Mobile Datenrettung

Datenverlust auf dem Smartphone: Das können Sie tun

30.10.2017
Von Peter Böhret
Urlaubs- und Familienfotos sind Daten mit besonders hohem Wert. Das ergab eine aktuelle Umfrage unter IT-Nutzern. Doch wie kann man die geliebten Fotos zurückbekommen, sollten sie mal verloren gehen?

Der Urlaub mit der Familie oder den engsten Freunden ist für viele die beste Zeit des Jahres: Traumhafte Sonnenuntergänge am Strand, Bungee-Jumping, ein Abendessen am Fuße des Pariser Eiffelturms. Und alle Erlebnisse werden mit dem Smartphone festgehalten. Zum Glück. Doch manchmal finden nicht alle Urlaubsfotos ihren Weg ins heimische Wohnzimmer: Wer versucht, den Freund beim Surfen zu fotografieren, dem kann es passieren, dass plötzlich das Handy ins Wasser fällt – und mit dem Gerät auch alle Fotos.

Nachlässiger Umgang mit den Endgeräten führt schnell zu Datenverlust.
Nachlässiger Umgang mit den Endgeräten führt schnell zu Datenverlust.
Foto: ThomasDeco - shutterstock.com

Schlampiger Umgang mit dem Gerät oder Bedienfehler führen zu Datenverlust

Datenverlust vom Smartphone ist nur ein Beispiel. Auch auf PCs, Laptops, iPads oder aus Backup-Speichern können wertvolle Daten verloren gehen. 40 Prozent der Deutschen haben schon mal Daten verloren – das ergab eine aktuelle Umfrage des unter 1.518 privaten IT-Nutzern.

Unter den jüngeren Nutzern zwischen 18 und 34 Jahren hat sogar mehr als jeder Zweite (55 Prozent) einen nicht behebbaren Datenverlust erlitten. Der häufigste Grund dafür ist bei den jungen Leuten der nachlässige Umgang mit den Endgeräten. In 56 Prozent der Fälle gingen laut der Umfrage Daten verloren, weil das Device kaputtging. Bei den älteren Nutzern sind meist Bedienfehler schuld: 46 Prozent gaben an, Daten versehentlich selber gelöscht zu haben.

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Mit Abstand am schlimmsten ist es, wenn Urlaubs- und Familienfotos verloren gehen. Sie sind für die Deutschen von höchstem Wert. So sind 84 Prozent der 18- bis 34-Jährigen dazu bereit, Geld für eine professionelle Wiederherstellung ihrer Fotos zu zahlen. Bei Musikdateien oder Adressdaten sieht die Sache anders aus - obwohl gerade jüngere Anwender für Musik, Spiele oder E-Books einmal Geld gezahlt haben, ist die Bereitschaft, für eine Datenrettung zu löhnen, hier minimal.

Es ist der emotionale Wert, der mehr wiegt als der wirtschaftliche. Musik lässt sich im Notfall neu herunterladen, wohingegen Fotos meist für immer verloren sind.

Tipps zur Datenrettung – wie Fotos wiederherzustellen sind

Doch was tun, wenn die Fotos vom Urlaub auf einmal verschwunden sind? Selbst Datenrettungsmaßnahmen zu ergreifen, macht den Schaden oft noch schlimmer. Viele Tipps zur Datenrettung, die Privatanwender im Netz finden, taugen nichts und sorgen dafür, dass am Ende gar nichts mehr zu machen ist.

Wer also auf Nummer sicher gehen will, sollte sich in jedem Fall an einen professionellen Datenretter wenden. Der kann zudem nicht nur Daten von Smartphones oder PCs retten, sondern hilft auch, wenn selbst Backup-Systeme wie ein NAS fehlerhaft aufgesetzt wurden oder den Geist aufgeben.

Ein paar Sofortmaßnahmen für den Fall des Datenverlusts gibt es allerdings trotzdem:

Szenario: Wasserschäden

Fällt das Smartphone ins Wasser oder ergießt sich die Sprudelflasche über den Laptop, heißt das nicht unbedingt, dass das Gerät irreparabel beschädigt ist. In den meisten Fällen sind die Daten noch da, denn der Speicher bleibt oft unversehrt. Deshalb sollten Rettungsmaßnahmen mit Bedacht erfolgen: Zunächst sollte der Akku entfernt werden, sofern möglich.

