Heiner Geißler

"Intelligenz kann nicht schaden"

20.02.2011
Von  und Nicolas Zeitler
Schreibt und bearbeitet Karrierethemen - in der Digitalredaktion von COMPUTERWOCHE, CIO-Magazin, ChannelPartner und Tecchannel. Ihre Schwerpunkte sind IT-Arbeitsmarkt, Recruiting, Freiberufler, Aus- und Weiterbildung, IT-Gehälter, Work-Life-Balance, Employer Branding, Führung und und und.  Wenn sie nicht gerade Projekte wie den "CIO des Jahres" betreut. Hofft auf mehr Frauen in der IT.
Auf den Hamburger IT-Strategietagen redete Heiner Geißler CIOs und Managern ins Gewissen: Wer gut führen will, braucht Moral und Intelligenz.
Heiner Geißler, Bundesminister a.D., auf den Hamburger IT-Strategietagen 2011.
Heiner Geißler, Bundesminister a.D., auf den Hamburger IT-Strategietagen 2011.
Foto: Joachim Wendler

Von "Stuttgart 21" können auch CIOs lernen. Heiner Geißler, Bundesminister a.D. verwies auf den 9. Hamburger IT-Strategietagen (10. und 11. März 2011) auf die Inhalte tausender E-Mails, die er nach der Schlichtung des Konflikts um das umstrittene Bahnprojekt erhalten hatte. Darin hätten Bürger nebenbei ihren Frust über alles Mögliche abgelassen, das ihnen bei der Bahn aufstoße. Einer der am häufigsten genannten Kritikpunkte: Die Fahrkartenautomaten. Denn hier fehle den Bahnkunden die direkte Kommunikation.

Geißler übertrug diese Beschwerden in die Arbeitswelt von IT-Chefs: "Schauen Sie in Ihrem Bereich, wo sie Kommunikation unnötig automatisieren", mahnte er. Bei der Bahn jedenfalls funktionierten Information über Verbindungen und Buchung von Reisen im direkten Gespräch im Service-Center viel besser als an Automaten.

Mit Argumenten überzeugen

Mit diesem Beispiel stieg Geißler in den Vortrag "Führung durch Intelligenz und Moral" ein, den er vor über 700 CIOs und IT-Managern in Hamburg hielt. "In der Wirtschaft und der Politik kann Intelligenz nicht schaden", formulierte er augenzwinkernd und kam auf unterschiedliche Facetten der Intelligenz zu sprechen: die kognitive, die kreative, die intuitive, die metaphysische, die sprachliche und die ethische.

Ebenfalls mit dem Verweis auf das Stuttgarter Bahnprojekt erklärte Geißler, dass, wer Beschlüsse durchsetzen wolle, immer mit Argumenten überzeugen müsse. "Stuttgart 21" zum Beispiel sei vor mehr als zehn Jahren beschlossen worden. Jetzt, da die Bauarbeiten starteten, müsse das der Bevölkerung erneut vermittelt werden - auch wenn das Vorhaben einst schon in den zuständigen Gremien demokratisch legitimiert worden sei. Eigene Interessen durchzusetzen, ob als Generalsekretär der CDU oder als Führungskraft in der Wirtschaft, gelinge nur "durch Überzeugung", so Geißler.