Hannover Messe Industrie

Leistungsschau der Industrie 4.0

Joachim Hackmann ist Principal Consultant bei Pierre Audin Consulting (PAC) in München. Vorher war er viele Jahre lang als leitender Redakteur und Chefreporter bei der COMPUTERWOCHE tätig.
Die Hannover Messe ist für die deutsche Industrie die wichtigste Präsentationsplattform für ihre Innovationskraft. Der aktuelle Schlüsselbegriff dafür ist derzeit "Industrie 4.0" - und vielerorts ist der tatsächlich nicht mehr als ein Begriff.

Der Schriftzug "Industrie 4.0" war auf der Hannover Messe Industrie allenthalben zu sehen, konkrete Installationen gab es allerdings weniger. Das mag auch daran liegen, dass die "Smart Factory" eine enorme Herausforderung für Hersteller, Konstrukteure, Entwickler und Betreiber von Fertigungsstätten ist, weil die Innovationszyklen im Anlagenbau sehr viel länger sind, als in der IT.

Viele Maschinen und Produktionsanlagen haben eine Lebensdauer, die ihre Betreiber in Jahrzehnten messen. Wer diese Installationen zügig ins vierte industrielle Zeitalter überführen möchte, muss vorhandene Technik um intelligente Systeme erweitern. Doch alte und neue Komponenten sind in der Regel inkompatibel, etwa weil Maschinensignale heute analog und mittels Industrieprotokoll übertragen werden, intelligente Erweiterungen auf Windows-, Linux- und Unix-Basis dagegen IPv6 (Internet Protocol Version 6) verwenden. Auch für die vertikale und horizontale Integration von Datenflüssen und Arbeitsabläufen gibt es heute zu viele Brüche, um etwa durchgängige Sicherheitskonzepte oder nahtlose Logistikprozesse über ERP-, SCM- und MES-Installationen hinweg umzusetzen.

Der Begriff Industrie 4.0 soll auf die bevorstehende vierte industrielle Revolution verweisen (nach der Mechanisierung, Massenfertigung und Automatisierung). Tatsächlich werden sich die Änderungen langsam und evolutionär einstellen. Daher ist es kein Wunder, dass auf der Hannover Messe vor allem die Forschungseinrichtungen Exponate zum Thema Industrie 4.0 vorweisen konnten.