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IBM schwächelt beim Umsatzwachstum

16.10.2003
Anders als Intel hängt IBM stärker vom noch immer flauen Unternehmens-IT-Markt ab. Der Konzern legte zwar beim Gewinn deutlich zu, doch die Einnahmenseite macht Analysten Sorgen.

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - IBM hat gestern nach US-Börsenschluss seine Bilanz zum dritten Quartal veröffentlicht. Zwar konnte der Konzern seinen Reingewinn gegenüber dem Vorjahr um 36 Prozent steigern, die Umsatzentwicklung weist aber darauf hin, dass eine signifikante Erholung der Branche noch nicht in Sicht ist. Die Einnahmen stiegen um 8,6 Prozent, dies geht aber vornehmlich auf das Konto von Übernahmen. Ohne positive Währungseffekte durch den schwachen Dollar wäre der Umsatz sogar nur um vier Prozent gewachsen.

Big Blues Quartalseinnahmen stiegen von 19,82 Milliarden Dollar im Vorjahreszeitraum auf aktuell 21,52 Milliarden Dollar. Sanford-Bernstein-Analyst Toni Sacconaghi bezeichnete das Abschneiden als "auf der Umsatzseite enttäuschend"; er hatte Einnahmen von 21,8 Milliarden Dollar erwartet. Ein IBM-Sprecher erklärte, Zukäufe und Währungseffekte herausgerechnet habe der Umsatz auf Vorjahresniveau gelegen. "Es ist zu früh, um eine Erholung zu konstatieren", erklärte denn auch IBM-Chef Samuel Palmisano in einer Stellungnahme.

Die Anleger reagierten bereits empfindlich. Nachdem IBMs Aktie gestern zwischenzeitlich für 94,54 Dollar gehandelt worden war und zum NYSE-Fixing bei 92,74 Dollar geschlossen hatte, fiel der Kurs nachbörslich bereit um mehr als drei Dollar auf 89,65 Dollar.

Erfreulicher war IBMs Entwicklung unterm Strich. Hier wies das Unternehmen einen Nettogewinn von 1,79 Milliarden Dollar oder 1,02 Dollar pro Aktie aus im Vergleich zu 1,31 Milliarden Dollar oder 76 Cent je Anteilschein im Vorjahresquartal. Damals wurde das Ergebnis allerdings durch den Verkauf des Festplattengeschäfts an Hitachi mit 381 Millionen Dollar belastet. Der Gewinn aus fortlaufender Geschäftstätigkeit stieg im Jahresvergleich um 5,4 Prozent.

An einige Schwachstellen hat IBM erfolgreich gearbeitet. Beispielsweise stieg das Volumen großer Serviceabschlüsse im dritten Quartal auf mehr als 15 Milliarden Dollar nach enttäuschenden 10,7 Milliarden Dollar im vorhergehenden Vierteljahr. Die "Megadeals" sind wichtig für den Konzern, um die für das kommende Jahr von der Wall Street erwarteten sechs Prozent mehr Umsatz zu erreichen. IBM erzielt rund die Hälfte seiner Einnahmen mit Dienstleistungen. Insgesamt wuchs das Servicegeschäft im dritten Quartal um 17 Prozent (abzüglich Währungseffekten um elf Prozent) auf 10,4 Milliarden Dollar.

Den Verlust der Microelectronics-Sparte konnte Big Blue von 110 Millionen Dollar im Vorquartal auf 96 Millionen Dollar reduzieren. Das Unternehmen hatte Schwierigkeiten gehabt, seine neue Highend-Fab in East Fishkill, New York, voll in Produktion zu nehmen. Finanzchef John Joyce erklärte, es gebe mehr Aufträge und bessere Yields, aber der für das vierte Quartal prognostizierte Bereichsumsatz liege noch unterhalb der Break-even-Schwelle.

In der nach Services zweitgrößten Sparte Hardware gingen die Einnahmen um ein Prozent auf 6,7 Milliarden Dollar zurück. Die Unterbereiche Systems (=Server), Storage und PC legten allesamt leicht zu, wohingegen die Technology Group Federn lassen musste. Der Softwareumsatz stieg um elf Prozent auf 3,5 Milliarden Dollar. DB2, Websphere, Lotus und Tivoli wuchsen quer durch die Bank, wobei Lotus mit einem Plus von neun Prozent nach zuletzt sinkenden Einnahmen eine Trendwende schaffte.

Die Erwartungen der Finanzwelt für das laufende vierte Quartal bezeichnete CFO (Chief Financial Officer) Joyce als "vernünftig". Die von Reuters befragten Analysten gehen derzeit von einem Umsatzplus von knapp sechs Prozent auf 25,06 Milliarden Dollar sowie einem Gewinn von 1,51 Dollar pro Aktie nach 59 Cent je Anteilschein im Vorjahresquartal aus. (tc)