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Benetton macht RFI-Rückzieher

08.04.2003

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Das Bekleidungsunternehmen Benetton Group hat Pressemeldungen widersprochen, wonach das Unternehmen in seine Modellinie "Sisley" so genannte Smart Tags in die Markenlabels einarbeite. Man führe zwar Untersuchungen durch, aber bislang würden in keinem der 100 Millionen im Umlauf befindlichen Bekleidungsstücke solche Halbleiter verwendet. Koninklijke Philips Electronics (Philips) aus Amsterdam hatte schon vergangenen Monat für Wirbel gesorgt, als das Unternehmen meldete, Benetton benutze Smart Tags, um die Auslieferungen, den Lagerbestand und die Abverkäufe der Sisley-Bekleidungslinie digital festzuhalten.

Benetton-Sprecher Federico Sartor sagte in einer Stellungnahme, Philips habe in seiner Mitteilung den Benetton-CIO Terry Phipps mißverständlich zitiert. Philips hatte in der Presseerklärung geschrieben, bei den Tags werde die Philips-eigene "I.Code"-Technik verwendet. Diese arbeite man in Label ein, die von der italienischen Firma Lab ID in Bologna hergestellt werden. Die Hand-Lesescanner, die die Signale dieser Smart Tags empfangen und auswerten können, produziert laut Philips Psion Teklogix Inc. aus Mississauga in der kanadischen Provinz Ontario.

Philips hatte darüber hinaus geschrieben, Benetton sei das erste Unternehmen, das die Radiofrequenzerkennung (Radio Frequency Identification = RDI) in Bekleidungsstücken einsetzt. Unternehmen wie Gillette, Wal-Mart und auch die britische Supermarktkette Tesco arbeiten an Regalsystemen, die solche Radiofrequenzen von Mikrochips in Produkten wie Rasierapparaten etc. empfangen können. Benetton hat allerdings diesbezügliche Aussagen jetzt richtig gestellt.

Grund dafür, dass die italienische Modekette so übervorsichtig reagiert, könnte sein, dass unter anderem auch Datenschützer durch die neue Technologie auf den Plan gerufen werden. Neben Vereinfachungen in der Warenwirtschaftskette, die im Prinzip unproblematisch wäre, fürchten Experten aber auch, dass über die Ortung von Personen via die RFI-Technik Persönlichkeitsrechte in erheblichem Maße betroffen sein könnten. So könnten Regierungen versucht sein, die Signale von solchen Smart Tags für Überwachungsaktionen zu nutzen. Ein Datenschutzexperte meinte allerdings einschränkend, wenn die RFI-Technik eingesetzt würde wie heutzutage Barcode-Scanner, sei dies nicht problematisch. (jm)