Ergonomie

Den Arbeitsplatz richtig einstellen

20.01.2023
Von   IDG ExpertenNetzwerk und
Seyit Binbir ist Börsenexperte und Wegbereiter vieler Unternehmen im digitalen Sektor.
Beate Wöhe leitet als Director Experts Network das IDG Experten-Netzwerk für alle Online-Portale der IDG Tech Media GmbH. Sie hat diese Position nach über zehnjähriger Tätigkeit als Redakteurin und leitende Redakteurin des IDG-Titels ChannelPartner im Juli 2014 übernommen. Ihr obliegt die Betreuung der Experten sowie der weitere Ausbau der Community.
Unternehmen sollten für Mitarbeiter, die überwiegend am Schreibtisch sitzen, deren Arbeitsplatz ergonomisch einrichten. Mit einem Schreibtischstuhl ist es dabei aber nicht getan.
Oft schleicht sich eine falsche Haltung ein, je länger jemand am Arbeitsplatz sitzt. Ein ergonomischer Arbeitsplatz kann dabei helfen, dem entgegenzuwirken.
Oft schleicht sich eine falsche Haltung ein, je länger jemand am Arbeitsplatz sitzt. Ein ergonomischer Arbeitsplatz kann dabei helfen, dem entgegenzuwirken.
Foto: pathdoc - shutterstock.com

In unserer modernen westlichen Welt sitzen wir viel zu viel. Ein großer Teil der im Büro arbeitenden Menschen wird das Problem kennen: Mit häufigem und langem Sitzen kommen Rückenschmerzen und Verspannungen. Darunter leidet auch die Volkswirtschaft, denn Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer verlieren durch angeschlagene Gesundheit einen Teil ihrer Konzentrationsfähigkeit und Arbeitsleistung.

Mit der richtigen Ergonomie am Arbeitsplatz lassen sich viele dieser Probleme verhindern oder zumindest abmildern. Dabei kommt es nicht nur auf den passenden Stuhl an, auch ein Schreibtisch in der passenden Höhe oder der korrekte Abstand zum Bildschirm sind wichtige Faktoren, um die Gesundheit bei der Arbeit im Büro dauerhaft zu erhalten.

Lesetipp: Was Führungskräfte für ihre Gesundheit tun

Was bedeutet ergonomisches Arbeiten?

Unter ergonomischem Arbeiten versteht man die Gestaltung oder Anordnung von Arbeitsplätzen, Produkten und Systemen, so dass sie für die Menschen, die sie benutzen, optimal geeignet sind.

Die Ergonomie ist zudem ein Wissenschaftszweig, der darauf abzielt, die Fähigkeiten und Grenzen des Menschen zu erforschen. Diese Erkenntnisse gilt es dann anzuwenden, um die Interaktion mit Produkten, Systemen und Umgebungen zu verbessern. In dem Maße, wie sich Technologien verändern, muss auch sichergestellt werden, dass die Hilfsmittel, auf die wir bei der Arbeit zugreifen, auf die Bedürfnisse unseres Körpers abgestimmt sind.

Warum ist ein ergonomischer Arbeitsplatz so wichtig?

Untersuchungen haben gezeigt, dass Schmerzen im unteren Rückenbereich die häufigste arbeitsbedingte Erkrankung sind. Die Ergonomie zielt darauf ab, sichere, bequeme und produktive Arbeitsplätze zu schaffen, indem sie die menschlichen Fähigkeiten und Einschränkungen in die Gestaltung jedes Arbeitsplatzes einbezieht, einschließlich

  • der Körpergröße,

  • der Kraft,

  • der Geschicklichkeit,

  • der Geschwindigkeit und

  • der sensorischen Fähigkeiten (Sehen, Hören etc.).

Es wird in den nächsten Jahren deutlich mehr ältere Menschen geben. Aus diesem Grund müssen Produkte, Dienstleistungen und Systeme so gestaltet werden, dass sie den Bedürfnissen der wachsenden alternden Bevölkerung gerecht werden - auch an Arbeitsplätzen, denn die Menschen arbeiten tendenziell immer länger.

