6G

5G-Nachfolger verspricht Terabit-Speed, Zero Latency und KI-Integration

15.03.2019
Von 


Manfred Bremmer beschäftigt sich mit (fast) allem, was in die Bereiche Mobile Computing und Communications hineinfällt. Bevorzugt nimmt er dabei mobile Lösungen, Betriebssysteme, Apps und Endgeräte unter die Lupe und überprüft sie auf ihre Business-Tauglichkeit. Bremmer interessiert sich für Gadgets aller Art und testet diese auch.
Der Mobilfunkstandard 5G ist noch gar nicht richtig angekommen - geschweige denn kommerziell verfügbar, da läuft weltweit bereits die Forschung zum Nachfolger an. 6G soll nicht nur die Versprechen hinsichtlich Gerätedichte, Bandbreite und Latenzzeit erfüllen, die 5G noch nicht einhält, sondern auch intelligenter werden.
5G ist noch nicht richtig hier, da arbeiten Forscher bereits am Konzept für den Nachfolger 6G.
5G ist noch nicht richtig hier, da arbeiten Forscher bereits am Konzept für den Nachfolger 6G.
Foto: TierneyMJ - shutterstock.com

"Eigentlich müsste es Smart Network heißen, aber 6G klingt sexier", erklärt Mika Klemettinen, Digitalisation Director und führender 6G-Experte der finnischen Wirtschaftsförderung Business Finland, im CW-Gespräch auf dem MWC in Barcelona. So soll die für 2030 erwartete neue Mobilfunkgeneration neben höheren Übertragungsraten und geringeren Latenzzeiten auch von KI angetriebene Anwendungen und eine allgegenwärtige drahtlose Konnektivität ermöglichen.

Die Anwendungen der Zukunft erforderten eine hohe Intelligenz in den Mobilfunknetzen, die zentralisierte Cloud-Lösungen alleine und in der benötigten Geschwindigkeit nicht gewährleisten könnten, erläutert Klemettinen. Stattdessen würden dezentrale KI- und ML-Lösungen für den Edge-Bereich und in den Devices selbst benötigt. Auch die Latenzzeit müsse für robotergestützte Tätigkeiten drastisch gesenkt werden, denn für die Kommunikation zwischen Maschinen brauche es Latenzzeiten im Mikro- und nicht Millisekundenbereich.

Ungenutztes Spektrum bis 1 Terahertz

Natürlich gibt es auch schon Überlegungen dazu, wie die angestrebten Verbesserungen realisiert werden könnten. So gibt es in dem Bereich von 100 Gigahertz bis 1 Terahertz reichlich ungenutztes Spektrum, das verwendet werden könnte - wenn die dafür erforderliche Technik, insbesondere für die Antennen, bereitsteht. Diese müssen einen großen Bereich abdecken, da die neuen Frequenzen zwar eine sehr hohe Bandbreite ermöglichen, dafür aber nur eine sehr geringe Reichweite um die Sendestationen abdecken.

"6G betrifft alle Spektren, die Grenzen verschwimmen", erklärt Klemettinen. Um eine ständige Verfügbarkeit zu ermöglichen, sollte die Versorgung außerdem nicht mehr allein Aufgabe der Mobilfunkanbieter sein, sondern könnte auch den Empfang von Satelliten-Internet über Nanoantennen miteinbeziehen - Hauptsache immer verfügbar. Apropos Devices: Der Finne hält es durchaus für möglich, dass die Anwender bis 2030 neben Smartphone auch AR/VR-Brillen mit 6G nutzen werden, ebenso Head-Up-Displays in der Windschutzscheibe von autonomen Fahrzeugen.

Klemettinen weist außerdem darauf hin, dass 6G aber nicht nur neue Technologien erfordere, sondern auch eine neue Art zu arbeiten impliziere. Aus diesem Grund müsse sich das Standardisierungsgremium 3GPP bei der Gestaltung von 6G auch die Anforderungen von verschiedenen Branchen und mögliche Anwendungsszenarien mitberücksichtigen. Die Entwicklung sollte daher auch verschiedene große Player ab dem ersten Tag miteinbeziehen, neben IT-Firmen wie Google und Facebook denkt er dabei auch an große Autohersteller und -zulieferer (Bosch) oder Konzerne aus dem Healthcare-Sektor wie Phillips.

Unterstützung durch Donald Trump

Während sich auf dem MWC alles um 5G drehte, hatte der finnische Pavillon einen Extra-Stand aufgebaut, um über die an der Universität von Oulu bereits laufende 6G-Forschung zu informieren. Unfreiwillige Unterstützung erhielten die Finnen dabei von US-Präsident Donald Trump. Dieser hatte wenige Tage vor der Veranstaltung in einem seiner Tweets die Aufmerksamkeit auf das noch weitgehend unbekannte Thema 6G gelenkt:

"Ich will so früh wie möglich 5G- und sogar 6G-Technologie in den Vereinigten Staaten. Es ist viel leistungsstärker, schneller und smarter als der aktuelle Standard. Amerikanische Unternehmen müssen ihre Anstrengungen verstärken oder sie bleiben zurück. Es gibt keinen Grund, warum wir hier hinterherhinken sollten…"

Als ernste Bedrohung dürfte Trump dabei die Ambitionen der finnischen Forscher einschätzen. Diese hatten bereits im Frühjahr 2018 das mit 251 Millionen Euro dotierte Hightech-Programm 6Genesis gestartet, um bis 2026 die oben aufgeführten Herausforderungen für die Mobilfunknetze der nächsten Generation zu erforschen.

Ende März 2019 findet außerdem in Levi, einem Ski-Resort im finnischen Lappland, der weltweit erste 6G Wireless Summit statt. Ziel des Gipfels ist es, die wichtigsten Herausforderungen für 6G sowie potenzielle Anwendungen zu identifizieren und die technischen Anforderungen sowie geeignete Technologien für das Jahr 2030 zu erarbeiten. "Wir überlegen, Donald Trump als Dank eine Einladung zu dem 6G-Gipfel zu schicken", spöttelt Klemettinen.