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Update zu Solaris 9

23.05.2002
Wie erwartet bündelt Sun sein neues Unix mit den hauseigenen J2EE-Application-und Directory-Servern. Solaris 9 soll auch merklich schneller als sein Vorgänger sein - zum Leidwesen der Intel-Anwender.

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Bereits gestern berichteten wir über den bevorstehenden Launch des neuesten Release 9 von Sun Microsystems Unix-Derivat Solaris. Inzwischen gibt es weitere Neuheiten, die wir Ihnen nicht vorenthalten wollen.

Bei der gestrigen Vorstellung des Produkts standen neben der Integration des J2EE-Application- (Java 2 Enterprise Edition) und Directory-Servers von vormals iPlanet unter anderem deutliche Leistungszuwächse im Mittelpunkt, die Solaris 9 gegenüber der Vorversion bieten soll. Falls die Versprechungen des Herstellers den Tatsachen entsprechen, dürfte das neue System vor allem den Anwendern die Tränen in die Augen treiben, die Solaris bislang auf Intel-Prozessoren einsetzen - diese Plattform unterstützt Sun bekanntlich vorerst nicht mehr (Computerwoche online berichtete).

Steve Uhli, Vice President Solaris Engineering, erklärte, in ersten Benchmark-Test sei Solaris 9 beim Web-Serving bis zu 34 Prozent schneller als Solaris 8 bei dessen Einführung vor rund zwei Jahren. Bei Datenbankanwendungen betrage die Differenz sogar bis zu 87 Prozent - welcher Test hier genau verwendet wurde, ist nicht bekannt. Weiter kündigte Uhli an, das Lesen von Verzeichnisinformationen sei mit dem integrierten Directory Server in Solaris 9 jetzt fünf Mal schneller als in Solaris 8 mit anhängendem Verzeichnisdienst. Diese Leistungszuwächse habe man unter anderem durch Veränderungen in Threading-Bibliotheken, Dateisystemen und dem Speicher-Microcode erzielt. Reines Software-Tuning mithin, von dem alle in den vergangenen sieben Jahren verkauften Sparc-Maschinen profitieren sollen. Zusätzliche Memory-Verbesserungen gibt es laut Uhli im Zusammenspiel mit der Elektronik aktueller Sunfire-Server. Auch Java-Anwendungen liefen dank der mitgelieferten

"Hotspot"-J2SE-Plattform merklich schneller.

Ein weiteres zentrales Feature von Solaris 9 ist eine Pseudo-Virtualisierungstechnik namens "Solaris Containers". Anwender sollen damit laut "Computerwire" in die Lage versetzt werden, Ressourcen innerhalb einer Domain auf einem Sunfire- oder Starfire-Server zuzuweisen und neu zu verteilen. Die einzelnen Container besitzen die Fähigkeit zu dynamischer Reallokation, das heißt sie können die innerhalb einer Domain verfügbaren Ressourcen je nach Workload-Anforderungen anpassen. Die Technik soll im Laufe der kommenden zwei Jahre nach und nach in Solaris 9 Einzug halten.

Einen Workload- oder Resource-Manager hat inzwischen jedes größere Unix-Derivat. Der von Solaris 9 reicht zunächst jedoch nur bis zum Vier-Wege-CPU-Board hinunter, und nicht etwa bis zu einzelnen CPUs oder gar Teilen davon. Bis Ende des Jahres soll er aber auch einzelne Container innerhalb einer Domain verwalten und gegen Fehler absichern können. Irgendwann in (ungewisser) Zukunft wird man einzelnen Containern sogar dediziert Speicher und I/O-Kapazität zuweisen und sie mit individuellen Sicherheitsprofilen versehen können. Unklar ist gegenwärtig, wie viele Container maximal innerhalb einer Domain unterstützt werden.

Was das leidige Thema Solaris auf Intel angeht, so hat sich Sun trotz einiger Proteste aus der Anwenderschaft zunächst gegen ein Produkt entschieden - auch wenn dieses prinzipiell fertig wäre. Offenbar wartet die Firma von CEO (Chief Executive Officer) Scott McNealy hier erst einmal auf entsprechende Commitments von Intel und dessen Hardwarepartnern. Noch-President und -COO (Chief Operating Officer) Ed Zander erklärte jedenfalls gestern, er wäre entzückt, wenn die Intel-Community Sun entsprechend unterstützen würde. "Rufen Sie mich jetzt an, und Sun macht es. Ich mache es", versprach der scheidende zweite Mann.

Kostenlos ist Solaris künftig übrigens nur noch für Maschinen mit einer CPU - diese Offerte zielt vor allem auf Entwickler. Anwender mit Supportverträgen können für ihre Maschinen das neue Betriebssystem als Mediakit (50 Dollar) anfordern. Und natürlich gibt es Solaris 9 auch mit neuen Sun-Servern. Dazu scherzte Zander: "Die Leute sagen, man kauft einen Sun-Server und bekommt Solaris umsonst dazu. Nein, das stimmt nicht. Die Hardware ist was mich betrifft umsonst - wir nehmen bloß 200.000 Dollar für Solaris." (tc)