Auf gar keinen Fall sollte das wassergeschädigte Gerät jedoch gewaltsam geöffnet werden. Auch sollte es nicht zum Trocknen Wärmequellen ausgesetzt werden. Also auf keinen Fall, wie fälschlicherweise oft empfohlen, das Device auf die Heizung legen oder in ein Handtuch wickeln.

Besondere Vorsicht ist geboten, wenn man das Gerät wieder anschalten möchte. Der Versuch, es zu starten, könnte durch Restfeuchtigkeit einen Kurzschluss auslösen. Dann ist meist nichts mehr zu machen. Besser ist es, zunächst eine Weile zu warten und dann gegebenenfalls das Gerät einem Datenrettungsprofi zu schicken. Dieser prüft dann, ob sich noch Restfeuchtigkeit im Gerät befindet. Wenn ja, legt er die Platine mit den Controller- und Speicherchips in ein spezielles Infrarotgerät und erhitzt die Bauteile. Sobald alles trocken ist, beginnt er mit der eigentlichen Datenrettung.

Szenario: Schäden durch Technikversagen

Natürlich gibt es auch andere Gründe, aus denen ein Smartphone, Laptop oder iPad kaputtgehen kann. Der Klassiker: Man tritt darauf oder es fällt herunter. Oder die Technik gibt ganz einfach den Geist auf. Meist scheint dann tatsächlich gar nichts mehr zu gehen. Ob Daten beschädigt oder verloren sind, hängt dabei ganz von der Art des Schadens ab.

Oft ist bei einem Smartphone nur das Display kaputt, die Daten sind aber noch komplett vorhanden. Um nichts falsch zu machen und herauszufinden, um was für einen Schaden es sich handelt, sollte man einen Spezialisten kontaktieren. Dieser kann womöglich auch das Display professionell tauschen.

Macht das Endgerät jedoch nach einem Sturz komische Geräusche oder ist ein Knacken zu hören, sollte das Gerät unbedingt ausgeschaltet und in Ruhe gelassen werden, um den Schaden nicht noch größer zu machen. Handelt es sich bei dem kaputten Gerät um eine externe Festplatte oder ein Laptop, könnte das Festplattenlaufwerk (HDD) physikalisch beschädigt sein – wie zum Beispiel bei einem Headcrash.

In diesem Fall sollte ein Datenretter aufgesucht werden. Dieser öffnet und behandelt den defekten Datenträger in einem staubfreien Reinraum. Wenn nötig, sucht er in seiner weltweiten Datenbank nach passenden Ersatzteilen und bearbeitet die kaputten Komponenten. Ist das Medium repariert, kommt es anschließend in ein Datenrettungslabor. In manchen Fällen liegen die verlorenen Daten an mehreren Orten verstreut – zum Beispiel, wenn Daten durch eine unterbrochene Stromzufuhr korrumpiert oder nicht richtig gespeichert wurden. Im Labor können die einzelnen Dateifragmente zusammengesucht und mit spezieller Soft- und Hardware in detaillierter Feinarbeit Bit für Bit wiederhergestellt werden. Die Daten gehen dann in verschlüsselter Form zurück an den Nutzer.

Doch je nach Ausmaß des zerstörten Datenträgers ist manchmal selbst ein Datenrettungsspezialist machtlos. Teile eines Speicherchips könnten so beschädigt sein, dass sich gewisse Fragmente von Daten nie mehr herstellen lassen. Dies tritt jedoch nur sehr selten auf. Insgesamt können Spezialisten 90 bis 95 Prozent aller Daten retten.

