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Baan-Chefin wirft das Handtuch

04.01.2000
Börsenkurs bricht ein

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Nur sechs Monate nach ihrem Amtsantritt hat Mary Coleman den Chefsessel des strauchelnden Softwarehauses Baan überraschend geräumt. Dies teilte der niederländische Hersteller betriebswirtschaftlicher Software heute morgen mit und erklärte, Coleman wolle sich neuen Aufgaben im Silicon Valley widmen. Interims-Chef ist ab sofort Pierre Everaert, der bisher als Chairman den Baan-Aufsichtsrat leitete. Bis ein neuer CEO (Chief Executive Officer) gefunden ist, wird Everaert sein Amt als Chairman dem Aufsichtsratmitglied Joop Janssen übergeben.

Mit ihrem Rücktritt scheint Coleman die Konsequenzen aus der anhaltenden finanziellen Misere des Softwarehauses zu ziehen. Baan rechnet im vierten Quartal 1999 mit einem erneuten Verlust von bis zu 250 Millionen Dollar. 200 Millionen Dollar werden dabei für geplante Umstrukturierungen und Abschreibungen zu Buche schlagen. Im Rahmen einer Umstrukturierung will die Softwareschmiede nun vier Prozent ihrer 4700 Arbeitsplätze abbauen und 14 Niederlassungen schließen. Damit melden die Niederländer zum sechsten Mal in Folge ein defizitäres Quartal. Noch im September hatte Coleman angekündigt, das Unternehmen werde in der zweiten Hälfte des Jahres 1999 wieder schwarze Zahlen schreiben (CW Infonet berichtete). Wie andere ERP-Anbieter (Enterprise Resource Planning) hatte auch Baan vor allem unter dem Jahr-2000-Problem zu leiden, das den Großteil der

Firmeninvestitionen im vergangenen Jahr verschlang. Für das am 31. Dezember beendete Quartal erwartet Baan einen Umsatz zwischen 140 und 150 Millionen Dollar.

Die Börse reagierte prompt auf die schlechten Nachrichten. Der Kurs der Baan-Aktie an der Frankfurter Börse sackte in den ersten zwei Handelsstunden bereits um über 25 Prozent ab.