IT-Freelancer arbeiten remote

Der Standort spielt keine Rolle mehr

04.11.2020
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Karriere in der IT ist ihr Leib- und Magenthema - und das seit 20 Jahren. Langweilig? Nein, sie entdeckt immer neue Facetten in der IT-Arbeitswelt und im eigenen Job. Sie recherchiert, schreibt, redigiert, moderiert, plant und organisiert.
Vor Corona bestanden die Kunden darauf, dass die freiberuflichen IT-Spezialisten bei Ihnen vor Ort im Einsatz sind. Mittlerweile arbeiten Freiberuflerinnen und Freiberufler auch von zuhause aus. Das wirkt sich auf Honorare aus, aber auch auf das Verhältnis von Angebot und Nachfrage.
Stefan Zweck, Michael Page Interim: "Mit dem Ausbruch der Pandemie kam es zu einem Einbruch von neuen Projekten, die Stundensätze brachen zum Teil um 20 Prozent ein."
Stefan Zweck, Michael Page Interim: "Mit dem Ausbruch der Pandemie kam es zu einem Einbruch von neuen Projekten, die Stundensätze brachen zum Teil um 20 Prozent ein."
Foto: PageGroup/Mario Andreya

Stefan Zweck verantwortet als Managing Director die Vermittlung von IT-Freiberuflern bei Michael Page Interim. Hinter ihm liegen bewegte Monate: "Mit dem Ausbruch der Pandemie kam es zu einem Rückgang von neuen Projekten, die Stundensätze brachen zum Teil um 20 Prozent ein. Mittlerweile beginnen Freiberufler und Freiberuflerinnen wieder, um Honorare zu verhandeln, das ist ein untrügliches Zeichen, dass es wieder aufwärts geht."

Günstigere Stundensätze

Insbesondere Security-Experten und -Expertinnen seien sehr gefragt. Die Pandemie hat den freiberuflichen Projektmarkt aber auch in anderer Hinsicht auf den Kopf gestellt, so Zweck weiter: "Heute sind die meisten Auftraggeber offen gegenüber Remote-Arbeit, während die Unternehmen früher darauf bestanden, dass der Freiberufler vor Ort tätig ist."Für die Auftraggeber komme das sogar günstiger, da die Reisekosten nicht mehr in die Honorare der Freiberufler eingerechnet werden müssen. Auch steige die Produktivität des Freiberuflers, wenn lange Anreisezeiten wegfallen.

René Halbig arbeitet als freiberuflicher Softwareentwickler auch von zuhause aus.
René Halbig arbeitet als freiberuflicher Softwareentwickler auch von zuhause aus.
Foto: Rene Halbig/privat

René Halbig ist einer dieser Freelancer, als Senior Software-Entwickler programmiert er Schnittstellen für große IT-Systeme von Unternehmen in unterschiedlichsten Branchen. Gerade ist er remote im Einsatz für einen Medienkonzern. Eine ungewohnte Situation, da er früher in der Regel wöchentlich zu seinen Kunden reisen musste. Aber er ist froh, aus remote programmieren zu können, zumal er so auch seine beiden Kinder während der Phase des Homeschoolings unterstützen konnte.

Unabhängig vom Arbeitsort braucht Halbig für seine Tätigkeit "vor allem Ruhe zum Programmieren, aber auch Selbstdisziplin. Neben einer breiteren fachlichen Kompetenz sind auch soziale Kompetenzen von Vorteil. Bei mittelständischen Kunden hat man es schnell mit dem CTO oder dem CIO zu tun, da helfen sicheres Auftreten und ein gewisses Maß an Selbstbewusstsein weiter." Und Michael-Page-Manager Zweck ergänzt: "Freiberufler müssen qualifizierter als Festangestellte sein, sich schnell an neue Gegebenheiten anpassen und mit den unterschiedlichsten Ansprechpartnern kommunizieren können."

Softwareentwickler Halbig begreift sich darum auch als Autodidakt, der sich immer wieder in neue Programmiersprachen Frameworks einarbeitet. Für seine Kunden sei es von Vorteil, dass er Erfahrungen aus vielen Projekten mitbringe. Dadurch habe er einen weiten Blickwinkel auf die Anforderungen, so Halbig weiter: "Zusätzlich lege ich meinen Fokus auf die fachliche Aufgabe und trage keine 'firmenpolitische Brille'".

Freiberufler müssen qualifizierter als Festangestellte sein, sich schnell an neue Gegebenheiten anpassen und mit den unterschiedlichsten Ansprechpartnern kommunizieren können.
Freiberufler müssen qualifizierter als Festangestellte sein, sich schnell an neue Gegebenheiten anpassen und mit den unterschiedlichsten Ansprechpartnern kommunizieren können.
Foto: Monstar Studio - shutterstock.com

Remote hilft gegen Verdacht auf Scheinselbständigkeit

30 bis 35 Prozent der Freiberufler sind parallel in mehreren Projekten tätig. Die Remote-Arbeit hilft auch jetzt dabei, das Thema Scheinselbstständigkeit zu unterbinden und sich hiervon abzugrenzen, betont Stefan Zweck von Michael Page Interim: "Eines der zentralen Kriterien, damit keine Scheinselbstständigkeit vorliegt, ist, dass der Freiberufler nicht in das Unternehmen integriert sein darf." Und das ist erfüllt, da ja der Freiberufler von zuhause aus agiert.

Unternehmen haben größere Auswahl an Freiberuflern

Die Remote-Arbeit der Freiberuflerinnen und Freiberufler wirkt sich auch auf die Suchmöglichkeiten der Unternehmen aus. Firmen, die nicht in den Ballungszentren angesiedelt sind, steht heute eine viel größere Auswahl an Freiberuflern zur Verfügung. Umgekehrt arbeitet nun auch der Freiberufler, der in München wohnt, für einem Hidden Champignon im Schwarzwald, ohne dass er reisen muss.

Da der Standort des Auftraggebers für den Freiberufler mittlerweile kaum eine Rolle mehr spielt, haben die Vermittler wie Michael Page für die Remote-Projekte auch ihre Suchalgorithmen geändert.