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Control-Data-Gründer William Norris verstorben

24.08.2006
William Norris, der die Mainframe-Firma Control Data gegründet und den ersten kommerzielen Supercomputer auf den Markt gebracht hatte, ist im Alter von 95 Jahren verstorben.

Im zweiten Weltkrieg hatte Norris bereits in der US-Marine an der Entschlüsslung von feindlichen Codes gearbeitet. Vor seiner Control-Data-Zeit leitete Norris außerdem die "Sperry"-Sparte von Univac. Mit der 1964 gebauten "CDC6600" verbrietete Control Data vor allem bei der IBM Angst und Schrecken. Der Rechner, zehn Mal schneller als jedes andere kommerzielle seiner Zeit, machte außerdem den Ingenieur Seymour Cray berühmt, der ihn zusammen mit einem 34-köpfigen Team entwickelt hatte. Big Blue konnte trotz deutlich größerer Mannschaft nichts Gleichwertiges auf die Beine stellen und versuchte dann, den Markt mit dem Versprechen zu verunsichern, es werde in seiner Mainframe-Linie "System/360" einen schnelleren Rechner herausbringen.

Norris verklagte die IBM, gewann 600 Millionen Dollar und übernahm von den Armonkern deren Sparte Service Bureau, die von Kunden ausgelagerte Rechenaufgaben erledigte. CDC stellte auf seinem Höhepunkt auch Peripherie wie Festplatten her und wollte die IBM ausbooten, indem es das Gleiche anbot wie der Konkurrent, aber stets zehn Prozent schneller und billiger.

Mit den Gewinnen aus dem Mainframe-Boom der 60er und 70er Jahre sponserten Norris und Control Data auch soziale und Bildungs-Projekte. Nachdem es Anfang der 80er mit den Großrechnern bergab ging, wandte sich Norris öffentlich gegen den Boom bei Fusionen und Übernahmen und forderte, deren Genehmigung sollte von ihrem Nutzen für die Gesellschaft abhängig gemacht werden. Das stellte sich als Menetekel für die Firma selbst heraus, die 1985 einen Verlust von 400 Millionen Dollar auswies und zwei Drittel seiner Belegschaft entlassen musste.

1988 verkaufte CDC sein erfolgreiches Festplattengeschäft, das ein Jahr später von Seagate Technologies übernommen wurde. Der Rest der Firma ging dann in Syntegra auf, einer US-Tochter von BT Global Services.

Norris verstarb am 21. August in einem Pflegeheim in Bloomington, Minnesota. (tc)