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Deutsche Post schließt Signaturtochter Signtrust

27.05.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Die Deutsche Post World Net hat in der vergangenen Woche angekündigt, sie werde ihr E-Business auf neue Füße stellen. Der Schwerpunkt soll künftig auf der Digitalisierung der Geschäfte, Prozesse und Produkte innerhalb des Konzerns liegen. Die einstige Inkubator-Tochter eBusiness GmbH wird zusätzlich konzerninterne Beratungsleistungen übernehmen.

Keinen Platz mehr in der neuen Struktur sieht der Konzern offenbar für seine auf digitale Signaturen spezialisierte Tochter Deutsche Post Signtrust. Diese wird aufgelöst. Die allgemeine Marktsituation erlaube keine Fortsetzung des Geschäfts. "Die Zeit für eine solche Technologie ist noch nicht reif. Unsere Pläne waren unter den gegebenen Bedingungen nicht einzuhalten", erklärte eBusiness-Geschäftsführer Clemens Beckmann. "Wir werden gemeinsam mit unseren Kunden Lösungen für die weitere Nutzung der Signtrust-Signatur entwickeln." Rund 3000 Kunden konnte Signtrust für seine Dienstleistung gewinnen.

An einen Verkauf oder zumindest eine strategische Beteiligung denkt die Post eigenen Angaben zufolge übrigens auch bei ihrem Shopping-Portal eVITA nach. Andere von der eBusiness gegründete B2B-Angebote wie Trimondo oder Portivas hatte das Unternehmen schon früher ausgegründet oder verkauft; kerngeschäftnahe Aktivitäten wie ePost oder Deutsche Post Com wurden in den Unternehmensbereich Brief integriert.

Andere Signatur- und Zertifikatsanbieter wollen dagegen an dem Geschäft festhalten. So verweist ein Telekom-Sprecher darauf, dass die Signaturdienste der Telekom-Tochter Telesec nur rund zehn Prozent der Geschäfts ausmachen. Weit größer ist der Umsatz mit Zertifikatsdiensten. 20.000 digitale Signaturen hat Telelsec mittlerweile ausgegeben, aber rund 600.000 Zertifikate, zum Beispiel für E-Mail oder IP-Dienste. Zertifikate und digitale Signaturen seien unverzichtbare Features des eigenen Geschäfts als Netzanbieter, so der Telekom-Sprecher. Der Bereich würde daher nicht aufgegeben.

Auch die Datev hält an ihrer digitalen Signatur fest. Das Unternehmen sei an verschiedenen Initiativen im Umfeld seiner Kunden beteiligt, so ein Datev-Sprecher. Hierzu gehörten Pilotanwendungen am Bundesgerichtshof und anderen Gerichten. Allerdings versteht die Datev dieses Jahr noch als Jahr des Aufbruchs. Daher sei man den Umständen entsprechend mit dem Erfolg zufrieden. (tc/mo)