Ratgeber Karriere

Führung und Unternehmenskultur

Karriereratgeber 2017 - Christiane Leonhardt, SLSplus

26.07.2017
Vom 26. Juli bis 08. August beantwortet die erfahrene Managerin Christiane Leonhardt im Online-Forum der COMPUTERWOCHE Fragen rund um die Themen Führung und Unternehmenskultur.

Christiane Leonhardt war seit 1997 in verschiedenen Unternehmen in Management-Positionen mit Führungsverantwortung tätig - zuletzt als Director Marketing bei Citibank International plc in Lissabon. 2013 hat sie SLSplus, eine Beratung für Management und Marketing, mitgegründet.

Christiane Leonhardt ist Mitbegründerin der Beratung für Management und Marketing SLSplus und Dozentin an der Wiesbaden Business School.
Christiane Leonhardt ist Mitbegründerin der Beratung für Management und Marketing SLSplus und Dozentin an der Wiesbaden Business School.
Foto: SLSplus GmbH

Schwerpunkt ihrer Tätigkeit ist Management-Beratung, aber auch die Entwicklung von Führungskonzepten und ganzheitlicher Marketing-Lösungen für mittelständische und große Unternehmen. Seit 2011 lehrt sie als Dozentin Internationales Finanzdienstleistungs-Marketing an der Wiesbaden Business School, und schreibt auch als Expertin für das IDG-Expertennetzwerk.

Stellen Sie Ihre Fragen an Christiane Leonhardt einfach unterhalb dieses Beitrags über unsere Disqus-Kommentarfunktion. Sie werden dann zeitnah beantwortet. (hk)

 

leonhardt@slsplus.com

Guten Abend, Herr Müller,

Disruptive Innovation und die fortschreitende Digitalisierung können das Geschäftsmodell vieler Unternehmen schlagartig in Frage stellen. Diese Entwicklungen stehen im Gegensatz zur Sehnsucht vieler Menschen nach Stabilität und Ruhe. Daher sind die Beharrungskräfte einer Organisation meist sehr stark. Das Management kann Veränderungen nicht einfach anordnen und durchsetzen.

Die Herausforderung ist, dass Unternehmen ihre Strategie, Strukturen, Prozesse und Kultur so weiterentwickeln, dass in diesen Veränderungen die Marktstellung gestärkt und zukünftiger Erfolg sichergestellt wird. Neben dem zentralen Anliegen einer gesunden Geschäftsentwicklung sollte der Focus insbesondere auf die Menschen in Organisationen gerichtet werden. Wichtig ist, allen Mitarbeitern die neuen Ziele zu erklären, damit sie sich damit identifizieren und motiviert sind, die Veränderungen mitzugestalten.

Da die Mitarbeiter Unternehmen erfolgreich machen, müssen alle verantwortlichen Schlüsselpersonen systematisch in die Umsetzung der strategischen und strukturellen Veränderungen integriert werden. Und ebenso relevant ist es, Ergebnisse zu kommunizieren. Change-Management-Projekte müssen auch beendet werden. Das vermittelt den Mitarbeitern die wichtige Botschaft: „Das Projekt ist erfolgreich beendet.“ Sie brauchen wieder eine Zeit, in der sie in einem stabilen und ruhigen Umfeld arbeiten können. Damit wird eine Veränderungskultur im Unternehmen gefördert. Die braucht es für zukünftiges Change-Management.

Wenn Sie noch Fragen haben, melden Sie sich bitte.

Beste Grüße

Ihre
Christiane Leonhardt

Hannes Müller

Hallo Frau Leonhardt,

das ist ja sehr interessant, was Sie Frau Meier geantwortet haben. Die nächste Frage, die sich mir stellt, ist: Welche Strukturen und Rahmenbedingungen in Unternehmen sind notwendig, um Veränderungsprozesse zu unterstützen beziehungsweise zu fördern?

MfG

H. Müller

leonhardt@slsplus.com

Sehr geehrte Frau Meier,

die Digitalisierung erfordert von Führungskräften, dass sie Werte, Erwartungen und Bedürfnisse ihrer Mitarbeiter viel stärker wahrnehmen als bisher. Bis heute sehen leider viele Führungskräfte in ihrem Mitarbeiter nur eine Funktion. Das wird sich mit zunehmender Digitalisierung ändern. Für die Generation Y spielt die Marke des Unternehmens und das Gehalt eine untergeordnete Rolle. Der Sinn und die Attraktivität der angenommenen Aufgabe gerät stattdessen immer stärker in den Mittelpunkt. Führungskräfte werden sich daher fragen müssen, wie sie die Bindung ihrer Mitarbeiter an das Unternehmen erhöhen können. Eine Schlüsselrolle wird dabei die Kommunikation einnehmen. Entscheidend wird die soziale Kompetenz, die soziale Performance von Führungskräften sein.

