Globalisierung verdrängt ältere Manager

Karriere in der IT ist ihr Leib- und Magenthema - und das seit 18 Jahren. Langweilig? Nein, sie endeckt immer wieder neue Facetten in der IT-Arbeitswelt und in ihrem eigenen Job. Sie recherchiert, schreibt, redigiert, moderiert, plant und organisert.
Mit 35 zum alten Eisen? Warum das biologische Alter in der TK-Branche eine Karrieregrenze markiert, zeigt Jürgen Tenckhoff in seiner Dissertation. Der T-Systems-Manager sprach mit CW-Redakteurin Alexandra Mesmer über Vorurteile gegenüber älteren Mitarbeitern, deren Vozüge und den Bedarf an veränderten Arbeitssystemen.
Jürgen Tenckhoff, T-Systems: 'Wer immer nur sagt, das habe schon vor zehn Jahren nicht geklappt, muss sich nicht wundern, wenn er mit der Zeit als unflexibler Quertreiber dasteht und damit gängige Altersstereotype unterstützt.'
Jürgen Tenckhoff, T-Systems: 'Wer immer nur sagt, das habe schon vor zehn Jahren nicht geklappt, muss sich nicht wundern, wenn er mit der Zeit als unflexibler Quertreiber dasteht und damit gängige Altersstereotype unterstützt.'

Der durchschnittliche Mitarbeiter von T-Mobile Deutschland ist 38 Jahre alt, die "innerbetriebliche Förderaltersgrenze" liegt bei maximal 30 bis 35 Jahren. Der Telekom-Ableger stellt keine Ausnahme dar: Wer das 40. Lebensjahr überschritten hat, hat in vielen TK-Unternehmen in der Regel kaum noch Karrieremöglichkeiten. Erst kürzlich stellte Ericsson ein Programm vor, das Mitarbeiter jenseits der 35 mit Prämien zu bewegen versucht, das Unternehmen zu verlassen. Diese Beispiele illustrieren den ungebrochenen Trend, die Belegschaften zu verjüngen - als Antwort auf die immer kürzer werdenden Innovationszyklen und die dadurch steigenden Anforderungen an Flexibilität und Anpassungsfähigkeit.

Für Jürgen Tenckhoff, 50, wurde diese Entwicklung zum ersten Mal im Jahr 2000 augenfällig, als viele Telekom-Manager nach Jahren erfolgreicher Aufbauarbeit aus den ausländischen Tochterunternehmen zurückkehrten und mit Anfang 50 hierzulande keine adäquaten Aufgaben mehr fanden. Haben ältere Führungskräfte in globalen TK-Unternehmen überhaupt noch Chancen? Diese und andere Fragen stellte sich der langjährige T-Mobile-Manager Tenckhoff, der heute bei T-Systems für den Bereich Network IT Solutions verantwortlich ist, in seiner soziologischen Dissertation, die Lebenswirklichkeiten und Zukunftsperspektiven älterer Manager in zehn TK-Unternehmen in Europa und Asien untersucht.

Hier lesen Sie ...

  • warum ältere Mitarbeiter aus TK-Firmen verdrängt werden;

  • welche Vorteile erfahrene Mitarbeiter mitbringen;

  • was Unternehmen und Mitarbeiter für eine langfristige Beschäftigungsperspektive tun müssten.

CW: Herr Tenckhoff, in Ihrer Dissertation zeigen Sie die latenten Mechanismen auf, wie ältere Mitarbeiter ins Abseits geschoben werden. Wie funktionieren diese?

TENCKHOFF: Wenn plötzlich ein 40-Jähriger in die Geschäftsführung berufen wird, pflanzt sich diese Verjüngung systematisch von Stufe zu Stufe nach unten fort. Erfährt der junge Geschäftsführer, dass ihm ältere Manager skeptisch begegnen oder ihn zu bremsen versuchen, holt er sich gern jüngere oder gleichaltrige Hauptabteilungsleiter. In den USA geht das oft besonders rasant. Nach ein bis zwei Jahren finden Sie in der Belegschaft plötzlich kaum noch Mitarbeiter, die älter sind als der Chef.