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Die Telekom profitiert vom Mobilfunk

09.11.2005
Die Deutsche Telekom will durch Einsparungen und einem verstärkten Kundenzuwachs ihr Ergebnis langfristig steigern.

Es gehe darum, das Unternehmen zukunftssicher zu machen, sagte Vorstandschef Kai-Uwe Ricke am Mittwoch in Bonn. "Deshalb werden wir in den beiden kommenden Jahren den Schwerpunkt darauf legen, unsere Geschäfte auszuweiten und uns wieder weit stärker auf Umsatzsteigerung zu fokussieren." Für 2006 nimmt Ricke dafür einen Rückgang des operativen Gewinns in Kauf. Im abgelaufenen dritten Quartal fuhr Europas größter Telekomkonzern noch einen Rekordgewinn ein.

Das Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EBITDA) soll im kommenden Jahr auf 20,2 bis 20,7 Milliarden Euro sinken. Für 2007 rechnet der Vorstandsvorsitzende mit einem Anstieg um 1,5 Milliarden Euro gegenüber 2005. Ricke bestätigte die Prognose für das laufende Geschäftsjahr, wonach das EBITDA auf 20,7 bis 21 Milliarden Euro steigen soll und der Umsatz auf 59,5 bis 60 Milliarden Euro. Für die beiden kommenden Jahre rechnet er mit einem Umsatzplus von jeweils rund fünf Prozent.

Die Aktien der Deutschen Telekom haben am Mittwochmorgen vorbörslich leicht an Wert verloren. Das Papier wurde um 8.40 Uhr bei Lang & Schwarz in einer Spanne von 14,70 zu 14,80 Euro gehandelt - am Vortag stand ein Plus von 0,27 Prozent auf 15,02 Euro zu Buche. Händler bewerteten die Zahlen positiv, allerdings habe der Ausblick für 2006 enttäuscht.

Zur Ergebnissteigerung beitragen soll laut Telekom auch ein massiver Stellenabbau, der die Kosten ab dem Jahr 2009 um jährlich 1,7 Milliarden Euro senken soll. Die Telekom hatte in der vergangenen Woche angekündigt, über die kommenden drei Jahre 32.000 Mitarbeiter in Deutschland abzubauen. Da 7000 Menschen neu eingestellt werden sollen, sinkt die Mitarbeiterzahl unter dem Strich um 25.000. Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di hatte die Pläne scharf kritisiert.

Der Konzern reagiert mit dem Stellenabbau und der Fokussierung auf Umsatz und Kundenzuwachs auf die Wettbewerber in Deutschland, die dem Unternehmen vor allem im traditionellen Festnetz Kunden abjagen. Alleine im dritten Quartal sank der Umsatz des Geschäftsbereichs Festnetz/Breitband um weitere 2,3 Prozent. Dank hoher Zuwächse im Mobilfunkbereich wuchs der Konzernumsatz um 4,8 Prozent auf 15,04 Milliarden Euro und das EBITDA um 3,7 Prozent auf 5,49 Milliarden Euro.

Unter dem Strich verdiente die Telekom mit 2,42 Milliarden Euro einen Rekordgewinn. Allerdings trugen Beteiligungsverkäufe zum Ergebnis bei. Bereinigt um diese belief sich der Überschuss auf 1,46 (Vorjahr: 1,15) Milliarden Euro. Mit dem Ergebnis erfüllte das Unternehmen die Erwartungen der von dpa-AFX befragten Analysten. Die Verschuldung sank gegenüber Ende Juni von 44,5 auf 40,80 Milliarden Euro.

Kräftig zulegen konnte wie schon in den Vorquartalen T-Mobile. Die Zahl der Mobilfunkkunden kletterte um mehr als 2,2 Millionen auf 83,1 Millionen, wobei vor allem die Töchter in Deutschland und den USA zum Zuwachs betrugen. In Deutschland gewann T-Mobile 530.000 neue Kunden und in den Vereinigten Staaten 1,1 Millionen Kunden. Die Zahl der DSL-Nutzer wuchs um rund 600.000 auf 7,7 Millionen. Mit 342.000 entfielen davon mehr als die Hälfte auf die Tochter T-Online.

Bis zum Jahresende 2007 will Telekom weitere 8,2 Millionen Mobilfunkkunden unter Vertrag nehmen und die Zahl der DSL-Anschlüsse auf 11,5 Millionen steigern. Möglich werden soll dies durch neue Produkte und den "forcierten Marktangang". (dpa/tc)