Personaler: Strategen in der Dauerkrise

ist freier Journalist in München
Der Erfolg von Unternehmen hängt von ihren Mitarbeitern ab. Um besser als ihre Konkurrenz zu sein, müssen Firmen talantierte Arbeitskräfte finden und sie langfristig an sich binden.

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Die Anforderungen an Personaler steigen. Von ihnen wird erwartet, dass sie entscheidend zur Existenzsicherung ihrer Unternehmen beitragen. Nur wenn Firmen es schaffen, sich im Wettbewerb um Talente von der Konkurrenz abzusetzen, sind sie auf der sicheren Seite. So zumindest lautete die Botschaft der „Global People Conference“, die das Management Centre Europe (MCE) Ende April auf Rhodos ausrichtete. Aus aller Welt waren etwa 400 Teilnehmer angereist, darunter viele aus den boomenden asiatischen Ländern.

Die Zeiten, in denen Personaler sich auf ruhige Verwaltungsarbeit konzentrieren konnten, sind angesichts der Globalisierung vorbei.Ein Beispiel dafür ist das IT-Offshoring in den USA. Der Politikwissenschaftler Ron Hira, Professor am Rochester Institute of Technology, schilderte, wie mittlerweile auch qualifizierte Jobs ohne Aussicht auf Rückkehr oder adäquaten Ersatz ins Ausland exportiert werden. „Laut dem Beratungsunternehmen McKinsey können US-Firmen für jeden offshore investierten Dollar zwölf bis 14 Cent Nettogewinn einstreichen“, so Hira. „Ausbaden müssen das Elektroingenieure und IT-Spezialisten, die ohne Aussicht auf eine alternative Beschäftigung entlassen werden.“

Forschung und Entwicklung werden in den USA im großen Stil ausgelagert

Bereits zweimal referierte der Wissenschaftler über die bedrohliche Lage vor dem Kongress - ohne Resonanz. Er regt zum Beispiel an, die Vergabe von Arbeitsvisa zu erschweren. „70 Prozent vom Umsatz der in den USA tätigen indischen IT-Dienstleister wie Infosys oder Wipro sind unmittelbar auf die Arbeit ihrer Landsleute vor Ort zurückzuführen.“ Damit nicht genug: Inzwischen kaufen diese Firmen US-amerikanische Unternehmen auf. „Nicht wegen der Arbeitskräfte, sie sind allein an den Kunden interessiert.“ Auch andere Marktbeobachter wie der wirtschaftswissenschaftliche Nobelpreisträger Paul Samuelson vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) versuchen bislang vergeblich, die politischen Entscheidungsträger auf-zurütteln. Seine These, wonach der Lebensstandard in den USA sich gegenläufig zum chinesischen Wachstum entwickeln werde, verhallt trotz deutlich sinkender IT-Löhne weitgehend ungehört. „Eigentlich sollte Innovation unsere stärkste Waffe sein“, wundert sich Hira. Tatsächlich würden Forschung und Entwicklung im großen Stil in andere Länder ausgelagert. Das von Beratungshäusern und der Wirtschaft favorisierte Outsourcing nutze nur wenigen: „Davon profitieren allein Aktionäre und Topmanager. Arbeitskräfte schauen dagegen in die Röhre.“