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Infineon verkauft Beteiligungs-Portfolio an Cipio

13.01.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Infineon ist aus dem Wagniskapitalgeschäft komplett ausgestiegen. Wie die Beteiligungsgesellschaft Cipio Partners mitteilte, hat sie die Infineon Ventures GmbH des Münchner Chipherstellers übernommen. Insidern zufolge zahlte der Finanzinvestor einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag. Infineon hatte einem Unternehmenssprecher zufolge über die Jahre rund 150 Millionen Euro in Wagniskapital-Beteiligungen investiert.

Infineon wolle sich auf das Kerngeschäft konzentrieren. Die Venture-Aktivitäten des Unternehmens seien jedoch branchenweit als erfolgreich anerkannt. Ob durch den Verkauf ein Buchgewinn oder -verlust anfällt, wollte der Sprecher nicht sagen.

Cipio zufolge hat der Chiphersteller in das seit 1998 aufgebaute Portfolio 200 Millionen Euro investiert. Das Portfolio bestehe aus knapp 30 Direkt- sowie mehreren Fondsbeteiligungen und repräsentiere eines der größten Corporate Venture Portfolios in Europa, hieß es. Im Portfolio enthalten seien Unternehmen aus den Bereichen Halbleiter, Mikroelektronik und Kommunikation in Europa, Israel und den USA.

Durch den Kauf erwirbt Cipio bereits das vierte bedeutende Risikokapital-Portfolio deutscher Großunternehmen innerhalb weniger Monate. Zuletzt übernahm es die Wagniskapitalsparten der Deutschen Telekom und von DaimlerChrysle. "Mit der Infineon Ventures haben wir ein internationales Portfolio hochinnovativer Technologieunternehmen übernommen, in denen wir ein sehr großes Potenzial sehen", erklärte Werner Dreesbach, Managing Partner von Cipio.

Den Grund für den Ausstieg der großen Gesellschaften aus dem Risikokapitalgeschäft sieht Cipio darin, dass deren Renditerechnung heute zum Teil anders aussehe als zu der Zeit, als diese Investments unter strategischen Gesichtspunkten eingegangen wurden. "Weltweit steigt der Druck auf die Konzernvorstände, ihre Unternehmen auf das zu konzentrieren, was sie am besten können", erklärte Tom Anthofer, ebenfalls Managing Partner, nach der Übernahme von DaimlerChrysler Ventures.

In den meisten Fällen würden solche Investments im Corporate-Umfeld als langfristige Finanzanlagen verbucht. "Aber dort wird scharf auf die Rendite geachtet, ungeachtet eines möglichen strategischen Beitrags, den die Beteiligung in Zukunft bringen mag." (dpa/tc)