Szenario: Nutzer löscht Daten versehentlich selber

Auch Bedienfehler können ein Grund sein, Fotos zu verlieren. Unabsichtliches Löschen gehört dazu und kommt vor allem bei älteren Nutzern vor. Doch auch hier gibt es Möglichkeiten: Wer sein Fehlverhalten sofort bemerkt, hat gute Chancen, die Daten mit einem Datenrettungsprogramm auf einfache Weise wiederherzustellen. Diese gibt es zum Download im Internet. Ist nur eine geringe Datenmenge verloren, genügt manchmal schon eine kostenlose Testversion. Typischerweise können mit einem solchen Programm die betroffenen Festplattenlaufwerke angewählt werden. Die Software scannt alle Dateien. Per Mausklick können sie sichtbar gemacht und wiederhergestellt werden. Allerdings sollte der Anwender genau wissen, welche Daten er verloren hat, um die richtigen Dateien für den Wiederherstellungsprozess auszuwählen.

Wenn der Nutzer jedoch nicht direkt feststellt, dass er versehentlich Daten gelöscht hat, ist die Lage ernster. Wird die Festplatte oder der Speicher nach dem „Vorfall“ weiter benutzt, das heißt mit neuen Daten bespielt, könnte es sein, dass die gelöschten Fotos oder zumindest Teile davon von neuen Daten überschrieben werden. Damit wären sie in den meisten Fällen für immer verloren. Und hier kann dann auch der beste Datenretter dann nicht mehr helfen. Deshalb sollte der Nutzer, sobald er einen Datenverlust bemerkt, die Festplatte schnellstmöglich von dem System trennen.

Szenario: Software-Update schlägt fehl

Ein ebenso denkbares Szenario, bei dem Daten verschwinden können, ist ein fehlgeschlagenes Software-Update. Plötzlich wurde die Festplatte des Rechners überschrieben oder das Smartphone auf einen veralteten Status zurückgesetzt. Wer kein Backup gemacht hat oder den früheren Status seines Geräts wieder herstellen kann, hat schlechte Karten. Gerade bei aktuellen Smartphones kommt meist jede Hilfe zu spät, da hier Daten verschlüsselt gespeichert und beim Zurücksetzen auf Werkseinstellungen tatsächlich unwiderruflich gelöscht werden. Da hilft dann auch der Gang zum Datenrettungsspezialisten nicht mehr weiter.

Szenario: Angriff auf das Endgerät

Immer häufiger machen Erpressungstrojaner Schlagzeilen, indem sie private Rechner befallen und den Nutzern den Zugang zu ihren Daten verweigern. Selbst mit den besten Vorsichtsmaßnahmen ist es leider möglich, Opfer eines Angriffs zu werden. Ist ein Gerät von sogenannter Ransomware befallen, wird der Nutzer meist aufgefordert, ein Lösegeld zu bezahlen, um seine Daten zurückzuerhalten.

Dieser Forderung sollte der Nutzer auf keinen Fall nachkommen. Wenn eine solche Zahlungsforderung aufpoppt, empfiehlt es sich, das Gerät einmal aus und wieder anzuschalten oder den Stecker zu zielen. Im Anschluss sollte der Nutzer seine aktuellen Backups überprüfen. Sind sie intakt, ist eine Datenwiederherstellung einfach möglich, indem das Gerät auf einen früheren Status zurückgesetzt wird.

Wenn die Ransomware jedoch hartnäckig ist, kann - wenn überhaupt - nur ein erfahrener Datenretter helfen. Dieser kann die Daten zum Beispiel durch spezielle, eigens entwickelte Werkzeuge aus den Fängen der Erpresser befreien. Allerdings sind viele Schadprogramme nicht zu knacken – auch nicht vom Profi. Nutzer sollten angesichts der steigenden Bedrohung immer ein Backup ihrer wichtigsten Daten machen.

Darüber hinaus gibt es auch noch jede Menge weitere Möglichkeiten, seine Lieblingsfotos zu verlieren. Wer seine kostbaren Erinnerungen also nicht entbehren möchte, sollte sich im Vorfeld darüber informieren, was im Verlustfall getan werden kann – und welche Maßnahmen die Sache nur noch schlimmer machen. Am besten ist es natürlich, wenn es gar nicht erst dazu kommt. Ein Backup lohnt sich daher immer. (PC-Welt)