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BSA: 36 Prozent der Software weltweit ist raubkopiert

07.07.2004

Der Herstellerverband Business Software Alliance (BSA) hat gestern eine von IDC im Auftrag erhobene Studie vorgestellt, der zufolge 36 Prozent der weltweit auf Computern installierten Software raubkopiert ist. Dadurch sei der Softwarebranche im vergangenen Jahr ein Schaden von 29 Milliarden Dollar entstanden.

Die Studie war breiter als in der Vergangenheit angelegt und berücksichtigt erstmals auch Segmente wie Betriebssysteme oder Software für Endkunden und lokale Märkte. In der Vergangenheit hatte die BSA nur Geschäftsanwendungen untersucht. "Softwarepiraterie ist für die Volkswirtschaften weltweit weiterhin ein großes Problem", erklärte BSA-President und -CEO Robert Holleyman. "Den Ländern entgehen Steuereinnahmen, über die Technologie-Wertschöpfungskette hinweg gehen Arbeitsplätze verloren und die heimische Softwareindustrie wird geschädigt."

Regional betrachtet liegt die Piraterierate gegenwärtig in Osteuropa am höchsten. Aufgrund der dort noch relativ geringen PC-Verbreitung ist der dadurch entstehende wirtschaftliche Schaden mit 2,1 Milliarden Dollar aber vergleichsweise gering. Hier steuert Westeuropa den mit 9,6 Milliarden Dollar größten Fehlbetrag bei, auch wenn die Piraterierate hier "nur" bei 36 Prozent liegt. Für Deutschland hat IDC eine Raubkopienrate von 30 Prozent ermittelt, durch die der IT-Industrie 2003 ein Umsatzausfall von 1,7 Milliarden Dollar entstand.

Die Region Asien-Pazifik weist laut BSA/IDC eine Piraterierate von 53 Prozent auf, wodurch der Branche über 7,5 Milliarden Dollar entgehen. In Lateinamerika sind 63 Prozent Software raubkopiert, wodurch den Herstellern knapp 1,3 Milliarden Dollar Umsatz fehlen. Naher Osten und Afrika mit 56 Prozent unlizenziert Software steuern lediglich eine Milliarde Dollar zum Gesamtschaden bei. Nordamerika schließlich weist den mit 23 Prozent geringsten Anteil an Raubkopien auf, schädigt die Softwerker aber dennoch um 7,2 Milliarden Dollar.

Übrigens: Das Institut für Strategieentwicklung der (privaten) Universität Witten-Herdecke kommt in der von BSA-Mitglied Microsoft beauftragen Studie "Digitale Mentalität" zu dem Schluss, die Softwareindustrie müsse beim Thema Raubkopien differenzierter vorgehen. Es gebe durchaus Potenzial, bisherige Softwarepiraten in Kunden umzuwandeln.

Die Wissenschaftler haben die bisher "anonyme Masse" der Raubkopierer untergliedert in "PC-Freaks", "Hobby-User", "Pragmatiker" und "PC-Profis". Diese gelte es unterschiedlich zu adressieren. "Um eine Kultur des legalen Umgangs mit geistigem Eigentum in den Medien Computer und Internet zu etablieren, bleibt der Softwarebranche keine andere Möglichkeit, als in Vorleistung zu gehen", erklärten die beiden Witten-Herdecker Forscher Manuel Dolderer und Hergen Wöbken. "Die Softwareindustrie sollte ihren Umgang mit dem Problem aktiv gestalten und in Bezug auf ihre potenzielle Kundengruppe ehemaliger Raubkopierer eine differenzierte Kommunikation entwickeln."

Microsoft Urheberrechtsexperte Thomas Urek erklärte dazu: "Wir wollen das Bewusstsein für das Problem Raubkopien schärfen und eine konstruktive Debatte darüber anstoßen, die ohne Drohgebärden auskommt." (tc)