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Der rüde Kampf der Klickbetrüger

16.02.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - So hatte sich Tammy Harrison ihr Geschäftsmodell nicht vorgestellt. Eigentlich wollte sie über das Internet Software verkaufen, die auf die Belange von Ärzten zugeschnitten ist. Hierzu machte sie einen Deal mit dem führenden Suchmaschinenanbieter Google und freute sich, dass ihr gesponsorter Link jede Menge Clicks und Besuche auf ihrer Webseite einbrachte.

Bis sie zu "erfolgreich" wurde. Wie bei allen gesponsorten Links üblich, zahlte Harrison pro Click auf ihren Eintrag. In ihrem Fall über 15 Euro. Bei solcherlei Deals wird eine Höchstgrenze zwischen den Vertragspartnern vereinbart. Wenn das Kostenlimit bei einer genügenden Anzahl von Clicks erreicht ist, wird der entsprechende Link danach nicht mehr auf der vordersten Seite eines Suchmaschinenanbieters wie hier von Google gelistet. Bei Harrisons "AdWords" war dieser Zeitpunkt schnell erreicht.

Weil sie aber die Clicks auf ihre Einträge alle dokumentierte, merkte sie, dass ihr offensichtlich ein ehemaliger Angestellter, der mittlerweile eine eigene Firma gegründet hatte, übel in die Parade gefahren war. Er hatte offensichtlich so häufig auf ihren Eintrag geklickt, dass sie nicht nur schnell das mit Google vereinbarte Kostenlimit erreichte, was sie ohnehin schon viel Geld kostete. Darüber hinaus entgehen ihr mittlerweile Umsätze im sechsstelligen Bereich, weil ihr Link durch die Zurückstufung auf eine der hinteren Seiten von Google bei weitem nicht mehr so häufig angewählt wird.

Diese Art von Klick-Kriminalität scheint sich, so auch "Spiegel Online", immer schneller zu verbreiten. Allerdings können Experten wie Googles Vorstandschef Eric Schmidt noch nicht sagen, wie groß das Problem noch werden könnte.

Allerdings gibt es Hinweise darauf, dass mittlerweile schon ausländische Personen angeheuert werden, die außerhalb des deutschen Rechtsraums nichts anderes tun, als auftragsgemäß Klickbetrügereien durchzuführen. Zudem hat sich Software etabliert, die solche Tätigkeiten automatisieren.

Da die Preise von gesponsorten Links sich innerhalb von fünf Jahren verzehnfacht, teilweise sogar um das Zwanzig- bis Hundertfache erhöht haben, entsteht den Geschädigten wie Harrison ein immenser Schaden. Nicht nur läuft ihre teuer bezahlte Onlinewerbung ins Leere. Sie verlieren auch Einnahmen aus entgangener Geschäftstätigkeit. (jm)