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Chipproduktion: Die Schlechten nicht gleich ins Kröpfchen

18.03.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Unterhaltungselektronik könnte deutlich preisgünstiger sein, würden Chiphersteller ihre "Ausschussware" nicht gleich entsorgen. Diese Theorie vertritt Melvin Breuer, Forscher an der University of Southern California (USC). Seiner Ansicht nach geht es in der heutigen Halbleiterproduktion verschwenderisch zu: Im Schnitt wandern zwischen 20 und 50 Prozent der Gesamtproduktion eines Chipherstellers aufgrund geringfügiger Mängel in den Abfall oder werden dem Recycling zugeführt.

Das Gros dieser Schwachstellen ist laut Breuer jedoch für den Menschen nicht wahrnehmbar - insbesondere dann, wenn die fehlerhaften Chips in Video- oder Sound-Applikationen zum Einsatz kämen. Durch Identifizierung und Verkauf dieser für bestimmte Zwecke durchaus verwendbaren Halbleiterprodukte könnten Unternehmen Milliarden sparen. Das wiederum könnte Kosten und Preise für elektronische Geräte deutlich senken, so Breuers Argumentation.

Er erachtet es als problematisch, dass derzeit sämtliche Chips, die auch nur einen einzigen Test nicht bestehen, entsorgt werden. Neue Testverfahren, die Aufschluss über Fehlerrate und -kontinuität der betroffenen Produkte geben, könnten es ermöglichen, diese an Abnehmer zu verkaufen, die nicht auf Perfektion angewiesen sind.

Selbst Chips, deren Fehlerverhalten nicht abzuschätzen sei, so der Wissenschaftler, ließen sich in Geräten einsetzen, bei denen der Endanwender eine gelegentliche Störung tolerieren könne. Bei einer Videokarte etwa, die eines von einer Million Pixel rot anstatt blau darstelle, würde das menschliche Auge aller Wahrscheinlichkeit nach keinen Unterschied feststellen, nennt der USC-Professor ein Beispiel.

Breuer hat seine Theorie mit Hilfe von Intel-Forscher T.M. Mak entwickelt. Darüber hinaus unterstützte die Silicon Research Corporation, zu der unter anderen IBM, AMD und Motorola gehören, die Untersuchungen des USC-Wissenschaftlers. Ein Videochiphersteller hat laut Breuer bereits Interesse signalisiert - dessen Identität will er allerdings nicht preisgeben. Seine Studenten untersuchen derzeit 1000 fehlerhafte Chips dieses Produzenten, um herauszufinden, ob die Stückzahl der zu rettenden Chips die Einführung eines aufwändigeren Testverfahrens finanziell rechtfertigen würde. (kf)