IT-Profis verdienen deutlich mehr

Der große Gehaltsvergleich für IT-Fachkräfte 2015/6

Hans Königes ist Ressortleiter Jobs & Karriere und damit zuständig für alle Themen rund um Arbeitsmarkt, Jobs, Berufe, Gehälter, Personalmanagement, Recruiting, Social Media im Berufsleben. Zusätzlich betreut das Karriereressort inhaltlich das Karrierezentrum auf der Cebit.
Vor zwei Jahren gab es eine magere Gehaltserhöhung von einem Prozent, dann im vergangenen Jahr ein durchschnittliches Plus von immerhin 2,8 Prozent und jetzt endlich einen kräftigen Zuwachs um 6,2 Prozent. So lautet das Ergebnis der exklusiven Vergütungsstudie von Compensation Partner und der COMPUTERWOCHE.

Seit Jahren diskutieren Gegner und Befürworter sehr emotional darüber, ob es in der IT-Branche einen Fachkräftemangel gibt. Eines der eher pauschalen Argumente der Gegner lautete: Solange es keine nennenswerte Gehaltssteigerung gibt, könne von einem Fehlen von IT-Spezialisten keine Rede sein, sonst würden die Arbeitgeber entsprechend reagieren und zahlen. Nun scheint das Thema in den Firmen angekommen zu sein, denn ein so kräftiges durchschnittliches Gehaltsplus hat es schon seit Jahren nicht mehr gegeben.

Security-Profis sind die Gewinner des Jahres

Tim Böger, Geschäftsführer der Hamburger Vergütungsberatung Compensation Partner und Projektleiter der Studie, versucht aber gleich auf die Euphoriebremse zu treten, wenn er erklärt: "Einen Lohnzuwachs von über sechs Prozent für Fachkräfte werden wir wohl nicht mehr erleben". Er gehe aber weiter davon aus, dass sich der IT-Sektor positiv entwickle und hält deshalb für die nächsten Jahre drei bis vier Prozent "für realistisch."

Vergütungsprofi Böger hat einen eindeutigen Sieger der diesjährigen Studie ausgemacht: Es ist der Security-Experte, dessen Gehalt von 63.000 Euro im Vorjahr auf jetzt 70.600 Euro stieg. "Hackerangriffe, neue, digitale Bezahlmodelle und eine boomende Internet-Wirtschaft erfordern immer mehr Schutz", lautet Bögers Begründung für die rasante Gehaltsentwicklung bei den Sicherheitsprofis.

Projektleiter bleiben Spitzenverdiener unter IT-Fachkräften

Zu den weiteren Spitzenverdienern unter den IT-Fachkräften ohne Personalverantwortung gehören einmal mehr der Projektleiter mit einem Jahresgehalt von durchschnittlich 72.440 Euro, was etwa dem Niveau des Vorjahres entspricht. Haben sie direkte Leitungsbefugnis über ihre Mitarbeiter, können sie mit einem Viertel bis zu einem Drittel mehr Einkommen rechnen. Es folgt der gerade schon genannte Senkrechtstarter, der die Berater von Platz zwei verdrängt hat, zum einen den mit SAP-Know-how (69.850 Euro), und den gemeinen IT-Berater (65.040 Euro). Das Schlusslicht bilden wie in den vergangenen Jahren Mitarbeiter im Anwender-Support (42.260 Euro) und Web-Designer (35.810 Euro). Die Einkünfte der wenig oder falsch Qualifizierten stagnierten oder gingen ganz zurück, so Böger. Der Druck auf Mitarbeiter aus dem Support und der Administration wachse, das Thema Outsourcing spiele nach wie vor eine Rolle, wenn es darum geht, IT-Aufgaben auszulagern.

Projektleiter zählen, wie auch im letzten Jahr, zu den Spitzenverdienern bei den IT-Fachkräften ohne Personalverantwortung mit einem Jahresgehalt von ca. 72.440 Euro.
Projektleiter zählen, wie auch im letzten Jahr, zu den Spitzenverdienern bei den IT-Fachkräften ohne Personalverantwortung mit einem Jahresgehalt von ca. 72.440 Euro.
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Quiz zum Arbeitsplatz der Zukunft

Knapp 59 Prozent aller Personen, deren Daten in die Gehaltsstudie eingeflossen sind, verfügen über einen Hochschulabschluss und verdienen im Schnitt 64.510 Euro. Am besten honoriert wird das Universitätsdiplom mit durchschnittlich 70.770 Euro, ein Fachhochschulabschluss bringt 68.920 Euro. Der Master hat noch nicht das Niveau des Diploms erreicht, ist aber auf einem guten Weg und wird mit rund 60.520 Euro Jahresgehalt honoriert. Der Abstand liegt an dem noch niedrigen Durchschnittsalter der Master-Inhaber. Mit dem ebenfalls noch jungen Bachelor-Abschluss bringen es Experten auf durchschnittlich 50.025 Euro. Absolventen von Berufsakademien oder Fachschulen mit staatlich anerkanntem Abschluss verdienen knapp 56.640 Euro im Jahr. Wer eine Lehre absolviert hat, muss sich mit 48.100 Euro im Jahr zufriedengeben. Wichtiger Hinweis: Bei den Zahlen handelt es sich nicht um Einstiegsgehälter, sondern um Einkommen, die im Schnitt mit dem jeweiligen Abschluss zu erreichen sind.

