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Cobalt-Übernahme sichert Sun Zugang zu neuen Märkten

20.09.2000
Intel und Linux: Neue Welten

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Sun Microsystems wird den auf Linux-basierte Server-Appliances spezialisierten US-Anbieter Cobalt für zwei Milliarden Dollar in Aktien übernehmen. Mit dieser Akquisition drängt die McNealy-Company auf den lukrativen Markt für Spezial-Server, der nach Prognosen der Marktforschungsgruppe Dataquest von einem Umsatzvolumen von 2,2 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr auf rund 16 Milliarden Dollar im Jahr 2003 ansteigen soll.

Wie viele andere Hersteller von Universal-Servern (Dell, Hewlett-Packard, Compaq, IBM) hat sich Sun bisher wenig um die Entwicklung von Server-Appliances gekümmert. Diese spezialisierten Lowend-Maschinen, auf denen lediglich eine oder wenige Applikationen zum Einsatz kommen, gewinnen jedoch zunehmend an Attraktivität bei Internet-Service-Providern (ISPs) und Unternehmen. Als preisgünstige Ergänzungen zu den Allround-Modellen können sie beispielsweise als Web-, File-, Print- oder Cache-Server eingesetzt werden.

In diesem Marktsegment hat sich Cobalt mit seinen einfach zu verwaltenden Rackmount-Servern der Serie "RaQ" bereits etabliert. Auf den mit Linux 2.2 ausgestatteten Maschinen können der "Apache Web Server", Internet-E-Mail-Programme, Caching sowie andere für ISPs wichtige Applikationen zum Einsatz kommen. Gerade die Möglichkeiten des Web-Hosting sind für die McNealy-Company nach eigenen Angaben interessant. Einen weiteren Pluspunkt sieht Sun zudem in den Softwareprodukten von ChiliSoft, die Cobalt im März dieses Jahres übernommen hat. Deren strategisches Produkt "ChiliSoft ASP" erlaubt die Erstellung dynamischer "Active Server Pages" (ASP) auch auf Nicht-Microsoft-Plattformen wie Linux, Solaris und AIX. Cobalt führt mit dem "Qube" außerdem einen Universal-Server in seiner Produktpalette, der für Sun jedoch weniger von Interesse ist.

"Das, was der Cray-Deal für unsere Highend-Server-Linie war, bedeutet Cobalt für unsere Lowend-Produkte," kommentierte Ed Zander, President und Chief Operating Officer (COO) von Sun, den Einkauf. Mit diesem Schritt bricht der kalifornische Hersteller nicht nur mit seiner etablierten Praxis, Technologien intern zu entwickeln, statt einzukaufen, sondern holt sich zudem einen Anbieter ins Haus, dessen Server-Appliance mit Intel-kompatiblen Mikroprozessoren von Advanced Micro Devices (AMD) und dem offenen Betriebssystem Linux ausgestattet sind. Das soll jedoch nicht so bleiben.

Langfristig wird Sun eigenen Angaben zufolge die Cobalt-Server mit den hauseigenen "UltraSparc"-CPUs sowie mit Solaris ausstatten. Weitere Strategien wollte das Unternehmen nicht bekannt geben. Der Brancheninformationsdienst "Computerwire" vermutet, dass Sun künftig Embedded-UltraSparc-IIe-Prozessoren und eine abgespeckte Version von "Solaris 8" für Highend-Server-Appliances vermarkten könnte. Möglich wäre zudem die Portierung von Cobalts Verwaltungssoftware auf Suns Lowend-Server. Damit könnten Solaris-Systeme wie Server-Appliances eingesetzt, bei Bedarf jedoch auch in Universal-Server umgewandelt werden.

Einer vorübergehenden Kooperation mit AMD steht allerdings für Sun nichts im Wege. "Wir mögen AMD. Der Feind unseres Feindes ist unser Freund," erklärte Jonathan Schwartz, Suns Senior Vice President für Unternehmensstrategien, und spielte auf die Rivalität mit dem Halbleiterriesen Intel an. Beide Unternehmen waren zuletzt wegen der gescheiterten Zusammenarbeit bei der Anpassung von Solaris an Intels neuen Chip "Itanium" aneinander geraten (Computerwoche.de berichtete). Durch den Cobalt-Deal tritt Sun in direkte Konkurrenz zu dem Chipriesen. Dieser besitzt mit "Net Structure" nämlich ebenfalls eine Server-Appliances-Produktlinie.

Die Marktforscher begrüßten die Übernahme von Cobalt als sinnvolle Ergänzung zu Suns Lowend-Server-Palette. Auch den Kaufpreis von rund zwei Milliarden Dollar stuften die Analysten als angemessen ein. Cobalt nahm in seinem zweiten Geschäftsquartal zwar nur zwölf Millionen Dollar ein und schrieb mit einem Nettoverlust von sechs Millionen Dollar noch rote Zahlen, gehört jedoch zu den Hoffnungsträgern im jungen Server-Appliances-Markt. Nach der Akquisitionsankündigung legte die Cobalt-Aktie um 15,94 Dollar oder rund 40 Prozent zu und notierte zum gestrigen Börsenschluss bei 57,19 Dollar. Die Marktkapitalisierung des Unternehmens beläuft sich damit auf 1,7 Milliarden Dollar.