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AMR prophezeit Appserver-"Viererbande"

06.05.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Nach Einschätzung der Analysten von AMR Research werden in Kürze nur noch vier Hersteller den auf rund drei Milliarden Dollar jährlich geschätzten Markt für Application Server dominieren - nämlich Bea Systems, IBM, Microsoft und Oracle. Microsoft, in sonstigen Appserver-Studien oft nicht berücksichtigt, sehen die AMR-Auguren sogar als drittgrößten Player. Zwar basiere seine Architektur als einzig namhafte nicht auf J2EE (Java 2 Enterprise Edition), aber .Net sei funktional gleichwertig und ebenso zuverlässig wie die konkurrierende Sun-Technik.

Die verschiedenen Marktforscher verwenden leider auch unterschiedliche Verfahren zur Einordnung der Anbieter. AMR macht hier keine Ausnahme und erfasst einen (durchaus sinnvollen) Mix aus Lizenz-, Wartungs- und Serviceumsatz. Auf Basis dieser Kategorien sehen die Experten IBM im Jahr 2001 auf Platz eins mit 31 Prozent des Marktes, gefolgt von Bea mit 26 und Oracle mit 13 Prozent. Platz vier teilen sich Microsoft und Sun mit je zwölf Prozent, kein anderer Anbieter erreicht darüber hinaus mehr als zwei Prozent.

AMR kommt ferner zu dem Schluss, dass die konkurrierenden Anbieter technisch im Wesentlichen gleichauf liegen. Bei der Auswahl eines Lieferanten setzten Anwender daher zunehmend auf andere Faktoren wie Image und Preis. Die Auswahl zwischen Microsoft und der J2EE-Fraktion falle eher anhand der vorhandenen Infrastruktur und verfügbarer Skills denn Features oder Funktionalität des Application Servers.

20 Prozent der von AMR befragten Anwender entschieden sich aufgrund der im Hause vorhandenen Kenntnisse für ein bestimmtes Produkt. Weitere häufig genannte Motive waren Kosten (17 Prozent), Support (16 Prozent) sowie Zuverlässigkeit (13 Prozent) und Leistung (13 Prozent) in einem Pilotprojekt. Offenheit, Standard-Kompatibilität und einfache Bedienung wurden dagegen nur von jeweils sechs Prozent angeführt.

AMDs Ranking der Produkte verliert angesichts dessen ein wenig an Bedeutung. Alle Produkte liegen praktisch gleichauf; lediglich beim Preis hat Microsoft die Nase klar vorn. Insgesamt platzieren die Experten IBM vor Bea und Microsoft. Bea gebühre die Krone in Sachen Plattformunabhängigkeit, und das Unternehmen werde aufgrund seiner historische Vorreiterrolle und seiner Konzentration einzig auf den Infrastrukturbereich ein Top-Player bleiben.

Wie immer fehlen auch bei AMR irgendwelche Leistungsvergleiche in Bezug auf die Runtime-Performance. Laut "Computerwire" verbieten die Lizenzen der Hersteller routinemäßig die Veröffentlichung von Benchmark-Ergebnissen - die Anbieter würden wohl auch weiterhin unüberprüfbare Überlegenheitsbehauptungen veröffentlichen. AMR verweist in diesem Zusammenhang darauf, dass Anwender im Prinzip nur eine vernünftige Möglichkeit haben, die Angaben der Hersteller zu prüfen - indem sie nämlich in einem Prototyp-Projekt eine echte Anwendung testen. (tc)