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Usenet beantragt "Todesstrafe" gegen AOL

14.06.1999

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - 13 Nutzer des Usenet (häufig auch als "Newsgroups bezeichnet), mit seinen elektronischen schwarzen Brettern einer der ältesten Bestandteile des Internet, haben erstmals seit 1992 wieder ihre härteste Sanktionsmaßnahme, die sogenannte Death Penalty (Todesstrafe), gegen Nutzer des Online-Dienstes America Online (AOL) beantragt. Die Antragsteller führen zwei Hauptgründe für ihre drakonische Forderung an: Erstens habe man bereits mit einem Schnupper-Zugang von einer x-beliebigen AOL-CD vollen Newsgroup-Zugriff (ohne daß die Identität der User zu diesem Zeitpunkt überprüft worden sei) und könne die Foren mißbrauchen. Zweitens verlange die "Netiquette" - eine Art Online-"Knigge" -, daß man im Usenet unter seinem wirklichen Namen schreibt, was bei AOL meist unmöglich ist.

Nach einer Meldung des Newsletters "Netnews" hat AOL bereits auf die Drohung reagiert: Mit einem Test-Zugang soll künftig der Zugriff auf die Newsgroups nicht mehr möglich sein. Ohnehin ist fraglich, ob die demokratisch organisierte Usenet-Gemeinde die Death Penalty verhängt. Administrator Lutz Donnerhacke erklärte, eine pauschale Verurteilung von 17 Millionen AOL-Mitgliedern sei nicht gerechtfertigt, auch wenn es vereinzelt zu einem Mißbrauch durch einzelne User gekommen sei.