Um Arbeitsplätze optimal zu gestalten, nutzen Ergonomen die Daten und Techniken verschiedener Disziplinen:

  • Anthropometrie: Körpergrößen, -formen, Populationen und Variationen;

  • Biomechanik: Muskeln, Hebel, Kräfte, Stärke;

  • Umweltphysik: Lärm, Licht, Hitze, Kälte, Strahlung, Vibration;

  • Körpersysteme und Sinne: Hören, Sehen etc., sonstige Empfindungen;

  • Angewandte Psychologie: Fähigkeiten, Lernen, Fehler, Unterschiede;

  • Sozialpsychologie: Gruppen, Kommunikation, Lernen, Verhaltensweisen.

Im Folgenden betrachten wir die Ergonomie an einem Schreibtisch-Arbeitsplatz etwas genauer.

Ergonomischer Schreibtischstuhl

Der Körper befindet sich dann in einer idealen Position, wenn Sie aufrecht sitzen und mit einem geraden Blick auf den Bildschirm schauen können.
Der Körper befindet sich dann in einer idealen Position, wenn Sie aufrecht sitzen und mit einem geraden Blick auf den Bildschirm schauen können.
Foto: IJMphotos - shutterstock.com

Um eine optimale Sitzposition zu erreichen, beachten Sie folgende Tipps: Stellen Sie Ihren Bürostuhl so ein, dass die Füße flach auf dem Boden stehen und Ober- und Unterschenkel einen (gedachten) Winkel von 90 Grad bilden. Achten Sie darauf, dass zwischen den Knien und dem Polster der Sitzfläche ein paar Zentimeter Platz bleiben und dass der Rücken einen leichten Kontakt zur Rückenlehne besitzt. Die Arme sollten dabei waagerecht und locker auf dem Schreibtisch liegen. Sollte die Tiefe des Schreibtisches dafür nicht ausreichen, empfiehlt sich ein Schreibtischstuhl mit Armlehnen, auf denen die Unterarme abgelegt werden können.

Ergonomischer Schreibtisch

Ein höhenverstellbarer Schreibtisch lässt Nutzerinnen und Nutzern die Wahl zwischen Arbeit im Sitzen und Arbeit im Stehen. Das animiert auch dazu, sich während der Arbeitszeit zu bewegen.
Ein höhenverstellbarer Schreibtisch lässt Nutzerinnen und Nutzern die Wahl zwischen Arbeit im Sitzen und Arbeit im Stehen. Das animiert auch dazu, sich während der Arbeitszeit zu bewegen.
Foto: Jacob Lund - shutterstock.com

Die perfekte Höhe hat Ihr Schreibtisch, wenn die Ellenbogen in einer geraden Sitzposition entspannt auf der Tischplatte aufliegen können. Zudem ist eine gewisse Mindestgröße des Tisches wichtig, er sollte mindestens 160 cm breit und 80 cm tief sein. Ein idealer, ergonomischer Schreibtisch ist höhenverstellbar, so dass Sie ihn jederzeit an Ihre Bedürfnisse anpassen und zur Abwechslung auch im Stehen arbeiten können. Die Tischplatte sollte möglichst matt beschichtet sein, so dass die Augen nicht ständig durch Lichtreflektionen gereizt werden.

Tipps zum Bildschirm

Büro, Arbeitsplatz, Ergonomie 16:9
Büro, Arbeitsplatz, Ergonomie 16:9
Foto: fizkes - shutterstock.com

Zu hoch, zu tief, zu nah oder zu weit weg. Ein falscher Abstand zum Bildschirm kann zu Fehlbelastungen führen und dadurch Beschwerden im Muskel- und Skelettapparat auslösen. Die möglichen Folgen können Nacken- Schulter- oder Kopfschmerzen sein. Daher spielt auch die richtige Positionierung des Bildschirms eine wichtige Rolle. Der Blick sollte ohne Rotation des Kopfes den gesamten Bildschirminhalt erfassen können. Dazu sollte die Bildschirmoberkannte in Augenhöhe oder kurz darunter sein.

