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AT&T greift nach BellSouth

06.03.2006
Der größte amerikanische Telekomkonzern AT&T will den Konkurrenten BellSouth für 67 Milliarden US-Dollar über einen Aktientausch übernehmen.

Wie die Unternehmen am Sonntagabend in Atlanta und San Antonio weiter mitteilten, erhoffen sie sich aus dem Zusammenschluss Synergieeffekte von insgesamt 18 Milliarden Dollar. Den ab dem Jahr 2007 erwarteten deutlich höheren Kapitalzufluss will AT&T für den Rückkauf von bis zu 400 Millionen eigenen Aktien nutzen.

Dafür will das Unternehmen in den kommenden 22 Monaten mindestens zehn Milliarden Dollar ausgeben. Der größte Teil der Aktienrückkäufe solle 2007 erfolgen. Ab diesem Jahr rechnet AT&T damit, dass die Bellsouth-Übernahme den Zufluss an Kapital (Cashflow) nach Dividendenausschüttung deutlich steigern wird. Den um Übernahmekosten und Unternehmenswertabschreibungen bereinigten Gewinn je Aktie werde die Fusion ab 2008 steigern. AT&T rechnet in den kommenden drei Jahren beim bereinigten Gewinn je Aktie mit zweistelligen Steigerungsraten.

Knapp 18 Prozent Aufschlag

Bei den Synergieeffekten geht AT&T davon aus, dass diese ab dem Jahr 2008 bei zwei Milliarden Dollar jährlich werden. Ab 2010 sollen diese dann auf drei Milliarden pro Jahr stiegen. Mit der Übernahme würde AT&T die Führungsposition vor dem Branchenzweiten Verizon deutlich ausbauen. AT&T erhält auch volle Kontrolle der größten amerikanischen Mobilfunkfirma Cingular Wireless, an der das Unternehmen bisher zu 60 Prozent und BellSouth zu 40 Prozent beteiligt waren.

Die BellSouth-Aktionäre sollen 1,325 AT&T-Aktien je eigenen Anteil erhalten. Dies läuft auf 37,09 Dollar je BellSouth-Aktie hinaus. Dies bedeutet ein Aufgeld von 17,9 Prozent gegenüber dem Freitags-Schlusskurs. Der Marktwert von Bellsouth lag am Freitag bei rund 56,6 Milliarden Dollar, während AT&T auf rund 108,6 Milliarden Dollar kam. Die Transaktion muss erst von den Aktionären beider Unternehmen und den Aufsichtsbehörden genehmigt werden und soll innerhalb von zwölf Monaten über die Bühne gehen.

AT&T baut Vorsprung aus

AT&T wird mit einer Übernahme von BellSouth der mit Abstand größte US-Telekommunikationskonzern mit 70 Millionen Telefon-, knapp zehn Millionen Breitband- und 54,1 Millionen Mobilfunkkunden. Das Einzugsgebiet reicht von Kalifornien bis Florida. BellSouth ist im Südosten der USA präsent, und AT&T ist im Südwesten, Mittleren Westen und Westen des Landes stark vertreten.

Der BellSouth-Kurs hatte im Dezember mit 24,32 Dollar ein Zwölfmonatstief verbucht und hatte sich seither deutlich erholt. Die AT&T-Aktien schlossen am Freitag mit 27,99 Dollar und liegen damit ebenfalls deutlich über ihrem Zwölfmonats-Tiefstand von 21,75 Dollar.

Der Zusammenschluss der beiden "Bell"-Gesellschaften wäre ein großer Schritt bei der Wiederherstellung des Monopols, das in der US-Telefonbranche vor der Zerschlagung der alten AT&T im Jahr 1984 existierte. Die ursprüngliche AT&T, die auch als "Ma Bell" (Mutter Bell) bekannt war, hatte jahrzehntelang ein US-Telefonmonopol gehabt.

Experten erwarten keine kartellrechtlichen Probleme

Die frühere Telekom-Gesellschaft SBC Communications hatte erst im November 2005 die alte AT&T für 16 Milliarden Dollar übernommen und deren weitaus bekannteren Firmennamen angenommen. Das Unternehmen wird von dem langjährigen SBC-Chef Edward Whitacre geführt, der den Konzern durch Serienkäufe kleiner und großer Konkurrenten bereits zum US-Branchenführer in der Telekommunikationsbranche gemacht hatte. Für Whiteacre ist der BellSouth-Kauf ein krönender Abschluss seiner Erfolgskarriere. "Die Transaktion verbindet zwei gut geführte Unternehmen", betonte er. BellSouth operiere in einer attraktiven Region mit wachsender Wirtschaft.

Telekommunikationsfachleute erwarten eine sorgfältige kartellrechtliche Prüfung, doch keine allzu großen Schwierigkeiten, da sich die Einzugsgebiete kaum überschneiden. Zudem haben sich die Kabelfernsehgesellschaften mit der Internet-Telefonie und ihren Breitband-Angeboten zu den Hauptkonkurrenten der Telefongesellschaften entwickelt. (dpa/tc)