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AOL Time Warner strukturiert um

19.07.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Robert Pittman, COO (Chief Operating Officer) beim weltgrößten Medienkonzern AOL Time Warner und Chef der Internet-Sparte American Online (AOL) hat seinen Rücktritt angekündigt. Der Top-Manager will die Geschäfte aber weiterführen, bis ein Nachfolger gefunden ist. Pittmans Rückzug kam nicht überraschend, nachdem bereits bei seiner Ernennung im April dieses Jahres von einer vorübergehenden Lösung die Rede war (Computerwoche online berichtete).

Außerdem soll AOL nun in die neu geschaffene Medien- und Kommunikationssparte von AOL Time Warner eingegliedert werden. Dazu gehören neben dem Online-Dienst der Verlag Time, Time Warner Cable, die AOL Time Warner Book Group und die Abteilung Interactive Video. Den Vorsitz soll Don Logan, bisheriger Chef des Zeitungsverlags Time übernehmen. In einer zweiten Hauptsparte Unterhaltung und Fernsehen will der Konzern den Pay-TV-Sender Home Box Office (HBO), die Filmstudios New Line Cinema und Warner Bros., sowie die TV-Kabelgesellschaft Turner Networks und das Musiclabel Warner Music bündeln. Die Führung übernimmt Jeff Bewkes, Chairman von HBO. Beide Time-Warner-Manager unterstehen direkt dem Konzernchef Richard Parsons.

Der Medienkonzern zieht mit diesem Schritt die Konsequenz aus der drastisch gesunkenen Bedeutung des Online-Dienstes AOL für das Gemeinschaftsunternehmen. Im ersten Geschäftsquartal musste AOL Time Warner für Wertberichtungen im Zuge des Mergers 54 Milliarden Dollar abschreiben, seit der Fusion ist der Wert der Konzern-Aktie um rund 70 Prozent gefallen. Die fehlenden Wachstumserwartungen im Online-Geschäft ziehen den Kurs weiter nach unten. Hinzu kommen nun auch Mutmaßungen, dass American Online bei den Umsatzzahlen geschummelt hat: Nach einem Bericht der "Washington Post" hat der Online-Dienst vor und nach der Übernahme von Time Warner die Einnahmen um über 270 Millionen Dollar geschönt. Um sich besser darzustellen, verschob das Unternehmen in den letzten zwei Jahren unter anderem Umsätze von anderen Abteilungen und verbuchte Einnahmen für Anzeigen, die im Auftrag von Ebay verkauft wurden, als eigene. Ein Konzernsprecher wies die Anschuldigungen zurück und erklärte außerdem, es handle sich um mikroskopisch kleine Beträge im Vergleich zum Gesamtumsatz von AOL. (mb)