Was macht soziale Performance aus? Beispielsweise die innere Einstellung eines Menschen zu anderen. Führung auch ethisch auszufüllen. Mit Mitarbeitern persönlich zu sprechen anstatt zu schreiben. Der verantwortungsbewusste Umgang mit den Mitarbeitern entscheidet über den Erfolg von Veränderungsprozessen: Wählen Sie deshalb den Weg des direkten, persönlichen Gesprächs. Ein wichtiger Faktor in Veränderungsprozessen ist die Glaubwürdigkeit: Kommunizieren Sie klar, ehrlich und frühzeitig – auch wenn es sich um schlechte Nachrichten handelt. Stellen Sie sich die Frage, ob sich der Austausch mit Ihren Mitarbeitern nur auf Informationen beziehen soll oder ob Sie auch dazu fähig sind, eine Beziehungsebene aufzubauen und zu pflegen. Dazu gehört dann auch, anderen Menschen Fehler zu verzeihen und selbst auch um Verzeihung bitten zu können – unabhängig von der Hierarchie. Ein partnerschaftlicher Umgang und eine vertrauensvolle Arbeitsbeziehung spielen eine entscheidende Rolle in der „Industrie 4.0“. Wie deutlich erkennbar ist: letztendlich geht es um Kompetenzen, über die längst jede Führungskraft verfügen sollte. Doch dort, wo keine oder wenig soziale Performance vorhanden ist, kann sie auch nicht imitiert werden. Bestenfalls lässt sich Vorhandenes vertiefen und verstärken.

Wenn Sie weitere Fragen haben, melden Sie sich bitte.

Beste Grüße

Ihre

Christiane Leonhardt

Hanna Meier

Sehr geehrte Frau Leonhardt,

die Themen Digitalisierung und Change-Management sind allgegenwärtig. Welche Tipps haben Sie für Führungskräfte, die diese Prozesse gestalten bzw. gestalten werden. Welche Change-Management Kompetenzen sind heute nach Ihrer Ansicht relevant?

Mit freundlichen Grüßen
Hanna Meier

leonhardt@slsplus.com

Sehr geehrter Herr CW,

mit „freigeschwommen“ meine ich folgendes: oft ähnelt ein Unternehmenswechsel ja einem Sprung ins (kalte) Wasser. Wenn Sie einen Überblick über die neue Aufgabe gewonnen haben, wenn Sie den Eindruck haben, Sie haben alle Informationen, um selbstständig arbeiten zu können - kurzum: Sie sind „eingelebt" und haben die Probezeit erfolgreich hinter sich gelassen.

Bitte melden Sie sich bei weiteren Fragen, auch nach Ihrem Jobwechsel können Sie mich gerne konsultieren.

Beste Grüße

Christiane Leonhardt

cw0815

Sehr geehrte Frau Leonhardt,

vielen Dank für Ihre ausführtliche und aufbauende Antwort.

Was meinen Sie genau mit freigeschwommen?

MfG

cw0815

leonhardt@slsplus.com

Guten Abend Herr CW,

wenn Sie schon ein konkretes Angebot vorliegen haben, gehe ich davon aus, dass Sie das Unternehmen bereits kennengelernt haben. Ihre Motivation, die aktuellen Stellenausschreibungen zu studieren, zeigt auf, dass Sie - zumindest unterbewusst - nach einer neuen Herausforderung suchen. Ein Jobwechsel ist vor allem dann sinnvoll, wenn Sie auf ein Ziel hinarbeiten. Er sollte nie aus einem Fluchtreflex heraus stattfinden, was ja bei Ihnen offenbar nicht der Fall ist. Bei Ihrer Entscheidung sollten Sie die Angst vor einem Jobverlust als Vater zur Seite schieben. Das Bedürfnis nach Sicherheit ist nachvollziehbar, aber schwer zu befriedigen, weil es keinen Schutz vor Jobverlust gibt. Aufgrund meiner Erfahrungen kann ich Ihnen nur empfehlen, den Wechsel zu wagen. Allerdings nur dann, wenn Sie in Bezug auf die neue Aufgabe, das Arbeitsumfeld, Karriereperspektiven und Unternehmenskultur ein richtig gutes Bauchgefühl haben. Ein Wechsel in ein internationales Unternehmen bringt eine hohe Lernkurve mit sich. Wenn Sie sich „freigeschwommen“ haben, werden Sie sehr glücklich sein, den Schritt gewagt zu haben. Schließlich gründet sich unser Spaß an Arbeit und Leistung darin, immer wieder neue berufliche Herausforderungen zu meistern. Ich wünsche Ihnen viel Glück, auch für das zukünftige Leben zu Dritt. Und wenn Sie noch Fragen haben, melden Sie sich bitte jederzeit.

Beste Grüße

Christiane Leonhardt

leonhardt@slsplus.com

Liebe Leserinnen und Leser,

ich begrüße Sie herzlich beim Karriereratgeber der Computerwoche und freue mich auf Ihre Fragen rund um das Thema Unternehmens- und Führungskultur.

Beste Grüße
Ihre Christiane Leonhardt

cw0815

Sehr geehrte Frau Leonhardt,

kürzlich erhielt ich ein und überlege ob ich dieses annehmen soll.

Derzeit t bin ich bei meinem aktuellen Arbeitgeber ganz zufrieden, studiere
aber in den letzten Monaten wieder regelmäßig die aktuellen
Stellenanzeigen hinsichtlich der Überlegung den Job zu wechseln.

Ich werde dieses Jahr Vater, daher fällt mir die Entscheidungsfindung schwer.

Das neue Unternehmen ist international tätig, würde mir vom
Aufgabenbereich liegen, mit Sicherheit auch Spaß machen und ist ebenfalls finanziell interessant

Was würden Sie mir raten?

MfG

cw0815

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