Marktstudie zu Security Services & Solutions

Bei der Netz-Security dominieren ausländische Anbieter

Jürgen Brettel ist Partner, ISG Research, bei der ISG Information Services Group. Dort leitet er die Bereiche Research und Provider-Services in DACH. Er war von 2005 bis 2017 Gründungsmitglied und Vorstandsvorsitzender der Experton Group und zuvor sieben Jahre lang bei der META Group tätig, unter anderem als Vorstand der META Group AG. Heute unterstützt er ICT-Anbieter in allen Fragen des strategischen Marketings – insbesondere im Bereich Provider-Strategien, Go-to-Market beziehungsweise bei der strategischen Portfolio-Entwicklung.
Nur ein deutsches Unternehmen hat es unter die hierzulande relevanten Anbieter von Netzwerksicherheit geschafft. Eine ISG-Studie beleuchtet den Markt für DDoS-Abwehr & Co.
Laut einer Studie der ISG Provider Lens spielt mit Rode & Schwarz Cybersecurity nur ein deutsches Unternehmen im hiesigen Security-Markt eine Rolle.
Laut einer Studie der ISG Provider Lens spielt mit Rode & Schwarz Cybersecurity nur ein deutsches Unternehmen im hiesigen Security-Markt eine Rolle.
Foto: hywards - shutterstock.com

Als einziges einheimisches Unternehmen gehört Rohde & Schwarz Cybersecurity - als Neuzugang - zum deutschen Anbietermarkt für Netzwerksicherheit. Die Studie "ISG Provider Lens - Germany 2018: Security Services & Solutions" hat die Security-Tochter des Münchner Elektronikherstellers auf Anhieb als "Rising Star" bewertet. Bei der Bewertung hat dabei die Münchner Herkunft des Unternehmens durchaus eine Rolle gespielt, denn mittelständische Kunden bevorzugen oft auch eine geografische Nähe ihrer Lieferanten. Und es sind gerade Mittelständler, die eine überproportional wachsende Zielgruppe für Angebote der Netzwerksicherheit darstellen.

Trend Micro löst HPE ab

Neu im "Leader"-Quadranten ist Trend Micro - unter anderem, weil das Unternehmen das Tipping-Point-Portfolio von HPE übernommen hat. Dies führte umgekehrt dazu, dass HPE im Markt für Netzwerksicherheit nicht mehr geführt ist, obwohl der Anbieter in der letzten ISG-Studie noch zu den "Leadern" gehörte. Insgesamt identifiziert die ISG-Studie für Deutschland 15 relevante Anbieter im Network Security-Markt, wovon sich sieben Provider im "Leader"-Quadranten etablieren konnten.

Durch die mittlerweile sehr vielfältigen Bedrohungsszenarien, denen Netzwerke ausgesetzt sind, müssen Security-Anbieter ein breites Spektrum von Funktionalitäten abdecken. An erster Stelle rangieren weiterhin Advanced Persistent Threats (APTs) sowie DoS-/DDoS-Angriffe. Um diese durch Intrusion Detection Systems (IDS) erkennen und mithilfe von Intrusion Prevention Systems (IPS) abwehren zu können, müssen Lösungen Netzwerkverbindungen (VPN) verschlüsseln, Angriffe auf Komponenten wie Router und Switches erkennen, schädlichen Netzwerkverkehr identifizieren, unautorisierte Komponenten wie (WLAN-)Router erkennen sowie WLAN-Infrastrukturen überwachen.

Integrierte Lösungen liegen im Trend

Im Leader-Quadranten finden sich Unternehmen wie Cisco, IBM, Trend Micro etc.
Im Leader-Quadranten finden sich Unternehmen wie Cisco, IBM, Trend Micro etc.
Foto: ISG Information Services Group

Zum Teil existieren spezielle Produkte für diese einzelnen Aufgaben, der Trend geht jedoch zu integrierten Lösungen - als einem Unified Threat Management. Dies gilt besonders mit Blick auf mittelständische Unternehmen. Darüber hinaus finden sich Netz-Security-Funktionen zunehmend in anderen Produkten wie zum Beispiel Firewalls. Letztere integrieren neuerdings beispielsweise auch IPS-Systeme.

Check Point

So hat sich der Firewall-Spezialist Check Point auch als Sicherheitsspezialist für den mobilen User (Endpoint und Mobile Security), für Threat Prevention und Security-Management-Lösungen einen Namen gemacht und führt derzeit das Feld der Anbieter an. Die angebotenen Lösungen sind für Cloud-Umgebungen gleichermaßen verfügbar wie für unternehmenseigene Systeme. Die Produktpalette skaliert von mittelständischen Kunden bis zu Großunternehmen. Zudem kann Check Point ein starkes Ökosystem an Technologiepartnern vorweisen - neben Hard- und Software sowie Netzwerk-Equipment auch für Managed Services.

Auf die Breite des Angebots fällt in Deutschland jedoch ein leichter Schatten, da Check Point alle Unterlagen und Testberichte nicht in Deutsch zur Verfügung stellt. Auch einen passenden Channel-Partner in Deutschland zu finden, kann für manche Kunden eine Herausforderung bedeuten. Hinzu kommt, dass das Angebot von Check Point vergleichsweise hochpreisig ausfällt.

Fortinet

Fortinet ist besonders im Mittelstand erfolgreich. Ein Segment das beim Kauf von Netzwerksicherheitslösungen derzeit die höchsten Wachstumsraten aufweist. Wie Check Point ist Fortinet auf virtuelle und physische Firewalls spezialisiert und ergänzt diese um Funktionalitäten im Bereich Endpunkt- und WLAN-Sicherheit. Der Erfolg beim Mittelstand rührt zum Teil sicher auch daher, dass der Anbieter sich durch ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis auszeichnet. Mit Blick auf cloudbasierte Lösungen hinkt Fortinet seinen Mitbewerbern jedoch hinterher.

Sophos

Auch die Produkte von Sophos sind eher für den (gehobenen) Mittelstand als für Großkunden geeignet. Zu den großen Vorteilen für Mittelstandskunden zählen sicher das gute Preis-Leistungs-Verhältnis sowie eine intuitive Bedienoberfläche, die einen einfachen Zugriff auf Dashboards, Event-Meldungen und Systemressourcen ermöglicht. Bei Zugriffskontrolle, Websicherheit, Thread Protection und Webserver-Sicherheit bietet Sophos zahlreiche aufeinander abgestimmte Funktionen. Ein Nadelöhr kann jedoch der Support darstellen: Bei größeren Problemen sind seine Verfügbarkeit und Antwortzeiten verbesserungsfähig.

Weitere Lead-Anbieter

Weitere Anbieter im Leader-Quadranten sind Cisco, IBM, Palo Alto und Trend Micro. Sie zeichnen sich insbesondere durch die Breite ihres Portfolios (Cisco), eine hohe Leistungsfähigkeit der Lösungen (IBM), die Spezialisierung auf Firewalls (Palo Alto) beziehungsweise eine besonders leistungsfähige Intrusion-Prevention-Lösung (Trend Micro) aus.

Weitere Infos zur Studie gibt es hier.