IT-Gehälter 2016

Der große Gehaltsvergleich in der Informatik

Hans Königes ist Ressortleiter Jobs & Karriere und damit zuständig für alle Themen rund um Arbeitsmarkt, Jobs, Berufe, Gehälter, Personalmanagement, Recruiting, Social Media im Berufsleben. Zusätzlich betreut das Karriereressort inhaltlich das Karrierezentrum auf der Cebit.
Lediglich um 2,2 Prozent stiegen die Gehälter der IT-Fachkräfte 2016 an. Das ergab der exklusive Gehaltsvergleich von Compensation Partner und der COMPUTERWOCHE.

Tim Böger, Geschäftsführer der Hamburger Vergütungsberatung Compensation Partner und Projektleiter der Studie, hatte im vergangenen Jahr bei der Kommen­tierung des starken Zuwachses vorgebaut und war auf die Euphoriebremse getreten, als er ­erklärte: "Einen Lohnzuwachs von über sechs Prozent für Fachkräfte werden wir wohl nicht mehr erleben." Er sollte recht behalten, denn auch für die Computerfachleute wachsen die Bäume nicht in den Himmel. Böger geht aber weiter davon aus, dass sich der IT-Sektor positiv entwickelt, und hält deshalb für die nächsten Jahre Zuwächse von drei bis vier Prozent "für realistisch".

Tim Böger, Compensation Partner: „Einen Lohnzuwachs von über sechs Prozent für Fachkräfte wie im vergangenen Jahr werden wir wohl nicht mehr erleben.“
Tim Böger, Compensation Partner: „Einen Lohnzuwachs von über sechs Prozent für Fachkräfte wie im vergangenen Jahr werden wir wohl nicht mehr erleben.“
Foto: Personalmarkt

Der Hamburger Vergütungsprofi hat - übrigens wie im Vorjahr auch - einen eindeutigen Sieger ausgemacht: Es ist der Security-Experte, dessen Gehalt die letzten beiden Jahre von 63.000 Euro auf im Vorjahr 70.600 und jetzt auf 71.100 Euro stieg. "Die Sicherheits­experten werden immer wichtiger - zum Beispiel vor dem Hintergrund der zunehmenden Cyber-Attacken auf global agierende Online-Unternehmen", so ­Böger. Eine Folge der Digitalisierung und Vernetzung seien neue Sicherheitslücken und Schlupf­löcher für Cyber-Kriminelle, die es zu schließen gilt.

Security-Profis sind die Gewinner in der Informatik

Zu den weiteren Spitzenverdienern unter den IT-Fachkräften ohne Personalverantwortung gehören einmal mehr die Projektleiter mit einem Jahresgehalt von durchschnittlich 70.300 Euro, was etwa dem Niveau des Vorjahrs entspricht. Haben sie direkte Leitungsbefugnis über ihre Mitarbeiter, können sie mit einem um ein Viertel bis zu einem Drittel höheren Einkommen rechnen. Es folgen Berater mit SAP-Know-how (68.600 Euro) oder mit anderen Spezialgebieten (67.000 Euro). Softwareentwickler kommen im Schnitt auf 57.500 Euro brutto im Jahr.

Das Schlusslicht bilden Mitarbeiter im Anwender-Support (43.000 Euro) und Web-Designer (37.000 Euro). Die Einkünfte der wenig oder falsch Qualifizierten stagnierten oder gingen sogar zurück, so Böger. Der Druck auf Mitarbeiter aus dem Support und der Administration wachse, das Thema Outsourcing spiele nach wie vor eine Rolle, wenn es darum geht, IT-Aufgaben auszulagern.

Ein Studium zahlt sich aus

Knapp 60 Prozent aller Personen, deren Daten in die Gehaltsstudie eingeflossen sind, verfügen über einen Hochschulabschluss. Am besten honoriert wird das Universitätsdiplom mit durchschnittlich 70.000 Euro, ein Fachhochschulabschluss bringt 68.000 Euro. Der Master hat noch nicht das Niveau des Diploms erreicht, ist aber auf einem guten Weg und wird mit rund 60.000 Euro Jahresgehalt honoriert. Der Abstand liegt an dem niedrigeren Alter der Master-Inhaber. Mit dem ebenfalls noch jungen Bachelor-Abschluss bringen es Experten auf durchschnittlich 50.500 Euro.

