SaaS-Marktplatz für Entwickler

Fujitsu startet einen Cloud-Store

Joachim Hackmann ist Principal Consultant bei Pierre Audin Consulting (PAC) in München. Vorher war er viele Jahre lang als leitender Redakteur und Chefreporter bei der COMPUTERWOCHE tätig.
Der Hardwarehersteller Fujitsu Technology Solutions (FTS) definiert seine Rolle im Cloud-Geschäft neu und positioniert sich als Betreiber eines SaaS-Stores.
Rolf Schwirz, CEO von Fujitsu Technology Solutions: "Mit Volldampf in die Cloud."
Rolf Schwirz, CEO von Fujitsu Technology Solutions: "Mit Volldampf in die Cloud."
Foto: Fujitsi

Auf der Hausmesse "Fujitsu Forum" kündigte CEO Rolf Schwirz den Start des "Business Solution Store" im kommenden Frühjahr an. "Wir starten mit Volldampf in die Cloud", versprach der Manager. "Die Kunden wollen die Cloud, und sie wollen sie jetzt." Der Marktplatz ist vor allem für kleine und unabhängige Softwareentwickler vorgesehen, die keine eigene Cloud-Infrastruktur unterhalten wollen oder können. Ihnen hilft FTS bei Bedarf auch dabei, ihre Anwendungen Cloud-fähig zu machen. "Wir haben die dafür erforderlichen Werkzeuge", ergänzte Deutschland-Chef Marcel-Schneider auf der Veranstaltung. (Die "Business Enablement Services" von FTS wurden im Oktober im COMPUTERWOCHE-Wettbewerb "Best in Cloud" zum Sieger in der Kategorie "Cloud Enabling Software" gekürt.) Sowohl die Nutzung des Markplatzes als auch die anfängliche Anpassung vorhandener Programme ist für die ISVs (Independent Software Vendors) zunächst kostenlos. Fujitsu geht hier in Vorleistung. Erst wenn Mieteinnahmen für die ISVs sprudeln, fordert der Betreiber seinen Anteil ein.

Immer deutlicher zeichnet sich damit ab, dass große Cloud-Infrastruktur-Betreiber künftig intensiver um die ISVs werben müssen. Die Hardwareplattformen entfalten nur mit den entsprechenden Applikationen einen Mehrwert. Wenige Tage vor Fujitsu hatte beispielsweise auch HP einen Marktplatz in Aussicht gestellt, auf dem Softwarehersteller, Systemhäuser und Service-Provider ihre Cloud-Dienste ausstellen und verkaufen können. HP stellt den Partner ebenfalls Infrastruktur und Management-Software bereit, um ihnen den Weg in die Cloud zu vereinfachen. (siehe "HP bereitet sich auf Umwälzungen in der IT vor".) Und SAP kündigte auf der Hausmesse "Sapphire" in Madrid mit dem "SAP Store" ebenfalls einen Marktplatz für Cloud-Services und mobile Apps an (siehe "SAP baut einen eigenen Appstore").

Die Cloud-CRM-Lösung von Fujitsu soll Anschubhilfe für den SaaS-Store liefern, indem sie ISVs als Beispiel dient.
Die Cloud-CRM-Lösung von Fujitsu soll Anschubhilfe für den SaaS-Store liefern, indem sie ISVs als Beispiel dient.
Foto: Fujitsi

Um ISVs den Schritt in den Fujitsu-Store zu erleichtern und Anwender das Angebot schmackhaft, hat FTS sogar einen Ausflug ins Applikationsgeschäft gewagt. Auf Basis eines nicht näher bezeichneten Open-Source-Projekts haben die hauseigenen Entwickler ein SaaS-Produkt für das Customer Relationship Management (CRM) entworfen, das ebenfalls ab Frühjahr 2012 via Business-Store vertrieben werden soll. "Es ist eine echte Cloud-basierende Lösung die den ISV-Marktplatz anschieben soll", begründete Chief Technology Officer Joseph Reger den Schritt. Für den Vertrieb der CRM-Lösung seien weder Lizenz- noch Wartungskosten vorgesehen, die Kunden zahlen nur nach Verbrauch.

Das SaaS-Store-Vorhaben reiht sich in mehrere Cloud-Initiativen ein, die Fujitsu seit geraumer Zeit betreibt. Für Anwender stehen beispielsweise IaaS- und PaaS- sowie diverse Management-Lösungen bereit. "Wir wollen die Nummer eins im Cloud-Markt für Geschäftskunden werden", kündigte Schwirz an und kann dabei auf den Rückhalt der Muttergesellschaft vertrauen. Auch Sie hat die Wolken-IT zum strategischen Geschäftsfeld ernannt. Bis 2015 will der Konzern 30 Prozent des Umsatzes oder 17 bis 20 Milliarden Dollar mit Cloud Computing erlösen.