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Alternativangebote für Mautsystem von Fela und Benetton/Autostrade

30.01.2004

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Nach verschiedenen Zeitungsberichten bewerben sich zwei weitere Autobahnbetreiber beim Bundesverkehrsministerium um den Zuschlag für das deutsche Mautsystem. Der zum italienischen Textil- und Modeanbieter Benetton zählende Autobahnbetreiber Autostrade wird sein bereits früher eingereichtes Konkurrenzangebot aufrechterhalten. Die Schweizer Fela Gruppe will gemeinsam mit Thales Telematics heute in den Wettbewerb einsteigen. Unabhängig von den Wettbewerbsofferten soll ein Schiedsgericht jetzt klären, ob und in welcher Höhe Toll Collect sich an den Einnahmeausfällen beteiligen soll, schreibt die "Süddeutsche Zeitung". Diese belaufen sich in diesem Jahr auf rund 2,8 Milliarden Euro.

Das "Handelsblatt" zitiert den Manager der Fela Management AG, Ernst Uhlmann, mit den Worten, man wolle mit Thales Telematics, der deutschen Tochter des französischen Thales-Konzerns, eine Offerte über den Aufbau der technischen Infrastruktur einreichen. Das Angebot richte sich auch an Toll Collect, zitiert das Wirtschaftsblatt Uhlmann. Im Jahr 1999 war Fela mit einem Angebot noch gescheitert. Im vergangenen Jahr hatte aber das Bundesverkehrsministerium Fela aufgefordert, ein neues Angebot abzugeben.

Die Thales-Initiative ist insofern interessant, als die Franzosen im Dezember 2004 gemeinsam mit drei weiteren Konsortien eine Bewerbung für den Bau und Betrieb des europäischen Satelliten-Navigationssystems Galileo bei der Europäischen Union (EU) abgaben haben. Während die EU-Kommission selbst keine Namen nannte, gaben drei Konsortien die Abgabe eines Angebots bekannt: Demzufolge bemüht sich der französische Satellitenbetreiber Eutelsat gemeinsam mit dem IT-Dienstleister LogicaCMG, Hispasat und Aena (Aeropuertos Españoles y Navegación Aérea) um den Zuschlag für das "Galileo Joint Undertaking" (GJU). Mit von der Partie ist außerdem ein Konsortium um den britischen Wettbewerber Inmarsat, EADS Space und den französischen Thales-Konzern. Als Außenseiter tritt zudem die auf die Geschäftsbereiche Raumfahrt & Sicherheit, Telematik und Satellitendienste spezialisierte OHB Technology AG, Bremen, an. Weitere Mitglieder dieses

"Navigator Consortium" sind nicht namentlich bekannt, laut OHB handelt es sich um "zahlreiche europäische Unternehmen, die vornehmlich auf die Geschäftsbereiche Navigation und Marktentwicklung spezialisiert sind". Galileo gilt als nächste Generation des Navigationssystems, dass die GPS-Infrastruktur einmal ablösen soll.

Benetton war in der zweiten Kalenderwoche Dezember 2003 in Berlin vorstellig geworden und hatte angeboten, mit seiner Tochter, Autobahnbetreiberfirma Autostrade, in das Toll-Collect-Konsortium einzusteigen. Der Autostrade-Manager wiederholte jetzt, sein Unternehmen garantiere der Bundesregierung von Mitte 2004 an "jeden Monat die erhofften Einnahmen von 180 Millionen Euro pro Monat". Giovanni Castellucci, der bei der italienischen Autobahnbetreiberfirma das operative Geschäft verantwortet, sagte, Bedingung für das Engagement der Italiener sei der Einstieg in das deutsche Mautkonsortium. An Toll Collect sind Daimler-Chrysler und die Deutsche Telekom zu je 45 Prozent beteiligt, der französische Autobahnbetreiberkonzern Cofiroute zu zehn Prozent. Inwieweit die drei beteiligten Firmen ihre Beteiligung zurückfahren für den Fall, dass Autostrade in das Konsortium einsteigt, sei Verhandlungssache, sagte Castelluci seinerzeit Die Konsortialpartner wollen aber als neue Partner für

Toll Collect - wenn überhaupt - nur IBM und Siemens akzeptieren, sagte ein Firmensprecher.

Die Italiener betreiben auch das Mautsystem, das in Österreich ab dem 1. Januar 2004 in Betrieb ist und bislang fehlerlos arbeitet. Dieses ist allerdings nicht satellitengestützt wie das projektierte deutsche Lkw-Mautsystem. Vielmehr arbeitet es mit Mikrowellentechnik. Nachteil dieses Systems ist, dass - würde es in Deutschland eingesetzt - noch hunderte zusätzlicher Brücken über deutschen Autobahnen errichtet werden müssten. (jm/mb)