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Bayerische Staatsbibliothek lässt über eine Million rechtefreie Bücher von Google digitalisieren

06.03.2007
Die Münchner "Stabi" ist Deutschlands erster und größter nicht englischsprachiger Partner des kalifornischen Internet-Riesen Google für dessen - nicht unumstrittene - "Book Search".

Eine entsprechende Kooperation kündigten beide Partner heute Nachmittag im Großen Sitzungssaal der Bayerischen Staatsbibliothek (BSB) an. Die Stabi lässt von Google mehr als eine Million Bücher digitalisieren, die keinem Urheberschutz mehr unterliegen. Copyright-Verletzungen sind damit schon prinzipiell ausgeschlossen. Google übernimmt sämtliche Kosten der Digitalisierung (die im Übrigen in Bayern erfolgt) und die BSB spart dem Steuerzahler Geld - so etwas nennt man neudeutsch wohl eine "Win-win-Situation".

"In glücklicher Weise treffen sich hier die Ziele von Google, der Bayerischen Staatsbibliothek und der Kulturpolitik des Freistaates Bayern", freut sich Thomas Goppel, Staatsminister für Wissenschaft, Forschung und Kunst.
"In glücklicher Weise treffen sich hier die Ziele von Google, der Bayerischen Staatsbibliothek und der Kulturpolitik des Freistaates Bayern", freut sich Thomas Goppel, Staatsminister für Wissenschaft, Forschung und Kunst.
Foto: Thomas Goppel

Staatsminister Thomas Goppel lobte pflichtgemäß die zukunftsträchtige Konservierung der Stabi-Bestände, der BSB-Generaldirektor Rolf Griebel betonte die bis dato einmalige Größe der Public-Private-Partnership mit Google. Jens Redmer schließlich, Direktor der Google-Buchsuche und nach eigener Auskunft ein echter "Büchernarr", stellte die Vielsprachigkeit der BSB und damit deren besondere Bedeutung für das europäische Kulturerbe heraus (ein indirekter Seitenhieb speziell in Richtung Frankreich, wo man schon seit längerem eine Amerikanisierung des Weltwissens durch Google befürchtet).

Die operativen Details des geplanten Großprojekts blieben indes noch weitgehend im Dunkeln. Die Digitalisierung der Stabi-Public-Domain wird Jahre dauern und Kosten in eher abstrakter "Millionenhöhe" verursachen. Googles bisherige Book-Search-Partnerschaften laufen laut Redmer noch nicht lange genug, um hier sinnvolle Abschätzungen zu geben. Die Stabi bekommt wie andere Partnerbibliotheken eine eigene Kopie der von Google via OCR (Optical Character Recognition) erfassten Texte. Besonders wertvolle Handschriften und Inkunabeln werden laut Griebel übrigens nicht im Rahmen der Google-PPP, sondern in spezialisierteren Projekten über die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) digitalisert und langzeitarchiviert.

Klar ist in jedem Fall: Google ist kein gemeinnütziger Verein, sondern ein börsennotiertes und gewinnorientiertes Unternehmen. Die Buchsuche selbst bieten die Kalifornier zwar werbefrei an. Nichtsdestoweniger werten sie ihren Gesamtindex durch die eingescannten Werke (die wie ein Großteil des Wissens der Menschheit häufig bislang nicht in maschinenlesbarer Form vorliegen) erheblich auf. Und damit verdienen sie letzten Endes Geld.

Viel Geld, von dem die Bibliothekspartner aller Wahrscheinlichkeit nichts haben werden. Sie profitieren dennoch, ebenso wie all die Menschen, die keinen direkten Zugang zu den Bücherschätzen in Harvard, Standford, Oxford oder eben der Stabi haben - seien sie nun Wissenschaftler oder ganz einfach nur interessiert. Insofern wäre es falsch, Google einen Vorwurf zu machen. Allerdings sollte der Konzern einfach offener einräumen, dass er sich mit der Buchsuche einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil verschafft. Nicht gegenüber Verlagen und Rechteinhabern, sondern gegenüber dem Search-Engine-Wettbewerb. (tc)