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Computer entlarvt böse Cops

25.07.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Die Polizei von Los Angeles bezichtigt sich selbst der Befangenheit, so hat es den Anschein: In der Frage, welcher Beamte sich loyal verhält beziehungsweise wer seine Macht missbraucht, vertraut sie einem neutralen IT-System. Wie der Online-Dienst "Wired News" meldet, investierte das mehr als 13000 Menschen beschäftigende Los Angeles Police Department (LAPD) rund 35 Millionen Dollar in eine Software, die Beschwerden, anhängige Verfahren, Berichte über Gewaltanwendung und andere kompromittierende Informationen über die Officers verfolgt und darin nach Indizien für notorisches Fehlverhalten fahndet. Auf diese Weise hofft das LAPD, seinen seit Jahren schlechten Ruf aufpolieren zu können.

In der Vergangenheit existierten viele Informationen über das Verhalten der Polizisten allenfalls auf Papier; zudem waren sie über unterschiedliche Amtsstellen verteilt. Das machte es schwierig, Zusammenhänge zwischen ihnen herzustellen. Das elektronische Data-Mining-System soll nun in der Lage sein, nicht auf den ersten Blick erkennbare Verhaltensmuster aus dem Datenwust zu destillieren. Entwickelt wurde es von der Sierra Systems Group und Bearing Point.

Ein Polizist, dessen Verhaltensprofil sich von dem seiner Kollegen deutlich abhebt, wird in der Datenbank mit einem Flag gekennzeichnet. Sein direkter Vorgesetzter bekommt dann eine Nachricht und ist verpflichtet, sich den Fall einmal genauer anzuschauen. Gleichzeitig wird der zuständige Deputy Chief informiert. Alle befugten Polizei-Manager können über eine interne Webpage auf die Informationen zugreifen.

Ähnliche Systeme sind in New Orleans und Miami-Dade im Einsatz. Einer Studie des US-Justizministeriums zufolge haben in der Louisiana-Metropole seither die Bürgerbeschwerden abgenommen, und in Florida ging die Zahl der Berichte über Gewaltanwendungen der Polizei zurück.

Allerdings stößt diese Art der Mitarbeiterbeurteilung unter den Betroffenen auf wenig Begeisterung: Sie befürchten, dass dem System auch besonders hart arbeitende Kollegen negativ auffallen könnten oder dass die Polizisten in Gefahrensituationen künftig zu lange zögern werden - aus lauter Furcht, einen Flag verpasst zu bekommen. Der für die Installation in Los Angeles zuständige Deputy Chief David Doan versucht, derartige Vorbehalte zu entkräften: Der Computer werde nicht das letzte Wort haben, sondern nur die statistischen Informationen liefern, die anschließend ein Mensch beurteilt. (qua)