Generell sollte der Abstand zum Monitor umso größer sein, je größer dessen Bilddiagonale ist. Der ideale Abstand bewegt sich zwischen 40 bei kleineren und bis zu 80 cm, bei Bildschirmdiagonalen ab 30 Zoll.
Nicht nur der Abstand zu den Augen, sondern auch der Blickwinkel spielt eine Rolle. Arbeitsplatzbildschirme, die sich in der Höhe verstellen lassen sowie die Möglichkeit bieten, den Bildschirm selbst vertikel zu neigen, bieten dazu weitere Einstellungsmöglichkeiten. Wenn möglich, sollte es vermieden werden, den Bildschirm parallel zu einem Fenster oder direkt unter einer Deckenbeleuchtung zu platzieren. Beides birgt die Gefahr von ungewünschten Blendungen.

Ergonomie bei Keyboard und Maus

Eine ideale Ergonomie ergibt sich, wenn die Hände beim Bedienen der Tastatur nicht am Handgelenk abknicken, sondern in ausgestreckter Position zusammen mit den Armen eine gerade Linie bilden. Ist dies nicht ohne Probleme möglich, sollten Sie eine geteilte oder gebogene Tastatur verwenden, die heute bereits von diversen Herstellern angeboten werden. Achten Sie zudem darauf, die Tastatur möglichst nah am Körper zu positionieren, da ein zu weiter Abstand für einen krummen Rücken sorgt.

Geschwungene Keyboards sind in Büros mittlerweile häufiger zu finden. Der Anblick von ergonomischen Mäusen ist immer noch eine Seltenheit.
Geschwungene Keyboards sind in Büros mittlerweile häufiger zu finden. Der Anblick von ergonomischen Mäusen ist immer noch eine Seltenheit.
Foto: utflytter - shutterstock.com

Im Volksmund spricht man vom Mausarm. Dahinter können sich unterschiedliche Krankheiten von Muskeln, Sehnen und Gelenken verbergen, die von der falschen Nutzung der Computermaus herrühren können. Während der Nutzung sollte der Ellbogen einen Winkel von 90 Grad aufweisen und die Maus selbst sollte möglichst dicht neben der Tastatur liegen. Die Hand sollte so auf dem Bedienfeld der Maus liegen, dass das Handgelenk nicht nach rechts oder links abgebogen werden muss.

Um der Ergonomie in allen Bereichen Genüge zu leisten, bieten Hersteller mittlerweile Mäuse an, die sich von Rechts- auf Linkshänder umschalten lassen. Ebenso gibt es Mäuse für unterschiedliche Handgrößen sowie Spezialanfertigungen, die beispielsweise anstelle des Mausrads über eine Kugel oder einen Joystick verfügen.

Letztendlich kann auch die Verringerung des Mauswegs und der Mausgeschwindigkeit per Software-Einstellungen zur Entlastung beitragen.

Handballenauflage und Handgelenkauflage als zusätzliche Hilfen

Handballen- oder Handgelenkauflagen für Maus und Tastatur können die Gelenke zusätzlich unterstützen. Einige Hersteller liefern bereits Keyboards mit integrierter Handgelenkauflage. Eine externe Auflage sollte im Abstand von fünf bis zehn Zentimetern vor der Tastatur platziert werden. Die optimale Lage für ergonomisches Arbeiten ist von Fall zu Fall verschieden und lässt sich durch zentimeterweises Hin- und Herschieben der Auflage herausfinden.

Maus-Pads werden auch mit integrierter Handballenauflage angeboten.
Maus-Pads werden auch mit integrierter Handballenauflage angeboten.
Foto: Khamkhor - shutterstock.com

Auflagen für das Arbeiten mit der Maus sind als Komplettlösung in Verbindung mit einem Maus-Pad oder als externes Pad erhältlich. Bei beiden Varianten sollte auf eine rutschfeste Unterseite geachtet werden. Lediglich für Arbeiten mit der Maus, die von einer hohen Dynamik geprägt sind, sind bewegliche Maus-Pads von Vorteil. Auflagen sind in den unterschiedlichsten Formen wie Kissen oder Schalen erhältlich.