen der Digital X nicht nehmen, auch eine Reihe von Neuerungen und Partnerschaften anzukündigen. Dazu gehört zum einen die Ankündigung der T-Systems, eine neue Blockchain-Plattform, das "German Blockchain Ecosystem", an den Start zu bringen. Sie ist nach Telekom-Angaben die erste Blockchain-as-a-Service-Plattform Europas und bietet als erstes verfügbares Produkt "Validation-as-a-Service" an. So sollen Telekom-Kunden Prozesse künftig unternehmensübergreifend per Blockchain validieren können. Daneben kündigte die Telekom noch zwei neue Offerings im Rahmen der Campus-Netze für Unternehmen an, die Mittelständler (Campus M) und Großkunden (Campus L) adressieren sollen.

Mit der Aufnahme in das Programm "Apple at Work" baut die Telekom zudem ihre Beziehungen zu Apple weiter aus. Die neue Partnerschaft inkludiert, dass die Telekom künftig als "Enterprise Reseller" seinen Geschäftskunden das gesamte Portfolio aus Cupertino anbieten kann - und diese mit Mehrwert-Services anreichert. Dazu gehören neben dem Leasing der Hardware auch das gesamte Lifecycle Management der Geräte. So können im Rahmen dieser Partnerschaft Kunden ihren Mitarbeitern den von den heimischen Apple-Produkten gewohnten Consumer-Komfort auch im Enterprise-Umfeld bieten. "Wir reagieren auf die steigende Nachfrage unserer Kunden. Denn ihre Mitarbeiter wollen Apple-Geräte am Arbeitsplatz nutzen. Deshalb sind wir stolz darauf, Teil von Apple at Work zu sein", sagt der Geschäftsführer Geschäftskunden der Telekom, Hagen Rickmann.

Die Initiative Digital X wird die Deutsche Telekom auch im Jahr 2020 mit regionalen Events in Berlin, Bochum, Hamburg, Stuttgart und München fortsetzen. der Schlussakkord wird am 19. und 20. November 2020 erneut in Köln gesetzt. Informationen rund um die Digital X sind unter digital19.de zu finden. (fk mit Material von SchwartzPR)

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