Web

 

Bellsouth und KPN schnappen sich E-Plus

10.12.1999
France Télécom guckt in die Röhre

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Der niederländische TK-Carrier KPN gab heute morgen bekannt, der Bellsouth Corp. 9,4 Milliarden Dollar für die Übernahme von E-Plus leihen zu wollen. Zu diesem Zweck gründeten die Unternehmen die Holding Bellsouth GmbH, in deren Besitz der deutsche Mobilfunkanbieter übergehen soll. Durch diese Gemeinschaftsaktion wurde in letzter Minute die France Télécom ausgebootet, die sich bereits mit den E-Plus-Anteilseignern Vodafone Airtouch, RWE und Veba darauf geeinigt hatte, deren insgesamt rund 77prozentige Beteiligung zu übernehmen.

Bellsouth, bisher im Besitz von 22,5 Prozent der E-Plus-Anteile, hat nach Unternehmensangaben in letzter Minute von seinem Vorkaufsrecht für die Vodafone-Anteile (17,243 Prozent) Gebrauch gemacht. Die US-amerikanische Telefongesellschaft hat als Gründungsmitglied von E-Plus ebenfalls als Vorkaufsrecht für die 60,25prozentige Beteiligung von Veba und RWE. Auch dieses Recht wollen die Amerikaner wahrnehmen.

Bellsouth und KPN bestätigten die Gründung des Joint-ventures Bellsouth GmbH, das E-Plus übernehmen soll (CW Infonet berichtete). Für den Kauf der Mehrheitsanteile stattet der niederländische TK-Anbieter Bellsouth mit einem Darlehen in Höhe von 9,4 Milliarden Dollar aus. Im Gegenzug wird KPN rund 77,5 Prozent an der gemeinsamen Holding erhalten. Weiter hieß es, Bellsouth werde seine 22,5prozentige Beteiligung an E-Plus für mindestens 18 Monate halten. Danach hat der US-Carrier die Option, seinen Anteil in eine 19prozentige Beteiligung an KPN oder am Mobilfunkanbieter KPN Mobile einzutauschen. KPN Mobile ist die Holding des niederländischen Unternehmens, in dem alle Mobilfunkaktivitäten von KPN zusammengefaßt sind. Sie soll in der ersten Hälfte des kommenden Jahres an die Börse gehen. KPN Mobile wird nach der E-Plus-Übernahme mehr als acht Millionen Mobilfunk-Kunden in Europa betreuen.

Weiteren Angaben zufolge wird KPN von Bellsouth einen Kredit in Höhe von drei Milliarden Dollar erhalten, um weitere Mobilfunkinvestitionen in Europa tätigen zu können. Der amerikanische TK-Konzern wird dafür Bezugsrechte für zirka 52 Millionen KPN-Anteilscheine erhalten. Des weiteren erwäge Bellsouth einen zusätzliches Darlehen von fünf Milliarden Dollar an die Niederländer, welches dann in Aktien von KPN Mobile umgewandelt werden könnte.

Inzwischen hat der französische Mischkonzern Vivendi ebenfalls sein Interesse bekundet, in den deutschen Mobilfunk-Markt einzusteigen. Das Unternehmen gab heute morgen bekannt, in diesem Zusammenhang schließe es Gespräche mit der KPN über eine Partnerschaft bei E-Plus nicht aus. In den vergangenen Tagen hatten Expertenkreise bereits über eine derartige Allianz zwischen den Niederländern und dem französischen Mobilfunkanbieter Cegetel, bei der Vivendi mit 44 Prozent Hauptaktionär ist, spekuliert.

Die France Télécom, die sich mit der Übernahme von E-Plus das lang ersehnte Standbein in Deutschland aufbauen wollte, dürfte sich über den buchstäblich in letzter Minute vermasselten Deal ganz schön ärgern.