Wer eine Lehre absolviert hat, muss sich mit 48.000 Euro im Jahr zufriedengeben. Wich­tiger Hinweis: Bei den Zahlen handelt es sich nicht um Einstiegsgehälter, sondern um Einkommen, die im Schnitt mit dem jeweiligen Abschluss zu erreichen sind.

Berufserfahrung wirkt sich positiv im Portemonnaie aus: Spezialisten mit drei bis sechs Jahren Berufspraxis kommen auf rund 46.960 Euro jährlich, mit einer Berufserfahrung von sieben bis zehn Jahren liegen die Gehälter im Schnitt bei 56.250 Euro. Wer mehr als zehn Jahre im Geschäft ist, hat im Mittel 63.800 Euro auf dem Lohnzettel. An das Gehaltsniveau ihrer Chefs kommen IT-Fachkräfte trotz aller Berufserfahrung nicht heran: IT-Leiter mit mehr als zehn Jahren Berufserfahrung beispielsweise haben noch einmal rund 76.000 Euro jährlich mehr im Portemonnaie. Damit vergrößert sich die Schere zwischen Fach- und Führungskräften.

Mittelstand holt auf

Nach wie vor beeinflusst die Unternehmensgröße stark die Höhe des Gehalts. Je größer das Unternehmen, umso höher die Vergütung. Um diesen Unterschied zu verdeutlichen, hat Compensation Partner die Gehälter aller IT-Fachkräfte eines Unternehmens in einen Topf geworfen und den Durchschnitt ermittelt. Die gute Nachricht in diesem Jahr: In den kleinen Firmen sind die Gehälter stärker gestiegen als in großen Betrieben. In einem mittelständischen Betrieb mit bis zu 100 Mitarbeitern nimmt der Computerfachmann heuer rund 48.100 Euro nach Hause, im Vorjahr waren es 47.400 Euro.

Wechselt er zu einem größeren Mittelständler mit bis zu 1000 Beschäftigten, sind es gleich 7000 Euro mehr. Heuert er bei einem Konzern an, bekommt er noch einmal rund 16.000 Euro dazu, insgesamt also etwa 71.000 Euro, was etwa auf dem Vorjahresniveau liegt. Um weitere 40.000 bis 60.000 Euro kann das Gehalt steigen, wenn der IT-Experte eine Führungsfunktion mit Personalverantwortung übernimmt.

Gehaltsvergleich Deutschland: Gefälle zwischen Ost und West bleibt

Große Gehaltsunterschiede lassen sich zwischen den Regionen feststellen. Während Arbeitgeber in Metropolen wie Frankfurt am Main und München rund 20 Prozent mehr als der Bundes­durchschnitt bezahlen, müssen sich IT-Mitarbeiter in Niedersachsen oder Schleswig-Holstein mit zehn bis 15 Prozent unter dem Durchschnitt bescheiden.

In Dresden müssen IT-Profis mit kargen Löhnen vorlieb nehmen. So verdient dort ein Webentwickler nur knapp 20.000 Euro brutto im Jahr.
In Dresden müssen IT-Profis mit kargen Löhnen vorlieb nehmen. So verdient dort ein Webentwickler nur knapp 20.000 Euro brutto im Jahr.
Foto: 2014

Noch stärker - aber auch das ist keine neue ­Erkenntnis - ist das Gefälle zwischen Ost und West. So liegt das Schlusslicht Mecklenburg-Vorpommern fast 30 Prozent und selbst die Hightech-Region Dresden noch rund 20 Prozent unter dem Durchschnitt. Damit vergrößert sich die Schere zwischen Ost und West, vor zwei Jahren lagen die ostdeutschen Regionen nämlich nur um zehn bis 20 Prozent unter dem Bundesdurchschnitt. Eine überraschende Ausnahme stellt Thüringen dar, das im Vergleich zum Vorjahr eine steigende Gehaltsentwicklung verzeichnete, wenngleich auf noch vergleichsweise niedrigem Niveau. 23,5 Prozent unter dem Bundesdurchschnitt liegen hier die Einkommen.

