Sourcing-Strategie von BAT

SAP aus der Cloud - Tabakkonzern macht Dampf

Karin Quack arbeitet als freie Autorin und Editorial Consultant vor allem zu IT-strategische und Innovations-Themen. Zuvor war sie viele Jahre lang in leitender redaktioneller Position bei der COMPUTERWOCHE tätig.
Seine IT-Kosten hat BAT im Griff. Jetzt geht der durch Marken wie Lucky Strike und Pall Mall bekannte Tabakkonzern den nächsten Schritt: Er konzentriert sich auf wenige IT-Anbieter und packt seine SAP-Anwendungen in eine "hybride Cloud".
Den Betrieb der SAP-Anwendungen bezieht BAT von T-Systems; die Lizenzen sind selbst erworben.
Den Betrieb der SAP-Anwendungen bezieht BAT von T-Systems; die Lizenzen sind selbst erworben.
Foto: SAP

Wie fast überall, so gingen auch bei British American Tobacco (BAT) Anfang des Jahrtausends die IT-Investitionen in den Keller. 2009 musste sich das Unternehmen eingestehen, dass die Infrastruktur im Prinzip veraltet war. "Man hatte über Jahre die Kosten gedrückt", erläutert Thorsten Broese, Group Head of IT Services. "Dabei ist die IT jetzt eigentlich als Enabler gefordert. Aber die Infrastruktur dafür ist nicht vorhanden." Glücklicherweise verstehe das Business inzwischen "mehr und mehr", dass Effizienzgewinne nur erzielbar sind, wenn flexible IT-Infrastrukturen dahinter stehen.

Auch das Komplexitätsargument sprach für eine Neugestaltung. In der Vergangenheit habe BAT rund 180 IT-Abteilungen mit etwa ebenso vielen unterschiedlichen Lösungen unterhalten, berichtet der weltweite IT-Service-Chef , dessen Schreibtisch in Kuala Lumpur steht. BAT habe "jede Datenbank und jede Programmiersprache im Einsatz gehabt, die man sich vorstellen kann". Insgesamt arbeitet der Tabakhersteller mit etwa 2.500 IT-Suppliern zusammen.

Ursprünglich 60 SAP-Instanzen

Aufräumen tat auch im Anwendungsbereich Not. Die ursprünglich 60 SAP-Instanzen waren vor vier Jahren bereits auf acht verringert worden. Doch die Marktsituation erfordert mittlerweile eine noch weiter gehende Konsolidierung "Wir wollen schnell in eine Above-Market-Organisation einsteigen", so Broese, "das heißt, die Business-Prozesse werden globalisiert, und dazu ist es nötig, ein Single Template im Hintergrund aufzusetzen, das in Deutschland gehostet wird."

Der Tabakhandel ist kein Geschäft wie jedes andere mehr. In den USA beispielsweise unterliegt er einer Reihe von legalen Beschränkungen. Deshalb war BAT daran gelegen, seine Kundendaten einem Land zu hosten, das größere Freiräume bietet. "Seit 1998 haben wir ein europäisches Rechenzentrum in Hamburg und Frankfurt; da gab es nie irgendwelche Probleme", sagt Broese.

Was gegen eine Public Cloud sprach

Der "Farmer" und sein Abnehmer: T-Systems-Geschäftsführer Ferri Abolhassan (links) im Gespräch mit Thorsten Broese, dem It-Service-Chef von BAT
Der "Farmer" und sein Abnehmer: T-Systems-Geschäftsführer Ferri Abolhassan (links) im Gespräch mit Thorsten Broese, dem It-Service-Chef von BAT
Foto: T-Systems

Mit dem Beschluss, die Anwendungen und Daten in Deutschland zu hosten, fiel auch die Entscheidung, die dafür notwendigen Ressourcen nicht selbst aufzubauen, sondern sie aus einer extern betriebenen "Private Cloud" zu beziehen. Auch eine Public Cloud wäre machbar gewesen, konstatiert Broese. - Wenn dafür nicht noch einige Voraussetzungen fehlten: "Unser Vertrag ist ein paar hundert Seiten lang. Da gibt es genügend Standards, die sich auf eine Private Cloud ganz gut adaptieren lassen. Aber die Public Cloud ist juristisch weitgehend unerschlossen Gebiet. Deshalb haben wir uns gesagt: Wir wollen nicht Millionen von Euro in einen Vertrag stecken, sondern lieber in technische Konzepte."

