IBM auf dem Weg zum Servicekonzern

Wolfgang Herrmann ist Deputy Editorial Director der IDG-Publikationen COMPUTERWOCHE und CIO. Zuvor war er Chefredakteur der Schwesterpublikation TecChannel und stellvertretender Chefredakteur COMPUTERWOCHE. Zu seinen thematischen Schwerpunkten gehören Cloud Computing, Data Center, Virtualisierung und Big Data.
Der weltgrößte IT-Konzern hat einen tief greifenden Wandel zum Service- und Lösungsanbieter durchlebt. Die Bedeutung des Hardwaregeschäfts sinkt stetig.

Wie sehr sich das Geschäftsmodell der International Business Machines Corp. (IBM) verändert hat, lässt sich anhand weniger Zahlen verdeutlichen: Trugen Professional Services im Krisenjahr 1993 noch 15 Prozent zum Konzernumsatz bei, so liegt deren Anteil heute bei mehr als der Hälfte. Noch wichtiger: Nach Gartner-Berechnungen erwirtschaftet der Dienstleistungsarm IBM Global Services (IGS) mehr Gewinn vor Steuern als jede andere Einheit. Über die Hälfte der 330000 IBMer arbeiten im Dienstleistungsgeschäft. Der Hardwareanteil am Konzernumsatz sank unterdessen von gut 50 Prozent auf 24 Prozent im dritten Quartal 2005.

Mit seiner Dienstleistungssparte erwirtschaftete IBM im dritten Quartal 2005 bereits mehr als die Hälfte des Umsatzes. Im Geschäftsjahr 2004 lag der Konzernumsatz bei 96 Milliarden Dollar.
Mit seiner Dienstleistungssparte erwirtschaftete IBM im dritten Quartal 2005 bereits mehr als die Hälfte des Umsatzes. Im Geschäftsjahr 2004 lag der Konzernumsatz bei 96 Milliarden Dollar.

Dieser Trend wird sich fortsetzen, glaubt Luis Praxmarer vom Marktforschungs- und Beratungshaus Experton Group. Er rechnet damit, dass IGS in einigen Jahren rund 60 Prozent der Einnahmen beisteuert. Peter O’Neill von Forrester Research geht noch weiter. In fünf Jahren könnte sich die einstige Großrechner-Company mit einem Serviceanteil von 70 Prozent primär als Dienstleister im Markt präsentieren, lautet seine Prognose.

Steht IBM künftig für International Business Models?

Seit der Übernahme von Pricewaterhouse-Coopers Consulting (PWCC) im Jahr 2002 bastelt IBM am Image eines IT-Dienstleisters mit Beratungskompetenz. Die deutsche Tochter bewirbt ihre Business-Consulting-Sparte mit dem Slogan "Die andere IBM". Big Blue, wie der Konzern in der IT-Szene genannt wird, präsentiert sich in der Kampagne als "Partner mit Business-Know-how und Branchenexpertise für eine neue Art von Business-Innovation". Für die Kommunikation der Beratungsangebote will Jörg Peters, Marketing-Direktor bei IBM Deutschland, künftig 30 Prozent seines Etats ausgeben. Bisher waren es zehn Prozent.

Allzu gerne würde IBM als "International Business Models" wahrgenommen, kommentiert Gartner-Analyst David Mitchell Smith die Strategie. Doch bei den Kunden sei dieses Bild noch nicht angekommen. In einer Umfrage unter 475 Unternehmen mochten im ersten Quartal 2005 nur 15 Prozent dem Hersteller die Rolle eines Unternehmensberaters zugestehen. Mit hoher Wahrscheinlichkeit, so Smith, werde der Konzern noch bis zum Jahr 2010 vorrangig als Techniklieferant wahrgenommen.