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Computerprobleme bei Flugsicherung lähmen Flughäfen

05.02.2001
Fehlerhaftes Software-Update war Schuld

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Zum Teil massive Verspätungen an den deutschen Flughäfen sorgten am ersten Februarsonntag für Verdruss bei den Fluggästen. Der Grund: Ein Informationssystem der Deutschen Flugsicherung (DFS) GmbH machte nach einem Softwareupdate Probleme.

Der Zentrale Kontrollstreifendruck (ZKSD) der Deutschen Flugsicherung liefert den Fluglotsen an den deutschen Airports wichtige Zusatzinformationen, die ihnen die örtlichen Radarsysteme nicht liefern können. Dabei handelt es sich unter anderem um Daten über Typ und Ausstattung von bestimmten Flugzeugen oder die vom Piloten tatsächlich abgeflogenen Streckenpunkte. Diese Angaben kommen zum Teil direkt von den Maschinen, ein Teil wird von den Airlines für die DFS zusammengestellt. Die Rolle des ZKSD besteht darin, den Fluglotsen diese notwendigen Informationen genau dann pünktlich zu liefern, wenn sie gebraucht werden, also beispielsweise vor der Landung eines Flugzeugs.

Sämtliche Daten laufen in der Frankfurter DFS-Zentrale auf einem Unisys-Host auf, wo sie aufbereitet und an die jeweiligen Außenstellen verschickt werden. Ein Application Messaging Interface sorgt dabei dafür, dass die Informationspakete zu einem Spooler und von dort weitergeleitet werden. Erst nach erfolgreichem Versand werden die Aufträge aus dem Spooler gelöscht. Das soll sicherstellen, dass die Informationen auch tatsächlich ankommen.

Außer den Fluglotsen versorgt die DFS auch andere Partnergesellschaften mit Fluginformationen, die über das sogenannte Lageinformations-Zentrum (LIZ) verschickt werden. Um dort ein Problem zu beheben, wurde am 30. Januar per Hotload ein Update der Software auf den Unisys-Host eingespielt. Dies behob zwar die LIZ-Schwierigkeiten, brachte aber dafür den Daten-Spooler für den ZKSD durcheinander. Durch einen Programmierfehler wurden bestimmte Meldungen nicht mehr aus dem Spooler gelöscht. Pro Tag blieben so etwa 2000 Meldungen "hängen", am Sonntag war das System schließlich voll und versagte den Dienst.

Wie ein DFS-Sprecher erklärte, mussten deshalb einige der sonst per ZKSD verschickten Informationen telefonisch an die Fuglotsen vor Ort durchgegeben werden, was naturgemäß Verzögerungen an allen deutschen Flughäfen nach sich zog. Am schwersten traf es den Franz-Josef-Strauß-Flughafen in München. Dort mussten sogar einige Flüge gestrichen werden. Verschont blieb dagegen der DFS-Stützpunkt in Langen. Dort ist seit einiger Zeit ein neues, vom ZKSD unabhängiges System in Betrieb. Dieses soll nach Angaben aus der DFS-Zentrale sukzessive auch an anderen Standorten der DFS zum Einsatz kommen.

Das für den ZKSD zuständige Team der DFS reagierte auf die Panne, indem es den Hotload rückgängig machte: Der Host wurde in den Zustand vor dem 31. Januar zurückversetzt und neu initialisiert. Wolfgang Kukuk, Produktmanager des ZKSD, betont, das der Vorfall der erste dieser Art gewesen sei. Das System laufe seit sechs Jahren ohne größere Probleme.