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AT&T verklagt MCI wegen Abrechnungsbetrug

03.09.2003

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - AT&T hat vor einem Bezirksgericht im Bundesstaat Virginia Anzeige gegen MCI (ehemals Worldcom) und dessen angeblichen Komplizen Onvoy erstattet. Der Carrier beschuldigt die beiden Unternehmen, sie hätten über viele Jahre hinweg Ferngespräche von AT&T-Kunden über Kanada geleitet und AT&T dann überhöhte Verbindungsgebühren in Rechnung gestellt (Computerwoche online berichtete). Als Variante des "Canadian-Gateway-Projekts" habe MCI zudem Ferngespräche von seinem eigenen Netz über Kanada auf das AT&T-Netz geleitet. MCI habe mit dem Trick vermeiden wollen, lokalen TK-Unternehmen Durchleitungsgebühren zahlen zu müssen, für die letztendlich AT&T aufgekommen sei, so

der Kläger.

Der TK-Konzern ist nach eigenen Angaben gegenwärtig noch damit beschäftigt, das genaue Ausmaß des Schadens festzustellen. Da der Betrug mindestens bis zur Insolvenz von MCI/Worldcom im Juli 2002 angedauert habe, rechnet AT&T mit Verlusten von mindestens zehn Millionen Dollar. Das Unternehmen geht jedoch davon aus, dass MCI seine Täuschungsmanöver bis heute fortsetzt.

MCI will diese Anschuldigungen allerdings nicht auf sich beruhen lassen. Wie das "Wall Street Journal" berichtet, hat der insolvente US-Carrier bei einer internen Untersuchung herausgefunden, dass AT&T und andere TK-Konzerne selbst angeblich illegalen Routing-Praktiken nutzen. So habe die von MCI beauftragte Anwaltsfirma Gibson, Dunn & Crutcher in einer Reihe von Tests etwa festgestellt, dass AT&T 47 Telefongespräche innerhalb des Bundesstaats Alaska heimlich durch Atlanta und wieder zurück geleitet habe, um sich die vergleichsweise höheren Zugangsgebühren für innerstaatliche Anrufe zu ersparen. Dem Bericht zufolge hat MCI die Anschuldigungen bereits an die Bezirks-Staatsanwaltschaft in New York weitergeleitet, ohne jedoch Details zu nennen. (mb)