Berufserfahrung wirkt sich positiv im Portemonnaie aus: Spezialisten mit drei bis sechs Jahren Berufspraxis kommen auf rund 47.100 Euro jährlich, mit einer Berufserfahrung von sieben bis zehn Jahren liegen die Gehälter im Schnitt bei 53.280 Euro. Wer mehr als zehn Jahre im Geschäft ist, hat im Mittel 60.540 Euro auf dem Lohnzettel. An das Gehaltsniveau ihrer Chefs kommen IT-Fachkräfte trotz aller Berufserfahrung nicht heran: IT-Leiter mit mehr als zehn Jahren Berufserfahrung beispielsweise haben noch einmal rund 75.000 Euro jährlich mehr im Portemonnaie. Damit vergrößert sich die Schere zwischen Fach- und Führungskräften.

Konzern zahlen am besten

Nach wie vor beeinflusst die Unternehmensgröße stark die Höhe des Gehalts. Je größer das Unternehmen, umso höher die Vergütung. Um diesen Unterschied zu verdeutlichen, hat Compensation Partner die Gehälter aller IT-Fachkräfte eines Unternehmens in einen Topf geworfen und den Durchschnitt ermittelt. In einem mittelständischen Betrieb mit bis zu 100 Mitarbeitern nimmt der Computerfachmann rund 47.400 Euro im Jahr nach Hause, wechselt er dann zu einem größeren Mittelständler mit bis zu 1000 Beschäftigten, sind es gleich 7000 Euro mehr. Bevorzugt er einen Konzern, kommen noch einmal rund 15.000 Euro drauf, also etwa 70.000. Im Vorjahr machte dieser Unterschied nur 10.000 Euro aus. Um weitere 40.000 bis 60.000 Euro kann das Gehalt steigen, wenn der IT-Experte eine Führungsfunktion mit Personalverantwortung übernimmt.

Große Gehaltsunterschiede lassen sich zwischen den Regionen feststellen. Während Arbeitgeber in Metropolen wie Frankfurt am Main und München rund 20 Prozent mehr als der Bundesdurchschnitt bezahlen, müssen sich IT-Mitarbeiter in Niedersachsen oder Schleswig-Holstein mit zehn bis 15 Prozent unter dem Durchschnitt bescheiden. Noch stärker - aber auch das ist keine neue Erkenntnis - ist das Gefälle zwischen Ost und West. So liegt das Schlusslicht Mecklenburg-Vorpommern fast 30 Prozent und selbst die Hightech-Region Dresden noch rund 20 Prozent unter dem Durchschnitt. Damit vergrößert sich die Schere zwischen Ost und West, vor zwei Jahren lagen die ostdeutschen Regionen nämlich nur um zehn bis 20 Prozent unter dem Bundesdurchschnitt. Es scheint also noch etwas zu dauern, bis zusammenwächst, was zusammengehört.

Auch die regionalen Unterschiede spielen bei den IT-Gehältern nach wie vor eine große Rolle. So besteht weiterhin ein Ost-West-Gefälle - in München erhält man zum Beispiel fast 45 Prozent mehr Lohn als in Mecklenburg-Vorpommern.
Auch die regionalen Unterschiede spielen bei den IT-Gehältern nach wie vor eine große Rolle. So besteht weiterhin ein Ost-West-Gefälle - in München erhält man zum Beispiel fast 45 Prozent mehr Lohn als in Mecklenburg-Vorpommern.
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Top-Branchen: Banken, Chemie und Pharma, Autoindustrie

Eklatant sind die Einkommensunterschiede auch zwischen den Branchen. Personalmarkt hat in einer Sonderauswertung festgehalten, wo die Differenzen besonders krass ausfallen. IT-Projektleiter können mit den höchsten Vergütungen in Banken mit 106.850 (Vorjahr 90.000 Euro) rechnen. Auch die Versicherungshäuser, Chemiefirmen sowie die Auto- und die Telekommunikationsindustrie bezahlen ihre IT-Projektleiter mit rund 80.000 bis 82.000 Euro im Jahr über dem Durchschnitt der Branchen. Unterdurchschnittlich gestalten sich dagegen die Einkommenschancen für IT-Projektleiter in der Werbebranche (51.120 Euro) und in den Medienhäusern (61.200).

Ähnliches gilt auch für andere IT-Berufe wie Entwickler, Administratoren oder Berater. Wer als Programmierer auf ein hohes Einkommen schielt und Risiko und durchwachsenes Image nicht scheut, sollte sich, zumindest laut den Compensation-Partner-Analysen, in einer Bank bewerben, weil er hier mit einer Vergütung von rund 71.930 Euro jährlich rechnen kann. Ähnlich gut entlohnt auch die Chemieindustrie, die im Durchschnitt 69.370 Euro im Jahr zahlt. Das Schlusslicht bildet auch hier die Werbebranche (45.780 Euro) und der Einzelhandel (48.720 Euro).

