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Macht Bertelsmann Napster salonfähig?

31.10.2000
Der Gütersloher Mediengigant Bertelsmann AG hat eine strategische Partnerschaft mit der bislang eher umstrittenen MP3-Tauschbörse Napster geschlossen. Der Filesharing-Service soll in einen kommerziellen Musikdienst mit Rückendeckung der Industrie verwandelt werden.

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Der Gütersloher Mediengigant Bertelsmann AG hat eine strategische Partnerschaft mit der bislang eher umstrittenen MP3-Tauschbörse Napster geschlossen. Im Zuge der Kooperation wollen die Partner den Filesharing-Service in einen Abonnement-basierten Musikdienst mit Rückendeckung der Industrie verwandeln und dabei sicher stellen, dass Tantiemenzahlungen an Rechteinhaber (Künstler, Autoren, Plattenlabels) gewährleistet sind.

Das entsprechende Geschäftsmodell sollen die Bertelsmann e-Commerce Group (BeCG) und Napster gemeinsam entwickeln. Die Bertelsmann Music Group (BMG) zieht ihre Klage gegen Napster zurück und stellt dem neuen Partner ihren kompletten Katalog digitalisierter Musiktitel zur Verfügung - vorausgesetzt, der geplante Service nimmt tatsächlich Gestalt an. "Das Prinzip des Filesharings hat mit seinem Bedienkomfort sowie Content- und Community-Angebot Millionen von Menschen weltweit in seinen Bann geschlagen", erkläutert Bertelsmann-Chef Thomas Middelhoff das Engagement seines Unternehmens. Er forderte Musikfirmen, Labels und Künstler der Welt auf, sich aktiv an der Entwicklung des geplanten Dienstes zu beteiligen.

BeCG stellt Napster nach eigenen Angaben einen Kredit zur Verfügung, der die Umsetzung der Pläne ermöglicht. Im Gegenzug erhält der Medienriese eine garantierte Option auf eine Beteiligung an Napster, das erst im vergangenen Jahr vom damals 18-jährigen Studenten Shawn Fanning gegründet wurde. Der äußerte sich übrigens wie folgt: "Ich freue mich, das Bertelsmann die Einzigartigkeit der weltweiten Napster-Community zu schätzen weiß."