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AOL darf nicht mehr mit "Internet zum Festpreis" werben

22.09.1999
Talkline erwirkt einstweilige Verfügung

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Der Elmshorner Carrier Talkline hat nach eigenen Angaben vor dem Landgericht Hamburg eine einstweilige Verfügung gegen die aktuelle Werbekampagne von America Online (AOL) erwirkt. Darin behauptet der größte Online-Dienst weltweit, der den deutschen Markt über Kooperation mit Bertelsmann beackert, er biete ab dem 1. Oktober hierzulande einen Internet-Zugang "zum Festpreis" an. Dabei fallen allerdings neben der monatlichen Grundgebühr von knapp zehn Mark aus Sicht von Talkline noch zusätzliche, von der Nutzungsdauer abhängige Verbindungsentgelte an. "Ein Festpreis steht fest. Wenn ich aber einen unterschiedlich hohen Preis zahlen muß, der von der Dauer meiner Internet-Nutzung abhängt, kann von einem Festpreis keine Rede mehr sein", erklärte Markus

Wendel, Leiter des Geschäftsbereichs Internet bei Talkline.

AOL-Sprecher Frank Sarfeld sieht das natürlich anders. Der Begriff "Festpreis" beziehe sich auf die 9,90 Mark pro Monat - und der Rest seien schlicht Telefongebühren. Daß die mit 3,9 Pfennig pro Minute veranschlagt würden, liege schlicht an den Interconnection-Preisen der Deutschen Telekom - zusätzliche Internet-Gebühren seien darin nicht mehr enthalten, erklärte Sarfeld gegenüber CW Infonet. Der AOL-Mann wittert hinter der Aktion simple Rache: "Wir hatten Talkline verbieten lassen, mit dem Begriff ´kostenloser Internet-Zugang´ zu werben - das ist jetzt wohl die Retourkutsche." Mehr könne er aber erst nach der Zustellung der Verfügung sagen - und die erfolge laut Auskunft des Gerichts morgen.