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Bei IBM rotiert das Personalkarussell

29.07.2004
Als Folge des Weggangs von Vertriebschef Mike Lawrie zu Siebel und durchwachsener Quartalszahlen bei Software und iSeries hat IBM sein Management auf wichtigen Positionen umgebaut.

Nach dem Weggang des früheren Senior Vice President of Sales and Distribution Mike Lawrie, der IBM im Mai verlassen hatte, um neuer CEO beim CRM-Softwarehaus (Customer Relationship Management) Siebel Systems zu werden, rotiert bei IBM wieder einmal erheblich das Personalkarussell. Dies hat bei Big Blue durchaus Tradition, das seine Top-Manager regulär alle paar Jahre in neue Geschäftsfelder oder Regionen versetzt. Hinter der aktuellen Neuaufstellung könnte nach Einschätzung von "Computerwire" jedoch mehr stecken - allerdings lässt sich dies von außen schwer beurteilen.

Nachdem aus der Konzernbilanz für das zweite Quartal deutlich wurde, dass IBMs Softwaresparte mit schwierigen Marktbedingungen zu kämpfen hatte und der iSeries-Bereich der Server & Technology Group durch den Wechsel auf den Power5 heftig ausgebremst wurde (28 Prozent Umsatzrückgang), ist es nicht wirklich überraschend, dass der aus dem Softwaregeschäft stammende General Manager für die iSeries, Al Zollar, durch den Channel-Experten Mike Borman abgelöst wird, der zuletzt als General Manager of Global Business Partners das Geschäft mit IBMs umfänglichem Reseller-Kanal verantwortete.

Mit Borman als neuem General Manager übernimmt zum zweiten Mal ein erfahrener Channel-Mann die iSeries (Zollars Vorgänger Buell Duncan stand mehrere Jahre der Partnerworld-Organisation vor, bevor er iSeries-Chef wurde). Rund 85 Prozent der iSeries-Verkäufe - und wahrscheinlich 50 bis 60 Prozent der Einnahmen - laufen über den Handelskanal, der aus Sicht von IBM wohl ein bisschen Ordnung und Motivation für den Power5-Push gebrauchen kann. Diesen hat Zollar ordentlich vorbereitet - ähnlich wie Duncan eine wesentlich Renovierung der iSeries Anfang 2003 einstielte, bevor er IBMs Websphere-Evangelist wurde.

Zollar wird nun neuer General Manager der Tivoli-Sparte, die ebenfalls zuletzt nur mäßig erfolgreich agierte. Hierbei handelt es sich wohl weniger um eine Strafversetzung aufgrund schwacher iSeries-Verkäufe als vielmehr das Bestreben, jemanden an die Spitze des Systems-Management Bereichs zu stellen, der sich auskennt. Zollar wurde bei IBM genau durch die Übernahme von Tivoli Systems vor fast zehn Jahren bekannt, war dort Senior Vice President of Development, bevor er über verschiedene Management-Positionen in den Entwicklungslabors der Software Group in Raleigh und Santa Teresa an die Spitze des Lotus-Bereichs wechselte.

Der neue iSeries-Mann Borman hat ebenfalls ein breites Erfahrungsspektrum vorzuweisen. Bevor er der Partnerworld vorstand, war er President und Chief Operating Officer des CRM-Softwarehauses Blue Martini Software, für das er Big Blue während der Dotcom-Blase verließ und nach deren Platzen Anfang 2003 reumütig zurückkehrte. Vor diesem Ausflug war er General Manager des RS/6000-Bereichs, wohin er sich über verschiedene Vertriebposten hochgearbeitet hatte. Borman ist seit 1977 bei IBM und hatte im Laufe seiner Karriere verschiedenste Entwicklungs-, Vertriebs-, Marketing- und Managementposten inne. Dabei arbeitete er unter anderem eng mit Bill Zeitler zusammen, einst ebenfalls General Manager des OS/400-Bereichs und inzwischen Herr über alle Rechner- und Storage-Systeme. Zeitler, Softwarechef Steve Mills und der frühere Global-Services- und jetzige Vertriebsleiter Doug Elix sind es, die offenbar entschieden haben, dass ein Management-Umbau Vertrieb und Geschäft

von IBM gut täte.

Donn Atkins, der bislang den weltweiten Softwarevertrieb leitete, wird Bormans Nachfolger als Verantwortlicher für die weltweiten Partnerbeziehungen und berichtet an Elix. Mit dem Wechsel von Zollar von der iSeries- an die Tivoli-Spitze wird der bisherige Tivoli-Chef Robert LeBlanc neuer General Manager für die AIM-Softwarelinien (Application and Integration Middleware) und damit Nachfolger von John Swainson. Der Kreis schließt sich dann mit dem Wechsel Swainsons, der die Entwicklung von Websphere und verwandter Middleware leitete, auf den Stuhl von Atkins als weltweiter Vertriebchef der Software Group.

Der Abgang von Lawrie im vergangenen Mai hatte dazu geführt, dass IBMs früherer Finanzchef John Joyce an die Spitze der Dienstleistungssparte Global Services wechselte und dort Elix ersetzt, der Lawries Nachfolge auf dem Top-Vertriebsposten antrat. Einige der jetzt angekündigten Managementwechsel wären bei einem exzellenten Abschneiden von IBM im zweiten Quartal womöglich erst in einem halben Jahr passiert, wurden aber nun durch die vorhergegangenen Personalien und die vergleichsweise schlechten Zahlen der Softwaresparte und speziell von Tivoli beschleunigt. (tc)