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Motorola und Nokia erschweren Telsim-Verkauf

16.04.2004

Um ihre Schulden bei der Imar Bank einzutreiben, will die türkische Regierung den ebenfalls im Besitz der Uzan-Familie befindlichen Mobilfunkbetreiber Telsim verkaufen. Erschwert werden die Pläne jedoch von Motorola und Nokia, bei denen der zweitgrößte Mobilfunkbetreiber des Landes mit mindestens 2,7 Milliarden Dollar plus Zinsen und Schadensersatz in der Kreide steht.

Presseberichten zufolge hatte sich Telsim im Jahr 1998 rund zwei Milliarden Dollar von Motorola geliehen, um ein flächendeckendes GSM-Mobilfunknetz in der Türkei aufzubauen. Als Sicherheit wurde den Texanern eine Beteiligung von 66 Prozent an Telsim zugesagt. Mit dem finnischen Konkurrenten Nokia hatten die Uzans zeitgleich ein ähnliches Abkommen abgeschlossen, ohne Motorola zu informieren. Nach Darstellung der Geschädigten hat der Clan von dem Geld aber mindestens eine Milliarden Dollar abgezweigt, um seinen aufwändigen Lebensstil mit Privatflugzeugen und Apartments in New York zu finanzieren. Resultat war, dass Ende 2000 die Rückzahlungen abrupt stoppten, stattdessen verlangte Telsim eine Umschuldung. Als dieser Versuch fehlschlug, wurde die zugesicherte Aktienbeteiligung still und heimlich über eine geheime Kapitalerhöhung verwässert. Motorola versuchte daraufhin, seine Ansprüche auf dem Rechtsweg geltend zu machen. Im August 2003 urteilte ein New Yorker

Gericht, dass die Uzan-Familie 4,3 Milliarden Dollar an Motorola zurückzahlen, Nokia wurde ein Anspruch von 1,7 Milliarden Dollar zugesichert (Computerwoche.de berichtete).

Diesem Geld habhaft zu werden, erwies sich jedoch als äußerst schwierig. Wie sich zeigte, haben noch eine Reihe anderer Firmen Forderungen gegen die Uzans. Das familieneigene Finanzinstitut war im vergangenen Jahr wegen "Gefährdung des türkischen Finanzsystems" unter staatliche Kontrolle gestellt worden. Im Februar beschlagnahmte die türkische Bankenaufsicht mehr als 200 Firmen der Uzans, darunter Telsim, nachdem sich Familienmitglieder auf die Flucht begeben hatten.

Mit den Erlösen aus dem Verkauf des Mobilfunkbetreibers soll nun in erster Linie der fehlende Kapitalbetrag der Imar Bank von sechs Milliarden Dollar ausgeglichen werden. Telsim ist angesichts des noch nicht gesättigten türkischen Mobilfunkmarkts ein interessantes Investitionsobjekt, eine Veräußerung wird jedoch durch Schadensersatzansprüche von Motorola und Nokia erschwert. Am wahrscheinlichsten erscheint die Übernahme durch ein Konsortium türkischer TK-Unternehmen, ein mehrheitlicher Verkauf an einen ausländischen Konzern ist rechtlich nicht zulässig. (mb)