Allianz verschlankt IT-Organisation

30.04.2007
Um Kosten zu sparen, zentralisiert der Konzern seine Abteilungen für DV-Infrastruktur.

Die IT-Organisation des Versicherungs- und Finanzdienstleisters steht vor einem tief greifenden Wandel. Zum 1. Juli 2007 legt das Management 26 dezentral aufgestellte Einheiten für die IT-Infrastruktur in Westeuropa zusammen, darunter auch der interne IT-Dienstleister Allianz Dresdner Informationssysteme GmbH (Agis). Deren Aufgaben erledigt künftig die international agierende Gesellschaft Allianz Shared Infrastructure Services, kurz Asic. Betroffen sind rund 2450 Mitarbeiter.

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Friedrich Wöbking, Vorsitzender des internationalen IT-Committee der Allianz, erhofft sich von dem Vorhaben eine verbesserte Servicequalität und eine Kostenreduktion um 20 bis 25 Prozent. Ein Großteil der Einsparungen entfalle auf die Zusammenlegung von Rechenzentren und Server-Farmen, erklärte Wöbking gegenüber der computerwoche. Personalkosten und Aufwendungen für Gebäude spielten demgegenüber nur eine geringe Rolle. Europaweit sei mit einem Stellenabbau im niedrigen dreistelligen Bereich zu rechnen.

Die bisherige Organisation ist aus seiner Sicht nicht effizient genug: "Aufgrund der kleinen Einheiten ist das lokale Verbesserungspotenzial eingeschränkt. Skaleneffekte können nicht realisiert werden." In den Bereichen Netzwerk und Telekommunikation arbeite die Allianz beispielsweise europaweit mit mehr als 150 Lieferanten zusammen. Fortsetzung auf Seite 4

Wöbking: "Wir wollen die IT-Infrastruktur so aufstellen, dass länderübergreifend die besten Produkt-, Prozess- und Technologieansätze zum Einsatz kommen." Den 15 Allianz-Gesellschaften in Westeuropa könne Asic bessere IT-Services zu günstigeren Konditionen liefern.

Ein Duo an der Spitze

Leiten soll das neue Unternehmen ein Duo aus dem eigenen Haus: Kurt Servatius, bisher Chef des konzerneigenen IT-Dienstleisters Agis, agiert als Chief Operating Officer (COO). Markus Müller, der als Chef der Sparte Group IT direkt an Wöbking berichtet, übernimmt die Rolle des Chief Technology Officer (CTO). Großrechner und Server für alle beteiligten Allianz-Gesellschaften betreibt die neue Servicegesellschaft an ihrem Hauptsitz in München. Die Infrastruktur der dezentralen Serviceeinheiten wird in die neue Organisation verlagert. Asic werde auch in den Gruppengesellschaften präsent sein, um beispielsweise Projektberatung vor Ort anzubieten.

Im Rahmen der Neuorganisation will der IT-Manager verstärkt Aufgaben an externe Partner auslagern: "Ein wichtiger Aspekt des neuen IT-Konzepts ist die klare Fokussierung auf Kernkompetenzen." Zu Letzteren zählt er den Betrieb von Servern, Mainframes und den Druckbereich. "Das führt in den Servicefeldern Workplace-Betreuung, Netz und Telekommunikation zu einer Reduzierung der Fertigungstiefe." Bereits im August 2006 hatte die Agis in diesem Kontext die Auslagerung der Desktop- und Netzdienste angekündigt. Davon sind 600 Mitarbeiter betroffen, knapp ein Drittel der Agis-Belegschaft. Der Outsourcing-Deal ist laut Wöbking inzwischen fast in trockenen Tüchern. Er rechne im dritten Quartal mit dem Abschluss.

Den Namen des Outsourcing-Partners mochte er nicht nennen. Man achte aber auf die Weiterbeschäftigungsmöglichkeiten der Angestellten. Ob und inwieweit Mitarbeiter von der Reorganisation profitierten, hänge allerdings auch von deren Bereitschaft ab, sich zu verändern. Für etliche IT-Spezialisten des Konzerns dürfte die Zusammenlegung mit einem Standortwechsel verbunden sein. (wh)