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Oracle macht 23 Prozent weniger Gewinn

19.06.2002
Oracle hat zwar im vierten Quartal weniger verdient, aber beim Umsatz und Kosten-Management die Erwartungen übertroffen. CFO Henley gab dennoch eine pessimistische Prognose ab.

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Oracle hat gestern seine mit Spannung erwartete Bilanz für das vierte Quartal seines abgeschlossenen Fiskaljahres vorgelegt. Der Nettogewinn im Berichtszeitraum ging um 23 Prozent auf 655,9 Millionen Dollar oder zwölf Cent pro Aktie zurück nach 854,9 Millionen Dollar oder 15 Cent je Anteilschein im Vorjahresquartal. Im März hatte der Datenbankriese zwölf bis 14 Cent Profit pro Aktie in Aussicht gestellt. Viele Wall-Street-Analysten hatten aber anschließend ihre Prognosen gesenkt, so dass der Consensus laut First Call/Thomson Financial auf zwölf Cent Gewinn je Anteilschein und rund 2,5 Milliarden Dollar Umsatz lautete.

CFO Jeff Henley erwartet im ersten Quartal bis zu 25 Prozent weniger Lizenzumsatz.
CFO Jeff Henley erwartet im ersten Quartal bis zu 25 Prozent weniger Lizenzumsatz.

Die Quartalseinnahmen lagen mit aktuell 2,77 Milliarden Dollar leicht über den Erwartungen, gleichzeitig aber um 16 Prozent unter den 3,29 Milliarden Dollar aus dem Vergleichsquartal des Vorjahres. Für das gesamte Geschäftsjahr ergibt sich auf Basis von 9,67 Milliarden Dollar Umsatz ein Nettogewinn von 2,22 Milliarden Dollar oder 39 Cent pro Aktie. Die Analysten hatten auf ebenfalls 39 Cent Profit je Anteilschein sowie 9,38 Milliarden Dollar Umsatz getippt. Im Vorjahr hatte Oracle 10,96 Milliarden Dollar umgesetzt und 2,56 Milliarden Dollar oder 44 Cent pro Aktie Gewinn erwirtschaftet.

Mit seinem aktuellen Zahlenwerk kam Oracle besser davon als vielfach erwartet oder besser befürchtet. Vor allem vom Umsatz, Lizenzgeschäft und Kosten-Management zeigten sich einige Beobachter überrascht. Das Lizenzgeschäft ging zwar von 1,66 Milliarden Dollar im Vorjahresquartal auf 1,17 Milliarden Dollar zurück; hier war aber vielfach ein noch stärkerer Einbruch erwartet worden. Im reinen Datenbankgeschäft fielen die Einnahmen im Jahresvergleich um 29 Prozent auf 904,3 Millionen; im "Applications"-ERP-Geschäft sank der Umsatz um 27 Prozent auf 245,7 Millionen Dollar.

Die Kosten vermochte Oracle von zwei Milliarden Dollar im Vorjahresquartal um 22 Prozent auf 1,5 Milliarden Dollar zu senken. Weitere Entlassungen seien vorerst nicht geplant. Die operative Marge stieg von 35 Prozent im Vorquartal auf 44 Prozent. Der aktuelle Quartalsnettogewinn enthält eine Firmenwertabschreibung für eine Investition des Konzerns in Liberate Technologies. Ohne diese hätte der Profit 760 Millionen Dollar oder 14 Cent pro Aktie betragen.

Relativ düster fiel die Prognose von Finanzchef Jeff Henley aus. Man könne derzeit nur "begrenzt" erkennen, ob sich die IT-Investitionssituation bessern werde. Für das nächste halbe Jahr jedenfalls erwartet der CFO (Chief Financial Officer) jedenfalls keine substanzielle Änderung zum Positiven. Für das begonnene erste Quartal stellte Henley sechs bis sieben Cent Gewinn pro Aktie in Aussicht. Die Lizenzeinnahmen sollen um 15 bis 20 Prozent unter denen des Vorjahresquartals liegen. Für das Kalenderjahr 2003 hielt sich der Finanzchef noch relativ bedeckt. Er gehe aber zumindest davon aus, dass der Umsatz wieder wachsen werde, erklärte Henley.

Zum Fixing an der Nasdaq schloss die Oracle-Aktie gestern 22 Cent leichter mit 8,98 Dollar. (tc)