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Adelphia-Gründer muss 15 Jahre ins Gefängnis

21.06.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Der Gründer und Ex-Firmenchef des insolventen US-Kabelnetzbetreibers Adelphia, John Rigas, muss für seine Vergehen teuer bezahlen. Wegen Betrugs und der Veruntreuung von Geldern wurde der 80-Jährige am gestrigen Montag zu 15 Jahren Haft verurteilt. Rigas Sohn Timothy, der als Finanzchef tätig war, muss 20 Jahre hinter Gitter.

Einen Antrag der Verteidigung, das Strafmaß für den Ex-CEO herabzusetzen, wies der zuständige Bezirksrichter Leonard Sand Presseberichten zufolge ab. Ungeachtet des hohen Alters und des schlechten Gesundheitszustands wäre die Strafe weit höher ausgefallen, erklärte Sand. Die Staatsanwaltschaft hatte 215 Jahre Gefängnis für jeden der beiden Angeklagten verlangt.

Mit etwas Pech wird Rigas senior, der unter anderem unter Herzproblemen und einem Krebsleiden leidet, sein Lebensende im Gefängnis verbringen. Richter Sand setzte fest, dass der Firmengründer nur dann vorzeiti9g aus der Haft entlassen wird, wenn ein Arzt die verbleibende Lebensspanne auf maximal drei Monate schätzt - frühestens jedoch nach zwei Jahren.

Die beiden Angeklagten waren bereits vor einem Jahr für schuldig befunden worden, die finanzielle Situation des Unternehmens bewusst verschleiert und sich großzügig aus der Firmenkasse bedient zu haben. Mit dem Geld des hoch verschuldeten Carriers wurden unter anderem eine private Masseurin und 17 Autos finanziert. Als bekannt wurde, dass Adelphia Kredite in Höhe von insgesamt 2,3 Milliarden Dollar an die Rigas-Familie garantiert hatte, kam der Skandal ins Rollen. Im Mai 2002 traten Rigas und sein Sohn zurück, einen Monat später meldete der Carrier Konkurs an. Das eingeleitete Insolvenzverfahren ist bis heute noch nicht abgeschlossen. Aktuell ist geplant, dass der Medienkonzern Time Warner gemeinsam mit dem amerikanischen Kabelfernseh-Branchenführer Comcast die meisten Adelphia-Vermögenswerte für 17,6 Milliarden Dollar kaufen (Computerwoche.de berichtete). (mb)