Topbranchen für Berater: Konsumgüter und Chemie

Eklatant sind die Einkommensunterschiede auch zwischen den Branchen. Am besten zahlen der Konsumsektor, die Chemieindustrie und die Medizintechnik. Compensation Partner hat in einer Sonderauswertung am Beispiel der IT-Berater festgehalten, wo die Differenzen besonders krass ausfallen. In den genannten Branchen erhalten die Consultants 84.900 Euro im Jahr. Unter den Top-Ten-Branchen folgen Bereiche wie Pharma, Feinmechanik und Maschinenbau, die rund 1000 Euro weniger vergüten. Der Anlagenbau und der jahrelange Spitzenreiter, die Banken, zahlen 82.000 Euro im Jahr. Schlußlicht in der ersten Liga sind die Softwarefirmen, hier erreichen die Berater durchschnittlich 74.800 Euro.

Die Liste der Branchen aus der zweiten Liga führen die Krankenhäuser an. Die Consultants nehmen im Durchschnitt 69.000 Euro mit nach Hause, es folgen der Einzelhandel und die öffentliche Verwaltung, die ihre Berater mit rund 66.500 Euro im Jahr honorieren. 4000 Euro weniger gibt es im Sozialbereich, im Gesundheitswesen und in Autohäusern. Das Schlusslicht bilden die Call-Center und das Hotel- und Gaststättengewerbe, wo die Berater um die 61.000 Euro in der Tasche haben.

Sparpotenzial bei Dienstwagen entdeckt

Etwa 30 Prozent aller IT-Fachkräfte haben eine Prämienregelung, unter den Führungskräften sind es knapp 42 Prozent. Erstere bekommen Prämien in Höhe von 5200 Euro jährlich, die Boni der Führungskräfte belaufen sich im Schnitt auf 19.200 Euro (Vorjahr: 16.350 Euro) im Jahr. Fast ein Fünftel aller Fachkräfte und 25 Prozent der Manager erhalten Arbeitgeberleistungen zur betrieblichen Altersvorsorge.

Dieser Anteil beläuft sich bei Ersteren auf 3000 Euro, bei den Chefs sind es 5200 Euro. ­Einen Firmenwagen fahren neun Prozent (Vorjahr elf Prozent) aller IT-Mitarbeiter und 30 Prozent (Vorjahr: 38,5 Prozent) der Führungskräfte. Hier ist überraschend ein Rückgang von 8,5 Punkten gegenüber dem Vorjahr zu vermelden. Der Neuwert des Wagens liegt für Fachkräfte durchschnittlich bei ungefähr 37.700 Euro, bei den Managern bei 43.750 Euro.

Hier haben die Controller offensichtlich richtig Sparpotenzial ausfindig gemacht, denn im ­Vorjahr durften sich die Chefs noch Dienstkutschen im Wert von durchschnittlich knapp über 50.500 Euro bestellen.

Zum Vergleich: IT-Gehälter 2015

Zur Studie: IT-Gehälter 2016/2017

  • Datenbasis: An der Studie beteiligten sich 38 Unternehmen aus der IT-Wirtschaft, die 1024 Datensätze geliefert haben. Weitere 14.555 Datensätze stammen aus Direktbefragungen von Fach- und Führungskräften. Insgesamt sind so 15.579 Daten­sätze in die Studie eingeflossen. 1030 Meldungen kamen zu Führungspositionen, 14.549 Meldungen gingen zu Fach- und Spezialistenpositionen ein. Die Daten wurden vom Mai bis August 2016 erhoben.

  • Methode: Das auf Vergütungsdaten spezialisierte Hamburger Unternehmen Compensation Partner hat Höhe und Struktur der Gehälter von insgesamt 28 IT-Funktionen untersucht. Innerhalb einer Funktion wurde weiterhin nach Anspruchsstufen differenziert: IT-Berater etwa sind vom einfachen Consultant bis hin zum Manager mit Personalverantwortung analysiert worden. Zudem wurden die Gehälter nach Firmengrößen ausgewertet. Compensation Partner hat das Gesamt- und das Grundgehalt sowie sämtliche Nebenleistungen berechnet.

  • Bestellen: Die Vergütungsstudie "IT-Funktionen" kann zum Preis von 599 Euro (zuzüglich Mehrwertsteuer und Versandkostenpauschale) über die Homepage von Compensation Partner bestellt werden. Sie richtet sich an Geschäftsführer, Personalleiter und Personalverantwortliche aus der IT-Wirtschaft sowie an Personal- und Unternehmensberater.