Ein Systemadministrator verdient im Fahrzeugbau mit einem Jahresgehalt von gut 70.000 Euro fast 30.000 Euro mehr im Jahr als sein Berufskollege im Einzelhandel.
Ein Systemadministrator verdient im Fahrzeugbau mit einem Jahresgehalt von gut 70.000 Euro fast 30.000 Euro mehr im Jahr als sein Berufskollege im Einzelhandel.
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Berater haben schon immer gut verdient, müssen aber auch viel arbeiten. Umso genauer sollte man sich die Branche anschauen, zu der das Unternehmen gehört. In besonders gut bezahlenden Branchen wie dem Fahrzeugbau kommt ein IT-Berater mit seinen 96.310 Euro auf über 40.000 Euro mehr im Jahr als sein Kollege beim Schlusslicht, dem Versandhandel, wo er sich mit 53.500 Euro begnügen muss. In anderen prosperierenden Branchen wie Pharma, Medizintechnik und Chemie bewegen sich die Beratersaläre bei 75.000 bis 80.000 Euro im Jahr.

Auch für Systemadministratoren macht es einen großen Unterschied, in welcher Branche sie arbeiten. Am wenigsten verdienen sie im Einzelhandel (42.100 Euro) und in der Möbelindustrie (42.6000 Euro). Etwas besser geht es ihnen - zumindest finanziell - im Großhandel, der ihnen 43.510 Euro im Jahr überweist. Besser wird es dann in der Versicherungsbranche und der Luftfahrtindustrie, die fast 60.000 Euro zahlen. Wesentlich mehr auf den Tisch legen Banken (62.470 Euro im Jahr) sowie Unternehmen aus dem Fahrzeugbau (rund 70.210). Wobei bei Letzteren sicherlich auch eine Rolle spielt, dass viele Admins in großen Unternehmen beschäftigt sind.

Prämien für die Fleißigen

Rund ein Drittel aller IT-Fachkräfte hat eine Prämienregelung, unter den Führungskräften sind es doppelt so viele. Erstere bekommen Prämien in Höhe von 5110 Euro jährlich, die Boni der Führungskräfte belaufen sich im Schnitt auf 16.350 Euro im Jahr. Fast ein Viertel aller Fachkräfte und 34 Prozent der Manager erhalten Arbeitgeberleistungen zur betrieblichen Altersvorsorge. Dieser Anteil beläuft sich bei Ersteren auf 2700 Euro, bei den Chefs sind es 5050 Euro. Einen Firmenwagen fahren elf Prozent (Vorjahr zehn Prozent) aller IT-Mitarbeiter und 38,5 Prozent der Führungskräfte. Hier ist überraschend ein Rückgang von 1,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu vermelden. Der Neuwert des Wagens liegt für Fachkräfte durchschnittlich bei ungefähr 38.400 Euro, bei den Managern bei knapp über 50.500 Euro.

Überstunden gehören zum Alltag der IT-Mitarbeiter. Allerdings haben nur 7,9 Prozent der Befragten einen monetären Ausgleich der geleisteten Überstunden im Arbeitsvertrag. Wer eine solche Regelung hat, kann sein Gehalt noch einmal um rund 3090 Euro pro Jahr steigern. Wesentlich häufiger ist Freizeitausgleich.

Zur Studie: IT-Gehälter 2015/6

  • Datenbasis: An der Studie beteiligten sich dieses Jahr 34 Unternehmen aus der IT-Wirtschaft, die insgesamt 759 Datensätze geliefert haben. Weitere 14.738 Datensätze stammen aus Direktbefragungen von Fach- und Führungskräften. Insgesamt sind so 15.497 Datensätze in die Studie geflossen. 860 Meldungen kamen zu Führungspositionen und 14.637 Meldungen zu Fach- und Spezialistenpositionen. Die Datenerhebung fand im Zeitraum von Mai bis August 2015 statt.

  • Methode: Das auf Vergütungsdaten spezialisierte Hamburger Unternehmen Compensation Partner hat Höhe und Struktur der Gehälter von insgesamt 28 IT-Funktionen untersucht. Innerhalb einer Funktion wurde weiterhin nach Anspruchsstufen differenziert: IT-Berater etwa sind vom einfachen Consultant bis hin zum Manager mit Personalverantwortung analysiert worden. Zudem wurden die Gehälter nach Firmengrößen ausgewertet. Compensation Partner hat das Gesamt- und das Grundgehalt sowie sämtliche Nebenleistungen berechnet.

  • Bestellen: Die Vergütungsstudie "IT-Funktionen" kann zum Preis von 599 Euro (zuzüglich Mehrwertsteuer und Versandkostenpauschale) über die Homepage von Compensation Partner bestellt werden. Sie richtet sich an Geschäftsführer, Personalleiter und Personalverantwortliche aus der IT-Wirtschaft sowie an Personal- und Unternehmensberater.