Hinsichtlich des Providers fiel die Wahl auf die T-Systems AG, mit der BAT schon Serviceerfahrungen gesammelt hatte und die darüber hinaus bereits einige Großunternehmen mit IT-Services aus der Cloud versorgte. "Ausgehend von unserem ersten wirklichen Großanwender Shell haben wir seit 2007 unsere Cloud-Lösung immer weiter verfeinert und stellen sie nun vielen Kunden zur Verfügung", sagt Ferri Abolhassan, Geschäftsführer bei T-Systems. Aus seiner Sicht handelt es sich bei der BAT-Lösung um eine hybride Cloud: Technisch gesehen sei es eine Public Cloud mit virtuellen Ressourcen. Der Zugriffsschutz wurde isoliert und damit privatisiert: "Das war dem Kunden wichtig."

German Cloud? - nicht unbedingt nötig!

Die Tatsache, dass T-Systems in Deutschland beheimatet ist, spielte nach Broeses Darstellung keine große Rolle. Der Begriff "German Cloud" sei zwar "im Kommen", aber im größten Teil der europäischen Union sei das Hosting ebenfalls problemlos möglich gewesen: "Für uns war einfach wichtig, dass die Rahmenbedingungen stimmen und dass sie sich in den kommenden Jahren auch nicht wesentlich ändern."

Im Vorfeld der Auslagerung hatte BAT bereits ein kleineres Projekt absolviert, in dessen Rahmen sich der Konzern über seine Data-Center-Strategie Klarheit verschafft hatte. "Das war eine Frage von Netzwerk-Latency, politischer Stabilität, Verfügbarkeit etc.", sagt Broese. Eine der Anforderung war: Der Provider sollte in der Lage sein, an allen drei Data-Center-Standorten, die letztlich übrig blieben, also in Frankfurt, Singapur und Brasilien, standardisierte Services zur Verfügung stellen können.

Argumente für eine Private Cloud

Das Thema Cloud sei von Anfang an auf der Agenda gewesen, also nicht erst durch T-Systems aufgebracht worden, so Broese. Allerdings habe BAT über Anbieter wie T-Systems, IBM und HP sowie diverse externe Berater im Vorfeld Ideen eingeholt: Was ist heute machbar? Was verfügbar? "So konnten wir mit einem dedizierten Anforderungsprofil in den RFI-Prozess einsteigen."

"Die Kosten waren schon ein Argument für die Cloud, aber nicht das entscheidende", beteuert Broese. Zwar habe BAT schon bei der Ausschreibung konkrete Zielvorstellungen hinsichtlich der Einsparungen gehabt. Aber das eigentliche Thema sei Flexibilität gewesen: "Traditionelle Lösungen haben eben einen hohen Anteil von Fixkosten, die wir mit der Cloud flexibilisieren können. Zudem ging es uns darum, die Business-Modelle flexibler sowie Mergers und Akquisitionen einfacher zu machen."

Hinzu kam, dass die IT nach herkömmlichem Muster zu langsam geworden war. "Die Zeiten, um neue Lösungen aufzusetzen, mussten einfach kürzer werden", räumt Broese ein: "Das waren die Möglichkeiten, die wir in einer standardisierten Umgebung gesehen haben. Und dass sie real sind, haben wir schon in den ersten Monaten des Projekts bewiesen bekommen."