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"Automatic Professor Machine" ersetzt Dozenten

23.02.2001
Mit seiner Erfindung "Automatic Professor Machine" (APM) verdeutlicht der US-Professor Langdon Winner auf satirische Weise die Sackgassen des E-Learnings und der neuen Unterrichtstechnologien.

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Wenn Langdon Winners E-Learning-Szenario Wirklichkeit würde, könnten "Automatic Professor Machines" (APM) künftig die Aufgaben von Lehrern und Universitätsdozenten übernehmen. Der Wissens-Computer, der den US-Geldautomaten ATM (Automatic Teller Machine) nachempfunden sei, könnte an allen öffentlichen Plätzen wie Fast-Food-Restaurants oder Colleges aufgestellt werden. Die Studenten wählen aus dem APM-Menü die gewünschten Kurse, zahlen ein paar hundert Dollar und legen eine Diskette in das dafür vorgesehenen Laufwerk ein. Anschließend laden sie sich Lehreinheiten und Prüfungsaufgaben herunter. Die Diskette nehmen sie mit nach Hause, lösen den Test und geben die Ergebnisse wieder in die APM ein. Diese druckt dann das Zeugnis oder den Universitätsabschluss aus.

Mit seiner APM-Erfindung und einer entsprechend satirischen Werbekampagne, die dieses Szenario beschwört, zieht Winner derzeit in den USA durch die akademischen Lande. Ziel des Professors für Politikwissenschaft am Rensselaer Polytechnic Institute in Troy, New York, ist es, dem unkritischen Hype um moderne Computer- und Internet-gestützte Unterrichtsmethoden entgegenzuwirken. "Meiner Meinung nach ist die Debatte um Erziehung und Technologie zu weit in eine Richtung gegangen. Alle loben E-Learning als den Trend der Zukunft", erklärte Winner seine Initiative. Auf seiner Homepage zeigt er eine inszenierte Pressekonferenz zu seiner APM-Kampagne, in der er den gegenwärtigen E-Learning-Hype auf die Schippe nimmt.

Es handelt sich hierbei nicht um den ersten Ausflug des Professors in das Genre der Satire. In den 60er Jahren war Winner Musikkritiker und Journalist beim satirischen US-Magazin "Rolling Stone". Später gründete er die Band Masked Marauders, die Rockgruppen parodierte.