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Deutsche Telekom/France Télécom: Kein Entkommen aus der Schuldenfalle

12.03.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Die Deutsche Telekom und France Télécom, jeweils mit Verbindlichkeiten in Höhe von mehr als 60 Milliarden Euro Europas am höchsten verschuldete TK-Konzerne, geraten angesichts ihrer sinkenden Aktienkurse immer stärker in Zugzwang. Die Möglichkeiten des Schuldenabbaus sind begrenzt und allesamt wenig attraktiv.

Auf einer Veranstaltung im Vorfeld der CeBIT in Hannover erklärte Telekom-Chef Ron Sommer, dass sich der bereits zweimal verschobene Börsengang der Mobilfunktochter T-Mobile möglicherweise weiter verspäten werde. Da man die T-Mobile-Aktien nicht unter Wert abgeben wolle, müsse sich das Börsenumfeld für ein Going Public noch deutlich verbessern. Den nächstmöglichen Termin in Juni schloss Sommer allerdings nicht aus, da er damit rechnet, dass sich die Börsenstimmung im laufenden Jahr wieder aufhellen wird. Indiz dafür sei ein Kursanstieg der Telekom-Aktie.

Sommer hält nach wie vor an dem Plan fest, die Verschuldung des Konzerns bis Jahresende von derzeit 62 Milliarden auf 50 Milliarden Euro zu senken. So kündigte die Telekom einen weiteren Verkauf von Immobilien an, nachdem bereits im vergangenen Jahr einige konzerneigene Gebäude abgestoßen und damit rund 700 Millionen Euro eingenommen wurden. Der Gesamtwert des Immobilienvermögens der Telekom wird derzeit auf rund zehn Milliarden Euro geschätzt.

Nachdem das Bundeskartellamt der Telekom den Verkauf großer Teile des TV-Kabelnetzes an Liberty Media untersagt hat, sucht die Telekom nun nach anderen Käufern. Sommer wollte durch den Verkauf 5,5 Milliarden Euro für die Schuldentilgung erlösen. Zu der als möglichen Käufer gehandelten Investmentfirma Compere sagte Sommer: "Ein ernsthafter Interessent verhandelt nicht über die Presse mit uns."

Laut Presseberichten wird außerdem erwartet, dass die Telekom in den kommenden Monaten Anleihen über acht Milliarden Euro ausgeben wird. Wie aus bankennahen Kreisen verlautet, hat sich das Bonner Unternehmen zu diesem Zweck bereits mit mehr als zwölf Emissionsbanken getroffen. Mit der Ausgabe will die Telekom hochverzinsliche Verbindlichkeiten in Höhe von rund 7,5 Milliarden Euro umschulden und somit niedrigere Zinssätze erreichen. Ein Telekom-Sprecher wollte dazu keinen Kommentar abgeben.

In einer ähnlichen misslichen Situation wie die Deutsche Telekom befindet sich der TK-Konzern France Télécom, den ebenfalls eine Schuldenlast von über 60 Milliarden Euro drückt. CEO Michel Bon erklärte gegenüber der französischen Tageszeitung "Le Monde", sein Unternehmen müsse die Konsequenzen aus den starken Wertverlusten von ausländischen Investments ziehen. So zeigte sich Bon von der 28,5-prozentigen Beteiligung in Mobilcom enttäuscht. Auch der anglo-amerikanische Kabelnetzbetreiber NTL habe die gesetzten Erwartungen nicht erfüllt. Eine Wertberichtigung bei der Mobilfunk-Tochter Orange lehnt Bon dagegen ab, da diese trotz der gesunkenen Marktkapitalisierung in der Bilanz richtig bewertet sei. Angesichts jährlicher Einnahmen von zuletzt 43 Milliarden Euro könne France Télécom seine Schuldenlast von über 60

Milliarden Euro aber ohne Schwierigkeiten verkraften. Die Franzosen legen ihre Bilanz am 21. März vor.

Die zusätzlichen Kosten im Falle einer vollständigen Übernahme von Mobilcom bezifferte der TK-Konzern, an dem der französische Staat mit 54 Prozent beteiligt ist, auf weitere fünf Milliarden Euro. Sollte es zum Kauf der Mobilcom-Aktien von Gerhard Schmid kommen, werde France Télécom noch weiteres Vermögen verkaufen müssen, um seine Schulden zu verringern. France Télécom ist neben Mobilcom-Chef Gerhard Schmid, der 42 Prozent des Kapitals hält, der zweite Großaktionär des Unternehmens. Das Verhältnis zwischen Bon und Schmid war in den vergangenen Wochen wegen Streitigkeiten über die Kosten für den Aufbau des UMTS-Netzes in Deutschland stark belastet worden. Die Lage wurde noch schwieriger, nachdem bekannt geworden war, dass Schmids Ehefrau Sybille Schmid-Sindram im großen Stil Mobilcom-Aktien gekauft hatte.

Seit Anfang 2000 ist der Kurs der France-Télécom-Aktie um rund 85 Prozent eingebrochen und liegt derzeit bei etwa 32,50 Euro. Die T-Aktie verlor mehr als 80 Prozent an Wert und liegt aktuell knapp über der 17-Euro-Marke. (mb)