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Bea plant Framework für Java-Entwicklung

05.12.2001
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MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Bea Systems, aktuellen Studien zufolge von IBM bedrängter Noch-Marktführer im Bereich Application-Server, will im kommenden Jahr groß in den Java-Entwicklungsmarkt einsteigen. Chief Strategy Officer Bill Coleman enthüllte gestern Pläne für ein derzeit unter dem Codenamen "Cajun" gehandeltes Framework, dass die Entwicklung Java- und EJB-basierter (Enterprise Javabeans) Anwendungen für Web-Services deutlich vereinfachen soll. Neben der Eigenentwicklung ist offenbar auch an eine Integration entsprechender Tools von Borland und Webgain gedacht.

"Computerwire" zitiert Coleman mit der Aussage, Bea werde mit Cajun Java erstmals zum Massenprodukt machen. Im Stile von Microsofts Visual Studio sollen auch technisch unbelecktere Entwickler per Drag and drop die Sun-Technik nutzen können. "Wir öffnen Java auch denen, die nicht die Idiosynkrasien von einem Dutzend unterschiedlicher Java-Calls kennen", so Coleman im Rahmen eines E-Business-Seminars in London.

Mit solchen Vorhaben steht Bea allerdings nicht ganz allein auf weiter Front - unter anderem arbeiten auch IBM, HP und Macromedia an einfacherer Java-Programmierung oder Frameworks, um unterschiedliche Tools unter einen Hut zu bringen. Eine Visual Studio vergleichbare "Dachmarke" hat aber bislang kein Anbieter im Java-Umfeld zustande gebracht.

Bea hat jedoch mit Marketing-Chef Tod Nielsen, früherer Entwickler-Evangelist bei Microsoft und Crossgain-Guru, ein As im Ärmel. Dieser soll dafür Sorge tragen, dass Bea im kommenden Jahr bis zu sechs Millionen Entwickler auf seine Plattform lockt. Beginnend mit der jährlichen Anwenderkonferenz im kommenden Februar soll Nielsen die Rekrutierungsmaßnahmen einleiten, die unter anderem von einem dem Microsoft Developer Network (MSDN) nachempfundenen umfangreichen Web-Auftritt flankiert werden. Nielsen soll außerdem ISV (Independent Software Vendors) auf Beas Seite ziehen.

Sam Patterson, CEO von ComponentSource, hält Nielsen für Beas Trumpfkarte im Kampf mit dem Wettbewerb. "Versuchen Sie mal, irgendwo in der Branche jemanden zu finden, der so viel Plan hat wie Tod. Sun hat keinen solchen Mann, und IBM auch nicht", meint der Spezialist für "wiederverwendbare" Software. Seiner Ansicht nach ist Cajun genau dass, worauf die Entwicklergemeinde gewartet hat: "Bea hat endlich zugehört, was die Leute wollen. Java-Developer brauchen mehr Support, als sie zurzeit bekommen, und sie wollen die Unterstützung so wie sie Microsoft anbietet", glaubt Patterson, der in der Vergangenheit häufig Sun wegen mangelnder Unterstützung der Java-Entwickler angegangen war.

Einen Wermutstropfen schenkt Bea mit Cajun allerdings auch ein: Mit dem Konzept von Cross-Platform-Java ist erst einmal Schluss, denn das Framework wird die Appserver der Konkurrenz nicht unterstützen. Coleman sieht darin kein Problem. Bea folge damit lediglich einem historischen Branchentrend. Java sei ohnehin nur in der allerersten Spezifikation plattformübergreifend gewesen, gewissermaßen als "kleinster gemeinsamer Nenner". Coleman bezeichnete den Schritt ferner als "einen Teil unserer Empire-Strategie". Es gelte für Bea, so viele Entwickler wie möglich auf seine Anwendungs-, Portal- und E-Business Plattform zu ziehen, so lange Web-Services noch jung seien.

Das größte Wachstum bei der Entwicklung von Web-Services erwartet Coleman übrigens erst in der zweiten Hälfte dieses Jahrzehnts. Bis dahin will Bea hinreichend viele Developer auf seiner Seite wissen und Microsoft mit seinem .NET abgehängt haben. Coleman glaubt, seine Company werde mit Cajun jede Menge Visual-Basic-"Überläufer" für sich gewinnen, die sich von der Gates-Company mit dem Visual-Studio-Interface im Stich gelassen fühlen. "Je schneller wir marschieren, desto mehr besetzen wir schon, bevor Microsoft dort ankommt", erklärte der Bea-Stratege. (tc)