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Motorola: Trotz Rekordverlust zufrieden

17.07.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Der US-Konzern Motorola wies im abgelaufenen zweiten Geschäftsquartal mit einem Nettodefizit von 2,3 Milliarden oder 1,02 Dollar je Aktie den größten Verlust in der 74-jährigen Firmengeschichte aus. Im Vorjahreszeitraum hatte das Unternehmen aus Schaumburg, Illinois, ein Minus von 759 Millionen Dollar geschrieben. Hauptverantwortlich für den aktuellen Fehlbetrag sind Restrukturierungskosten, die das Nettoergebnis mit 2,4 Milliarden Dollar belasteten. Um wieder in die schwarzen Zahlen zu gelangen, hatte der Konzern im großen Stil Mitarbeiter entlassen, sich aus einigen unrentablen Bereichen zurückgezogen und Produktionsstätten geschlossen. Gleichzeitig verbuchte Motorola Investmentverluste in Höhe von 1,6 Milliarden Dollar. Ohne diese Einmaleffekte hätte das Unternehmen einen Nettogewinn von 48 Millionen Dollar oder zwei Cent je Anteil ausgewiesen.

COO (Chief Operating Officer) Edward Breen kann dem sechsten Quartalsverlust in Folge daher auch positive Seiten abringen. Er erklärte, dass Motorola im Berichtszeitraum einen positiven operativen Cashflow von rund 520 Millionen Dollar auswies. Außerdem hätte seine Company vor Sondereffekten bereits ein Quartal früher als erwartet die Profitgrenze überschritten. Auch die Analysten der Wallstreet zeigten sich von dem Resultat überrascht: Laut First Call/Thomson hatten sie als Ergebnis vor Sonderaufwendungen im Schnitt mit einem Verlust von vier Cent pro Anteilschein gerechnet.

Die Einnahmen in den weitergeführten Bereichen gingen im Vergleich zum Vorjahr um elf Prozent auf 6,7 Milliarden Dollar zurück, übertrafen jedoch die eigenen Erwartungen um 300 Millionen Dollar. Motorola konnte dabei in der rentablen Handy-Sparte den Umsatz um fünf Prozent auf 2,6 Milliarden Dollar steigern, allerdings sank der Auftragseingang um elf Prozent auf 2,5 Milliarden Dollar. Starke Einbußen verzeichnete das Unternehmen dagegen bei der Abteilung Infrastruktur: Nachdem ein Viertel der Einnahmen im Jahresvergleich wegbrachen, erwirtschaftete die Division nur 1,2 Milliarden Dollar Umsatz, die Höhe der Auftragseingänge schrumpfte um 47 Prozent auf 1,1 Milliarden Dollar. Im Bereich Breitband-Kommunikation betrugen die Einnahmen nur noch 554 Millionen Dollar, 32 Prozent weniger als im Vorjahresquartal. Die defizitäre Halbleitersparte verbuchte einen Umsatzrückgang um drei Prozent auf 1,2 Milliarden Dollar, allerdings meldete Motorola auch hier einen Anstieg

der Aufträge um 25 Prozent auf 1,3 Milliarden Dollar. Motorola-Chef Christopher Galvin erklärte, sein Unternehmen sei nach der Restrukturierung und dem Stellenabbau für eine wirtschaftliche Erholung gerüstet. Die Company hatte Ende Juni angekündigt, weitere 7000 Stellen abzubauen (Computerwoche online berichtete). (mb)